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    Bad Brückenau

    Augen auf beim Rollstuhlkauf

    Erster Polizeihauptkommissar Herbert Markert (rechts) und sein Kollege Klaus Wiesler (links) nahmen bereits vor der Infoveranstaltung einige Mobilitätshilfen der Teilnehmer in Augenschein. Mit den Beamten freute sich auch der Organisator des Treffens, Andreas Knüttel (3.von rechts) darüber, dass es an den Fahrzeugen nichts zu beanstanden gab. Foto: Rolf Pralle
    Erster Polizeihauptkommissar Herbert Markert (rechts) und sein Kollege Klaus Wiesler (links) nahmen bereits vor der Infoveranstaltung einige Mobilitätshilfen der Teilnehmer in Augenschein. Mit den Beamten freute sich auch der Organisator des Treffens, Andreas Knüttel (3.von rechts) darüber, dass es an den Fahrzeugen nichts zu beanstanden gab. Foto: Rolf Pralle

    "Mobil trotz Handicap" lautete das Thema der Veranstaltung, die Andreas Knüttel mit seinem Helferteam in "Hohmann's Manufactur" organisiert hatte. Als kompetente Kenner der Materie standen Inspektionsleiter Herbert Markert und der Mitarbeiter Verkehr , Klaus Wiesler, von der Bad Brückenauer Polizei den Besuchern ausführlich Rede und Antwort. Zur Veranschaulichung ihrer Ausführungen bedienten sich die beiden Hauptkommissare einer plakativen Powerpoint-Präsentation.

    Zum Einstieg erläuterte Wiesler im Detail, wie Elektro-Rollstühle oder motorisierte Krankenfahrstühle laut Fahrzeug-Zulassungsverordnung (FZV) überhaupt definiert sind. Bis zu einer Geschwindigkeit von 6 km/h ist keine Zulassung nötig. Einen Sonderfall stellen hier aber die Elektromobile dar, die nur auf eine Gehbehinderung ausgelegt sind und bei denen aufgrund direkter Lenkung beide Arme eingesetzt werden können. Sie sind zulassungspflichtig.

    Im Hinblick auf die Ausrüstung der Mobilitätshilfen machte dann Knüttel deutlich, dass bereits bei der Ausstellung eines entsprechenden Rezepts durch den Arzt und bei der anschließenden Bestellung des Gefährts im Fachhandel auf diverse Dinge zu achten sei. So sind seitliche Reflektoren ebenso Pflicht wie Licht, Blinker und Reflektoren nach vorn und hinten. Hinzu kommt die Heckmarkierungstafel.

    Hier gab Wiesler den Zuhörern den Rat, genau die Preise zu vergleichen, da für dieses relativ kleine Objekt oft unverhältnismäßig hohe Summen verlangt würden.

    Die Versicherungspflicht der fahrbaren Untersätze hängt von der bauart-bedingten Höchstgeschwindigkeit (bbH) ab. Als Faustregel gilt: bis 6 km/h versicherungsfrei, über 6 km/h versicherungspflichtig. Laut Wiesler ist es beim Rollstuhlbetrieb dennoch ratsam, immer eine Versicherung abzuschließen, falls zum Beispiel Schäden an anderen Fahrzeugen verursacht werden.

    Fahrerlaubnisfrei sind Elektro-Rollstühle bis zu einer Geschwindigkeit von 15 km/h.

    Bei höherem Tempo spricht man von einem vierrädrigen Leicht-Kraftfahrzeug, für das der Führerschein Klasse AM erforderlich ist. Laut Straßenverkehrsordnung, so der Referent, dürfe mit Krankenfahrstühlen dort, wo Fußgängerverkehr zulässig ist, zwar gefahren werden, "allerdings nur in Schrittgeschwindigkeit".

    Keineswegs ausgespart wurde bei der Informationsveranstaltung das Thema Alkohol im Straßenverkehr , wobei viele Zuhörer etliche für sie recht neue Fakten erfuhren. So gelten für Rollstuhlfahrer mit Handbetrieb jene Vorschriften, die auch für Fußgänger bestehen. Für die Benutzer eines motorisierten Krankenfahrstuhls hingegen gelten dieselben Regeln wie für Autofahrer . Bei mehr als 0,5 Promille im Blut begeht der Verkehrsteilnehmer eine Ordnungswidrigkeit, bei mehr als 1,1 Promille beginnt die Fahruntüchtigkeit.

    Einen weiteren Aspekt brachten die Vortragsbesucher selbst mit dem Stichwort Medikamente in die Diskussion ein, da einige von ihnen wegen ihres Krankheitsbildes auf die regelmäßige Einnahme von Pillen oder Tropfen angewiesen sind. Erster Polizeihauptkommissar Herbert Markert und sein Kollege Klaus Wiesler appellierten in diesem Zusammenhang an die Eigenverantwortung der Betroffenen und deren individuelle Einschätzung der entsprechenden Situationen. Bei auffälligen Ausfallerscheinungen würde die Polizei sehr wohl reagieren, auch wenn die Werte nicht wie nach dem Alkoholgenuss gemessen werden könnten. Die behinderten Verkehrsteilnehmer müssten sich auch im Klaren darüber sein, welche versicherungsrechtlichen Dinge beispielsweise nach einem Unfall auf sie zukommen, erläuterten die beiden Beamten. Ein pauschales Patentrezept zur richtigen Verhaltensweise existiere nicht.

    Rolf Pralle

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