• aktualisiert:

    Oerlenbach

    Arbeit auf dem Bau attraktiver als ihr Ruf

    Die Baubranche boomt. Die Auftragsbücher der Bauunternehmen sind voll. Was fehlt sind oft die Auszubildenden. Dabei ist Karriere auf dem Bau nicht nur möglich, es gibt oft sogar tolle Angebote für die Lehrlinge.
    Er ist immer noch gerne auf den Baustellen unterwegs: Bauleiter Holger Kessler beim Richtspruch in Coburg, wo die Oerlenbacher Firma Otto Heil GmbH & Co KG am Neubau der Hochschule beteiligt war.Peter Heil       -  Er ist immer noch gerne auf den Baustellen unterwegs: Bauleiter Holger Kessler beim Richtspruch in Coburg, wo die Oerlenbacher Firma Otto Heil GmbH & Co KG am Neubau der Hochschule beteiligt war.Peter Heil
    Er ist immer noch gerne auf den Baustellen unterwegs: Bauleiter Holger Kessler beim Richtspruch in Coburg, wo die Oerlenbacher Firma Otto Heil GmbH & Co KG am Neubau der Hochschule beteiligt war.Peter Heil

    Einer, der bereits Karriere auf dem Bau gemacht hat, ist Holger Kessler. Der 42-Jährige ist Bauleiter bei dem Eltingshäuser Bauunternehmen Otto Heil und seit zwei Jahren als Lehrlingsbeauftragter dort für die Auszubildenden zuständig. Er selbst hat mit 15 Jahren Maurer gelernt und ist bis heute begeistert von der Vielfalt, die dieser Beruf bietet. "Das ist nicht wie in der Fabrik, wo sie jeden Tag von früh bis spät die gleichen Handgriffe machen", sagt Kessler im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Arbeit an der Maschine wäre ihm zu eintönig.

    Jede Baustelle sei neu. Ein Maurer habe viele Aufgaben. "Er verlegt Rohrleitungen, schalt Decken ein, mauert Fenster und andere Einbuchtungen", zählt der Bauleiter die verschiedensten Bereiche auf. Natürlich habe sich auf der Baustelle inzwischen viel verändert. "Früher war es mehr Handarbeit und alles schwieriger", erinnert er sich. Inzwischen habe man neue Techniken entwickelt, zum Beispiel beim Tragen von Bauteilen. Und es gebe auch keine 50 Kilogramm schweren Säcke mehr. Die hätten heute nur noch 25 bis 30 Kilogramm.

    Zudem wurden viele Arbeitsabläufe komplett vereinfacht. Dafür müsse heutzutage aber auf den Großbaustellen auch mehr Leistung erbracht werden. Man versuche zwar die Auszubildenden wohnortnah einzusetzen, immer geht das allerdings nicht.

    Holger Kessler hat 1993 seine Maurer-Lehre begonnen. Eigentlich sollte er die Landwirtschaft seiner Eltern übernehmen, aber er wollte lieber seinen eigenen Weg gehen und das hat sein Vater auch verstanden. "Ich wollte im Freien arbeiten, so war ich es von klein auf gewöhnt", meint Kessler und so lernte er Maurer. "Die Lehrlinge haben alle Bereiche durchlaufen; wir waren im Hoch- und Tiefbau überall eingesetzt, haben alles von der Pike auf gelernt", erinnert er sich. Nach seiner Lehre und dem Wehrdienst schloss der gebürtige Heßdorfer seine Ausbildung zum Vorarbeiter Hochbau als Innungsbester ab. Wegen Knieproblemen habe er dann seinen Maurer- und Betonbauer-Meister gemacht, ein Jahr in Vollzeit.

    Seit 2010 ist Holger Kessler Bauleiter, drei Jahre später kam er zur Firma Otto Heil. "Ich bin noch oft draußen auf der Baustelle und setze mich dort in den Container zum Arbeiten statt ins Büro", erzählt der 42-Jährige. Momentan ist er allerdings aus Sicherheitsgründen im Homeoffice.

    Von dort managt er gerade auch die Einsatzpläne der Azubis. Die müssen nicht mehr frühs im Bauhof warten, bis sie den Baustellen zugeteilt werden. Inzwischen gebe es Listen von den Schulen, damit der Bauleiter weiß wann wer kommt. In der Bauleitersitzung wird dann donnerstags jeder einem Polier zugeteilt und darüber per email informiert.

    Frau auf dem Bau

    Derzeit hat die Firma 18 Lehrlinge am Standort in Eltingshausen, von der Dualen Studentin, über Bauzeichner und Baumaschinen-Mechatroniker, Bürokaufleute und ITler bis hin zum Maurer und Stahlbetonbauer. Frauen auf dem Bau seien kein Problem, das habe es in seiner Lehrzeit auch schon gegeben. Denn: "Frauen, die auf dem Bau lernen wollen, haben keine Angst vor der Arbeit, die muss man nicht anders behandeln", weiß er. Man müsse bei der Einteilung nur darauf achten, dass auf der Baustelle getrennte Toiletten vorhanden sind.

    Besondere Anreize

    Weil die Nachfrage früher größer war, Lehrlinge aber gebraucht werden, lassen sich Firmen heutzutage viel einfallen, um die Jugendliche zu locken. So bekommen sie nicht nur die Arbeitskleidung gestellt sowie Unterkunft und Verpflegung in der überbetrieblichen Ausbildung in Nürnberg-Wetzendorf. Wer in der Berufsschule in Bad Neustadt bzw. Schweinfurt - je nach Ausbildungsberuf - im Jahreszeugnis einen Notendurchschnitt unter 1,5 hat, bekommt bei dem Oerlenbacher Unternehmen zum Beispiel ein Jahr lang einen VW Up umsonst gestellt. Benzin inklusive. Andere Firmen locken mit teuren Handys oder ähnlichen Angeboten.

    Nach Abschluss der Lehre stehen dem Auszubildenden alle Wege offen. "Man hat viele Möglichkeiten, kann bei der Firma bleiben oder weiter auf Schule gehen, aber durch die Lehre hast du ganz andere Einblicke und ein ganz anderes Gespür für die Arbeit", ist Kessler überzeugt. Bei der Einstellung seiner Azubis sind für ihn übrigens nicht die Noten ausschlaggebend. "Ich achte mehr auf das Elternhaus, die Erziehung und wie sich der Bewerber im Vorstellungsgespräch gibt", so Kessler.

    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Bad Kissingen-Newsletter!

    Kerstin Väth

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!