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    Bad Kissingen

    Auch dem FC 06 macht die Eishallen-Schließung zu schaffen

    Wenn es um die geschlossene Kissinger Eissporthalle geht, wurde fast immer nur nach den Folgen für die Eishockey-Wölfe gefragt. Dabei sind auch andere Vereine betroffen - wie der FC 06. Für den Fußballclub könnte es unter bestimmten Umständen eng werden.
    Das "alte Sportheim" gehört zum Komplex der Eissporthalle, den ein ukrainischer Investor gekauft hat und der jetzt weitgehend leersteht. Dort verloren zwei Kissinger Vereine Räume. Foto: Michael Grimm
    Das "alte Sportheim" gehört zum Komplex der Eissporthalle, den ein ukrainischer Investor gekauft hat und der jetzt weitgehend leersteht. Dort verloren zwei Kissinger Vereine Räume. Foto: Michael Grimm

    Schön war's am Wochenende bei der Weihnachtsfeier des FC 06 Bad Kissingen . Mehr als 100 Mitglieder kamen in harmonischer Stimmung in der "Gaststätte im Sportpark" zusammen, erinnert FC-Vorstand Wolfgang Werner. Trotz der Besinnlichkeit treibt den 59-Jährigen auch eine Sorge um - dass es vielleicht die vorletzte Weihnachtsfeier in diesen Räumen gewesen sein könnte.

    Die Gaststätte, die gleichzeitig Vereinsheim des FC 06 ist, stellt die unmittelbare Verbindung zwischen dem Hans-Weiß-Sportpark und dem Innern der Eishalle dar. Bei Heimspielen der Kissinger Wölfe, aber auch bei öffentlichen Eislaufzeiten und wenn Schulen die Halle nutzten, öffnete der Fußballverein eine Art Kiosk, verkaufte Essen und Trinken. Wohltuende Einnahmen für die Vereinskasse. Die fallen ohne Besucher natürlich weg, seitdem die Halle geschlossen ist. "Doch der fehlende Umsatz im Winter ist für den FC nicht lebensbedrohlich", stellt Werner klar.

    Angst macht ihm eher ein Szenario, das in zweieinhalb Jahren Realität werden könnte. Der FC 06 hat die Gaststätte von der Betreibergesellschaft der Eishalle gepachtet; im Sommer 2022 läuft dieser Vertrag aus. Sollte er nicht verlängert werden, würde der Fußballclub sein Sportheim und damit ein Riesenstück Vereinsleben einbüßen. Das - macht der Erste Vorstand klar - wäre schon sehr problematisch. "Ich fürchte um die gesamte Bewirtschaftung des Sportparks , wenn die Gaststätte zu ist."

    Ansonsten scheint der Bezirksligist Glück im Unglück zu haben. Laut Wolfgang Werner hat der FC eigene Verträge mit den Stadtwerken über die Lieferung von Gas, Wasser und Strom abgeschlossen. So hat er mit den Problemen der Eissport-GmbH mit Betriebskostenzahlungen an die Stadtwerke , die fast in die Insolvenz der Ersteren führten, nichts zu tun. "Da sind wir zum Glück abgekoppelt."

    Als Nachteil stellt sich allerdings heraus, dass es vonseiten der Betreibergesellschaft keinen Ansprechpartner mehr gibt. Was, wenn die Wasseranlage defekt ist? Oder die Heizanlage streikt? Alle diese System bedienen sowohl Sportheim und Umkleiden, als auch die Halle selbst. Die Technik ist nicht getrennt.

    Hier baut Werner auf den kurzen Draht zur Stadt. Darüber seien zuletzt "Defekte unproblematisch behoben" worden. Selbst dürfen die FCler nicht in die Halle. Und eigentlich auch nichts selbst reparieren.

    Wolfgang Werner ärgert die derzeitige Situation auch, weil sein Verein schon vor dem Verkauf der gesamten Eishalle versucht hatte, die Gaststätte zu erwerben. In weiser Voraussicht, wie er sagt. Doch das war nicht möglich. Neben Eishalle und Gaststätte ging auch das "alte Sportheim" neben der Halle in den Besitz der damals noch zwei Investoren über. Somit verloren - ganz nebenbei - der Post SV und die Leichtathletikabteilung des TSV Bad Kissingen wichtige Räume. Das "alte Sportheim" ist nach Angaben des 59-Jährigen derzeit weitgehend ungenutzt. Dort befinde sich noch die Pumpanlage für die Platzbewässerung. Jetzt bedauert es Werner sehr, "dass Bad Kissingen eine komplette Sportart verliert." Schließlich habe der 59-Jährige noch mit den Gründern des Eishockey-Vereins gemeinsam Fußball gespielt.

    Unterdessen machen auch andere Vereine deutlich, wie sehr ihnen die Eishalle fehlt. Der Ski-Club Bad Kissingen mit seinen 450 Mitgliedern in fünf Abteilungen schickte eine Stellungnahme an Oberbürgermeister Kay Blankenburg und die Stadträte. "Betroffen macht uns die momentane Situation in der Eishalle Bad Kissingen , da unsere beiden Abteilungen Eislaufen und Eisstockschießen den Betrieb zum Teil komplett einstellen mussten", heißt es darin. Noch im vergangenen Jahr habe man etwa 100 Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren in der Eishalle zu Eislaufkursen begrüßen können. "Auch dieses Jahr war die Nachfrage von Eltern mit kleinen Kindern sehr groß. Leider mussten wir alle Interessenten auf unbestimmte Zeit vertrösten." Die Abteilung Stockschießen habe in den letzten Jahren neben dem wöchentlichen Mannschaftstraining rund 30 Firmen- und Gästeveranstaltungen in der Eishalle ausgerichtet. Momentan weiche man auf die weniger gut zu bespielende Sommerstockbahn aus.

    "Beim Verkauf der Eishalle haben wir uns auf Ihre Aussagen verlassen, dass der öffentliche Betrieb auch für die Vereine und Schulen für die nächsten 20 Jahre gesichert und schriftlich vereinbart ist", schreiben Ski-Club-Chef Jürgen Tenschert und sein Stellvertreter Richard Fix . Man habe auf die Einhaltung der Aussagen der Käufer gehofft, "die Attraktivität und Wirtschaftlichkeit der Eishalle durch die verschiedensten Maßnahmen zu verbessern und die Öffnung der Halle weiterhin sicherzustellen".

    Dies sei nicht der Fall. Insofern teilt der Verein die Einschätzung der CSU- Fraktion im Stadtrat, dass der Verkauf der Eishalle ein großer Fehler gewesen sei. "Wir unterstützen die Initiative der SPD- Fraktion, den Kaufvertrag mit den ukrainischen Investoren im Hinblick auf die Rückkaufsklausel zu überprüfen." Es seien ganz bestimmt juristische Optionen realisierbar, sollte der Eigentümer seinen vertraglichen Pflichten weiter nicht nachkommen.

    Abschließend bittet der Ski-Club als einst regelmäßiger Nutzer der Eishalle, "in zukünftige Gespräche mit Verantwortlichen der Stadt Bad Kissingen ebenso wie die Kissinger Wölfe" einbezogen zu werden.

    Steffen Standke

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