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    Hammelburg

    Auf Schatzsuche in Höfen und Gassen

    In versteckten Höflich trifft der Suchende auf manche kleine Schätze. . Winfried Ehling
    In versteckten Höflich trifft der Suchende auf manche kleine Schätze. . Winfried Ehling

    Der Einzelhandel räumte seine Lager - und die Altstadtbewohner ihre Dachböden und Keller um für Entbehrliches, nicht mehr Gebrauchtes und manchmal auch lang Gesuchtes zum kleinen Preis einen Abnehmer zu finden.

    Der Altstadt-Flohmarkt in Höfen, Garagen und Gängen ist inzwischen etabliert und hat seine Liebhaber gefunden. Diesmal lief er dem Viehmarkt-Flohmarkt sogar den Rang ab denn auf dem heißen Platz blieben einige Standplätze leer. Neben der drückenden Schwüle mögen Flohmärkte in der Kreisstadt und der Umgebung, vielleicht auch ein bisschen die "Konkurrenz" der Heimischen der Grund gewesen sein.

    Wer sich die Zeit nahm und einen Walk durch "Höflich" und "Gässlich" unternahm die er von früher kannte, stellte fest, Hammelburgs Stadtkern hat sich in den vergangenen fünf Jahrzehnten markant verändert. Nur noch in verwinkelten "Gänglich" und teilrenovierten Häusern spitzte ein Stück Vergangenheit hervor, die so manchem Betrachter die Kindheit in Gedächtnis rief.

    Versteckte Hofplätze, die damals durch so genannte "Feuer-Gässlich" zu erreichen waren, hübsche Grüninseln, die keiner mehr hier vermutet und beschattete Ruhebänke auf denen einst die Bewohner Ihren Most schlürften - es gibt sie noch. Das "Schafgässle" neben dem Rinecker-Haus ist eine Abkürzung von der Dalberg - zur Bahnhofstraße. Heute asphaltiert, blieb aus Kinderjahren ein meist feuchter, von Spinnweben behangener und gruseliger Matsch-Gang im Gedächtnis, den rohe Bruchsteinmauern begrenzten hinter denen Kühe muhten und Schweine grunzten.

    Sogar mancher Kenner der Altstadt ist überrascht vom dem, was sich im Areal zwischen der Bahnhofstraße und dem "Langen Graben "verbirgt: Grüne Ruheräume, gepflegte Gärten und Höfe, denen Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände der ehemaligen Bewohner als nostalgischer Schmuck dient. In der Tat, von Alt-Hammelburg sind doch noch Relikte verblieben.

    Auf dem Marktplatz herrscht Hochbetrieb - zumindest was die Gastronomie angeht, die die Menschen nach dem Einkauf bei den Selbsterzeugern zu einem Kaffee oder eine Mahlzeit lockt. Hier spielt der "Leierkastenmann" Klaus Emmerling, der immer wieder weiterzieht um seine Lieder zu Gehör zu bringen. Alte Melodien aus der Frühzeit des vorigen Jahrhunderts klingen über den Platz, auch einmal ein freches Spottlied zum Beispiel von "Bolle, der sich köstlich amüsiert".

    Seinen Leierkasten, einen beeindruckenden Nachbau, erwarb er von einem Privatmann, der das 10 000-Euro teure Musikinstrument nur als Wohnzimmerschmuck nutzte. Emmerling, langjähriger aktiver Musiker , Mitglied in mehreren Bands und Solist, erstand das schöne Stück auf Rädern für 4000 Euro. Damit spielt er jetzt für das Rote Kreuz, dem die erhaltenen Spenden zukommen.

    Ist die Metzgerei Köhler tatsächlich wieder geöffnet? Nein, ihren geräumigen Hof nutzte das Fuchsstädter Fachgeschäft für Haushalt und Technik, Pfeuffer, für einen Haus-Flohmarkt in dem Nützliches zum kleinen Preis zu erstehen ist. Das Gebäude bot zudem den Vorteil von Kühle und Schatten.

    Die geöffneten Geschäfte und die "Höflich" offerierten auch am Sonntag ihr Angebot. Auf dem Viehmarkt etablierten die Veranstalter, der Verein für Wirtschaft und Stadtmarketing (VWS) und die Hammelburger Karnevals-Gesellschaft (Ha-Ka-Ge) ein Kinderprogramm mit viel Abwechslung. In der "guten Stube", dem Marktplatz, wartete Leckeres für die Erwachsenen, wie erfrischende Wein-Cocktails, Craft-Beer und Schmankerln aus Marcus Berans "Schlemmerhütte". Der ehemalige DJ der Discothek "Kupferkanne", Peter Gernert, ließ dazu die Chart-Hits von einst erklingen.

    Winfried Ehling

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