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    Bad Kissingen

    Auftakt mit "Maß für Maß"

    Sex und Crime herrschen in Wien in Shakespeares Stück MASS FÜR MASS, mit dem die Shakespeare Company Berlin am Mittwoch, 2. Oktober, im Kurtheater den Auftakt zum 35. Theaterring gibt.  Foto: Axel Lauer
    Sex und Crime herrschen in Wien in Shakespeares Stück MASS FÜR MASS, mit dem die Shakespeare Company Berlin am Mittwoch, 2. Oktober, im Kurtheater den Auftakt zum 35. Theaterring gibt. Foto: Axel Lauer

    Pünktlich mit dem Herbstbeginn startet der 35. Theaterring der Stadt Bad Kissingen im Kurtheater . Und wie schon fast Tradition, wird er eröffnet von der Truppe der Shakespeare Company Berlin. Am Mittwoch, 2. Oktober, hebt sich um 19.30 Uhr der Vorhang für William Shakespeares "Maß für Maß", das die posthumen Herausgeber seiner Werke unter die "Komödien" einsortierten, weil es mehr oder weniger gut ausgeht.

    Es handelt von einem Staatswesen , das vor die Hunde gegangen ist, weil sein Herrscher unfähig ist, Ordnung zu schaffen und zu bewahren. Anders als viele nicht so ganz fähige Herrscher unserer Tage sieht er das aber ein und glaubt, jemanden gefunden zu haben, der als ausgewiesener Gutmensch sein volles Vertrauen verdient und dem er zum Aufräumen die Herrschaft übergeben kann.

    Angelo greift durch

    Angelo heißt der neue Herrscher zudem und greift in Shakespeares fiktivem Wien vor allem dort durch, wo ein für seine Begriffe nicht tragbarer Umgang mit der sexuellen Moral herrscht: Bordelle werden geschlossen, außerehelicher Geschlechtsverkehr wird mit dem Tod bestraft und kann nicht, wie üblich, durch nachträgliche Heirat legitimiert werden. Als es den angesehenen jungen Claudio trifft, versucht der, auf dem Gnadenweg freizukommen, aber Angelo bleibt hart, auch als Claudios keusche Schwester Isabella mit Engelszungen darum bittet.

    Doch da schlägt Angelos eigene Libido zu: Ausgerechnet die reine Klosternovizin Isabella erregt seine sexuelle Begierde und er glaubt - wie so mancher auch in unseren Tagen - seine Macht im Staat auch zur ungestraften Befriedigung seiner niedrigen Begierden nutzen zu können. Isabella ist eine der vielen blitzgescheiten Frauengestalten Shakespeares und lässt sich nicht erpressen, der alte Herzog greift ein, und die von ihm so leichtfertig eingesetzte Tugendtyrannei findet ein Ende. Wobei nicht vergessen wird, dass dabei am Ende auch die "Richtigen" einander zu heiraten haben.

    Ein "Problemstück"

    Ein "Problemstück" nennen die Shakespeare-Forscher das Werk und auch in ihm kann man erkennen, dass der große Dramatiker durchaus um die Abgründe des Großstadtlebens schon zu seiner Zeit wusste - aber natürlich in Wien, nicht in London. Und unfähige Herrscher gab und gibt es da ja sowieso nicht. Wie im "König Lear" stellt Shakespeare die Frage nach dem richtigen Herrscher, zeigt hier aber, wie sich falsche oder allzu rigorose Staatsführung in allen Bevölkerungsschichten auswirken und das gesamte Gemeinwesen ins Chaos und auch im Grunde anständige Bürger ins Unglück stürzen kann.

    Mit ihrer fantasievollen Gestaltung, dem blitzschnellen Rollentausch, dem begeisternden Einsatz von Live-Musik auf der Bühne gastieren die Berliner schon viele Jahre beim Theaterring und auch einst beim kleinen August-Festival "Sommerlust" in der Oberen Saline.

    Vera Kreyer, Katharina Kwaschik, Katja Uhlig, Stefan Plepp und Nico Selbach kommen in der Inszenierung des Leiters des Vorstadttheaters Basel, Matthias Grupp, mit dem die Company für diese Produktion zusammengearbeitet hat, nach Bad Kissingen .

    Karten für das Gastspiel gibt es in der Tourist-Info Arkadenbau im Kurgarten. Montag bis Freitag von 8.30 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag von 10 bis 14 Uhr, über kissingen-ticket@badkissingen.de oder an der Abendkasse.

    Gerhild Ahnert

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