• aktualisiert:

    Münnerstadt

    Auf den Spuren eines lasterhaften Komturen

    Gefragt ist die Münnerstädter Reihe "Oh! Wie schön ist Münnerstadt". Auch Regen konnte die Interessierten diesmal nicht abhalten.
    Besichtigungstour bei 'Oh! Wie schön ist Münnerstadt'.  Foto: Kilian Düring       -  Besichtigungstour bei 'Oh! Wie schön ist Münnerstadt'.  Foto: Kilian Düring
    Besichtigungstour bei "Oh! Wie schön ist Münnerstadt". Foto: Kilian Düring

    Trotz leichten Regens fanden sich an die 30 Interessierte zusammen, die etwas über die zahlreichen Wappen in der Münnerstädter Altstadt erfahren wollten. In der Reihe "Oh! wie schön ist Münnerstadt " wusste Museumsleiter Nicolas Zenzen einiges über diese steinernen Zeugnisse vergangener Zeiten zu erzählen. Dabei erklärte er nicht nur die Darstellungen selbst, sondern berichtete auch einiges über die zugehörigen Menschen.

    Allein am und um das Deutschordensschloss sind über ein Dutzend Exemplare zu finden, denn jeder der Komture des Deutschen Ordens, der eine Baumaßnahme durchführen ließ, verewigte sich mit seinem persönlichen Wappen. Zenzen machte in seinen Ausführungen deutlich, dass die "Deutschherren" nicht unbedingt Musterknaben waren. Wiederholt wurden sie wegen Vergehen wie "Ungehorsam gegenüber Vorgesetzten " oder "Misswirtschaft" zur Rechenschaft gezogen.

    Besonders bunt trieb es Hartmann Sigmund Reichard Ernst Freiherr von Fechenbach. 1738 wurde er nach Münnerstadt strafversetzt, weil er als Komtur in Kloppenheim einen Deserteur gewaltsam aus dem Kirchenasyl holte und dabei einen Kapuzinerpater zurückstieß. Hier brachte er sich dann nicht nur durch eine Affäre mit der "Beschließerin" des Ordenshauses in Misskredit, sondern provozierte auch einen Streit des Deutschen Ordens mit dem Würzburger Bischof als Stadtherrn, weil er 1741 das Gebäude der "Amtsverweserei" teilweise auf städtischem Grund errichten ließ, bevor das Gelände vom Orden erworben wurde. An diesem Gebäude (Deutschherrnstr. 14 bis 16) ist auch sein Wappen angebracht. Fechenbach büßte durch eine einjährige Haftstrafe auf Burg Neuhaus, durfte danach seinen Posten als Münnerstädter Komtur aber wieder einnehmen. Eine weitere Karriere hatte sich damit jedoch erledigt. Er starb 1746 in Münnerstadt und ist der einzige Komtur, der in der Kirche bestattet wurde. Seine Grabplatte ist heute im Henneberg-Museum zu sehen.

    Eine weitere Station war die Stadtpfarrkirche, über deren Haupteingang das Wappen des namhaften Würzburger Fürstbischofs Julius Echter von Mespelbrunn nicht zu übersehen ist. Dieser hatte das in seinen Worten "baufällige" Gotteshaus von 1608 bis 1612 mit großem Aufwand erneuern lassen. Zenzen rückte den schlechten Ruf, den Echter in Münnerstadt genießt, ein wenig zurecht. Zwar stimmt es, dass er als Gegenreformator einige wohlhabende Familien aus Münnerstadt vertrieb, was einen herben Einschnitt bedeutete, doch er förderte die Stadt auch durch zahlreiche Maßnahmen, um die Segnungen der katholischen Würzburger Herrschaft zu demonstrieren. Wie selbstbewusst die Münnerstädter waren, sieht man im Innern der Kirche . Hier ließen sich die Mitglieder des Stadtrats durch Wappen ihrer Handwerksberufe, die bis dahin ein Privileg des Adels waren, verewigen.

    Nächster Termin

    Als nächstes steht am Donnerstag, 30. Juli, der Bibersee auf dem Programm von "Oh! Wie schön ist Münnerstadt ". Treffpunkt ist um 18.30 Uhr am Kirchplatz Großwenkheim.

    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Bad Kissingen-Newsletter!

    Redaktion

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!