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    Bad Kissingen

    Aus für Sozialstation

    Weil nicht mehr genügende Fachpersonal zur Verfügung steht, wird die Sozialstation für ambulante Pflegedienste in Bad Kissinegn geschlossen.  Symboldbild: Jana Bauch/dpa
    Weil nicht mehr genügende Fachpersonal zur Verfügung steht, wird die Sozialstation für ambulante Pflegedienste in Bad Kissinegn geschlossen. Symboldbild: Jana Bauch/dpa

    "Wir können aufgrund fehlenden Fachpersonals unseren mit den Pflegekassen geschlossenen Versorgungsvertrag nicht mehr erfüllen", nennt die für die ambulante und teilstationäre Altenpflege verantwortliche Geschäftsbereichsleiterin Tanja Back als Grund für die Schließung der Sozialstation für ambulante Pflegedienste in Bad Kissingen . Das Theresienstift, das Katharinenstift und der sozialpsychiatrische Dienst sind von dieser Entscheidung nicht berührt.

    Patienten informiert

    Anfang August informierte die Diakonie ihre fast 60 ambulant versorgten Patienten im Kissinger Stadtgebiet, überwiegend alte und hochbetagte Senioren , von dieser Entscheidung und fügte ihrer Mitteilung eine Liste mit sieben Pflegediensten bei, die im Kissinger Stadtgebiet tätig sind. Dazu gehören die Arbeiterwohlfahrt , das Bayerische Rote Kreuz und die Caritas , aber auch vier private Unternehmen. "Von einigen unserer Patienten wissen wir, dass sie bereits anderweitig aufgenommen wurden", weiß Back. Sollte dies im Einzelfall nicht gelingen, will die Diakonie bei der Vermittlung behilflich sein. "Unsere Mitarbeiterinnen haben bis Monatsende noch Kontakt zu ihren Patienten." Die von der Schließung der Sozialstation betroffenen Mitarbeiterinnen - sechs Pflegefachkräfte, zwei Pflegehelferinnen und vier Hauswirtschaftsmitarbeiterinnen - brauchen sich um Weiterbeschäftigung nicht zu sorgen. Sie werden in anderen Abteilungen der Diakonie eingesetzt. Doch zuvor waren einige ihrer Kolleginnen in Rente gegangen oder hatten unerwartet gekündigt, wodurch der aktuelle Personalengpass entstand.

    Lange gesucht

    Zwei Jahre lang hatte die Personalabteilung der Schweinfurter Diakonie schon nach Ersatz gesucht und in Bad Kissingen sogar an stark frequentierten Kreuzungen und Gewerbegebieten großformatig plakatiert. "Ergebnis gleich Null." Dem Versorgungsvertrag mit der Arbeitsgemeinschaft aller Pflegekassen entsprechend ist die Diakonie verpflichtet, ihre Patienten mit qualifiziertem Personal zu versorgen. Dies konnte wegen fehlender Fachkräfte nicht mehr garantiert werden, weshalb "der kontrollierte Rückzug aus diesem Aufgabenbereich für uns als einzige Möglichkeit blieb", bedauert die Geschäftsbereichsleiterin. Back: "Die Situation ist auch für uns unbefriedigend."

    Ihre Kollegin Susan Stade, Geschäftsbereichsleiterin für Finanzen und Zentrale Dienste, nennt Gründe: "Das Image der Altenpflege ist von der Politik jahrelang ignoriert und von der Gesellschaft schlechtgeredet worden." Der demographische Wandel sei seit Jahren und Jahrzehnten bekannt, doch die Politik habe sich immer nur in Wahlkampf-Phasen kurzfristig dieses Themas erinnert, doch niemals Vorsorge getroffen. Dem Berufsbild fehlt es an Anerkennung. Stade: "Vorurteile wie schlechte Bezahlung oder schlechte Arbeitszeiten haben sich in der Gesellschaft manifestiert." Die positiven Aspekte dieses Berufes würden dabei nicht berücksichtigt. Denn der Beruf der Altenpflegerin oder des Altenpflegers sei "besser als sein Image", sind Back und Stade überzeugt. "Er ist reich an sozialer Interaktion und eine medizinische Herausforderung", sieht Back den Beruf als anspruchsvolle Tätigkeit. "Man muss Verantwortung übernehmen." Kollegin Stade ergänzt: "Man sitzt nicht den ganzen Tag am Schreibtisch." Bei der Diakonie werden Altenpfleger gut bezahlt, versichert sie. Zusätzlich trägt die Diakonie zur Altersvorsorge bei und zahlt Beihilfen zur Krankenversicherung . Mit dem Buß- und Bettag gibt der evangelische Arbeitgeber sogar noch einen 31. Urlaubstag außertariflich hinzu.

    "Möglich ist alles"

    Doch trotz solcher Vorzüge und zweijähriger Suche "konnten wir keine Fachkräfte finden", bedauert Tanja Back die Schließung der Bad Kissinger Sozialstation. Ob die Diakonie die ambulante Pflege in der Kurstadt jemals wieder aufnehmen wird, macht sie von einer positiven Entwicklung am Fachkräftemarkt abhängig. "Möglich ist alles, ich weiß nur nicht wann."

    Sigismund von Dobschütz

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