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    Rannungen

    Altlasten von Rannungens Schul- und Kirchplatz gehen jetzt ins Geld

    Viele Tonnen Teer und Erdreich wurden auf dem Kirchplatz zwischen der  Kirche, der alten Schule und dem alten Rathaus ausgebaggert. Sie enthalten  Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und müssen nun für viel Geld  entsorgt werden. Foto: Dieter Britz
    Viele Tonnen Teer und Erdreich wurden auf dem Kirchplatz zwischen der Kirche, der alten Schule und dem alten Rathaus ausgebaggert. Sie enthalten Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und müssen nun für viel Geld entsorgt werden. Foto: Dieter Britz

    Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (kurz PAK) reißen ein nicht geplantes Finanzloch von bis zu 100.000 Euro in den Haushalt der Gemeinde Rannungen für das Jahr 2019. So viel kostet möglicherweise die Entsorgung der Teerdecke und einer Erdschicht von etwa 20 Zentimetern Dicke, die bei den Arbeiten zur Neugestaltung des Schul- und Kirchplatzes abgetragen wurden.

    Lösung mit krebserregenden Stoffen

    Der Gemeinderat billigte zunächst die Kosten für die Entsorgung des Teers, die rund 8300 Euro ausmachen. Die Kosten für die Entsorgung des Erdreiches solle noch einmal geprüft werden. Bürgermeister Fridolin Zehner ( CSU ) erläuterte im Gespräch mit der Redaktion, dass vor 50 Jahren, als der Platz geteert wurde, auch der Schotter mit einer Lösung besprüht wurde, die krebserregende PAK enthielt. Darauf wurde dann der Teer aufgebracht. Dieser wurde im Lauf der Jahrzehnte rissig. Wasser konnte eindringen und schwemmte die PAK bis in die Erde. Das ist auch der Grund, warum jetzt nicht nur die Teerschicht und der Schotter entsorgt werden, sondern auch eine Erdschicht.

    Für die Entsorgung des Teers auf einer Deponie genehmigte der Gemeinderat die schon erwähnten 8300 Euro. Ein Teil des Erdreiches wurde am Friedhof abgelagert. Er wurde bereits untersucht und enthält PAK. Deshalb muss er auf eine Deponie. Die Kosten dafür würden sich auf rund 44.000 Euro belaufen. Ein anderer Teil wurde im Bereich der Erweiterungsfläche für die Photovoltaik-Anlage im Gewerbegebiet abgelagert. Diese Erdhaufen sind jedoch, so die Firma bos.ten AG, im Baufeld und müssen entfernt werden, damit die Bauarbeiten beginnen können. Dieser Erdaushub wird jetzt auf eine mögliche Belastung mit PAK untersucht. Ist auch er belastet, fallen weitere 44.000 bis 50.000 Euro Entsorgungskosten an, so Bürgermeister Zehner.

    Wer trägt die Kosten?

    Der Zweite Bürgermeister Werner Keller sprach von einem Schildbürgerstreich, denn die Proben hätten schon früher genommen werden können. Dadurch, dass das Erdreich zuerst gelagert worden sei, anstatt es sofort zu entsorgen, entstehe doppelte Arbeit. "Wer trägt die Kosten für alles?", wollte er wissen.

    "Wir wahrscheinlich", meinte Fridolin Zehner dazu. Auf Antrag von Harald Klopf (Bürgerliste) soll nochmals geprüft werden, ob die Entsorgung des Erdreiches auch billiger möglich ist. Er erinnerte sich daran, dass die Gemeinde Maßbach kürzlich die Hälfte an Kosten sparte, als sie den Erdhaushub aus der Parksiedlung nicht in die Kreismülldeponie bringen ließ, sondern zu einer privaten Deponie.

    6000 Euro für Spielplatz bewilligt

    Ungewöhnlich viele Zuhörer waren zu dieser Sitzung gekommen. Die meisten von ihnen waren Mitglieder des TSV (Turn- und Sportvereins). Sie wollten wissen, wie viel Geld der Gemeinderat für die Erneuerung des vereinseigenen Spielplatzes, der öffentlich ist, bewilligt. Der Verein will seinen "in die Jahre gekommenen Spielplatz auf seinem Sportgelände" (so heißt es in der Sitzungsvorlage) erneuern und mit neuen Spielgeräten ausstatten. Die Kosten dafür betragen rund 22.000 Euro. Werner Keller regte an, dass die Gemeinde die Hälfte (also 11.000 Euro) übernimmt, denn der TSV-Spielplatz sei der am meisten frequentierte in der Gemeinde. Dafür stimmte aber nur er selbst. Harald Klopf fand es "super, dass der TSV das in Eigenregie macht" und schlug 6000 Euro vor. Dafür stimmten schließlich alle elf anwesenden Gemeinderäte. Damit musste über den Vorschlag des Bürgermeisters, 5000 Euro zu geben, nicht mehr abgestimmt werden.

    Kurzfristig Bauland schaffen

    Der Gemeinderat billigte die Aufstellung einer Einbeziehungssatzung "Bergstraße" und den vom Planungsbüro Kirchner dazu ausgearbeiteten Plan. Damit können, wenn das Behördenverfahren erst durchlaufen ist, zwei Privatgrundstücke bebaut werden. Im Flächennutzungsplan sind die Grundstücke als Wohnbauflächen ausgewiesen, sind aber nicht in einem Bebauungsplan und liegen deshalb im Außenbereich und können nicht bebaut werden. Durch den Erlass dieser Einbeziehungssatzung könne kurzfristig Bauland in der Gemeinde geschaffen werden, heißt es in der Beschlussvorlage und weiter, die Kosten für die Verlängerung der Ver- und Entsorgungsleitungen, der Grundstücksanschlüsse und des Verfahrens übernimmt der Grundstückseigentümer. Außerdem muss eine Ausgleichsfläche mit einer Größe von 900 Quadratmetern geschaffen werden. Dazu dient eine Wiese direkt im Anschluss an das rund 1865 Quadratmeter große neue Baugelände. Die Satzung wird nun in einem vereinfachten Verfahren aufgestellt. Die Verwaltung bekam den Auftrag, die Pläne öffentlich auszulegen und gleichzeitig die Behörden und sonstigen Träger öffentlicher Belange am Verfahren zu beteiligen. Alle Gemeinderäte stimmten dafür. mdb

    Was ist PAK?

    PAK ist eine Abkürzung für Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe - einer großen chemischen Stoffgruppe, die seit Jahrzehnten wegen ihrer problematischen Eigenschaften für Mensch und Umwelt im Fokus von Wissenschaft und Öffentlichkeit steht. PAK bestehen aus mehrgliedrigen Ringen aus Kohlenstoff- und Wasserstoffatomen (meist Benzolringen), die über gemeinsame Seiten miteinander verbunden sind. Die kleinsten Verbindungen der Stoffgruppe bestehen aus zwei Ringen (beispielsweise Naphthalin), die größten aus sieben Ringen (zum Beispiel Coronen). Durch die Kombinationsvielfalt der Ringe gibt es sehr viele verschiedene PAK - man geht von etwa 10.000 Verbindungen aus. Quelle: Umweltbundesamt

    Dieter Britz

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