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    Nüdlingen

    Ausbildung im Handwerk: Azubis berichten

    Baufirmen haben es jährlich schwerer, Auszubildende zu finden. Zwei frisch ausgelernte Maurer erzählen, warum sie sich dennoch für die Ausbildung entschieden haben.
    Foto: Ellen Mützel       -  Foto: Ellen Mützel
    Foto: Ellen Mützel

    Auf dem Bau arbeiten? Es bedeutet, auch bei knallender Sonne und strömendem Regen draußen zu sein, lange und hart zu arbeiten. Das sind wohl Gründe dafür, dass Baufirmen das Anwerben und Beibehalten Auszubildender jährlich schwerer fällt. Doch für Lukas Meder und Simon Herterich überwiegen die positiven Seiten.

    Die beiden haben Anfang des Jahres bei der Firma Bömmel Bau die Maurerausbildung mit hervorragender Leistung abgeschlossen. Dabei verkürzten sie die eigentlich dreijährige Ausbildung auf zweieinhalb Jahre.

    Lieber draußen arbeiten als drinnen langweilen

    "Wir arbeiten an der frischen Luft, das ist schon besser, als den ganzen Tag im Büro sitzen zu müssen", meint Lukas Meder. Außerdem findet der 25-Jährige es schön, "dass man abends sieht, was man am Tag so geschafft hat." Dem stimmt sein Kollege Simon Herterich zu.

    "Blöd ist es natürlich, wenn es regnet", sagt Lukas Meder. Denn als Maurer haben sie fast nie ein Dach über dem Kopf. "Aber Regentage gibt es ja nicht so oft, von daher ist das schon ok." Auch Simon Herterich findet, das schlechte Wetter ist einer der Nachteile des Maurerberufes. "Und die vielen Überstunden, die ab und zu anfallen", sagt der 24-Jährige.

    Während der Arbeit erhalten die Beiden ein normales Ausbildungsgehalt von 800 Euro Brutto im ersten bis 1400 Euro im dritten Lehrjahr. Danach werden sie nach Tarif bezahlt. Im Baugewerbe sind das seit April 12,55 Euro für Hilfsarbeiter und 15,40 Euro für Facharbeiter .

    Mit Freunden zusammen

    Lukas Meder war vorher Bürokaufmann im Gesundheitswesen: "Ich wollte einfach raus aus dem Büro. Durch Freunde kam es dann dazu, dass ich hier die Ausbildung angefangen habe", erzählt er.

    Auch Simon Herterich entschied sich nach seinem unvollendeten Studium, bei dem Unternehmen die Ausbildung zu beginnen. "Ich habe mal für ein paar Monate dort einen Ferienjob gemacht, deswegen wusste ich, was auf mich zukommt." Ein Grund für die Arbeit bei Bömmel Bau war für den Nüdlinger, dass es sich im Ort befindet. Ein anderer, dass er dort mit seinen Freunden arbeiten wird.

    In der Ausbildung haben die zwei Fähigkeiten und Wissen erlangt, ein Haus zu bauen. Zum Beispiel im Mauerwerksbau: Hier lernen die Auszubildenden alles, um eine Wand zu errichten. Dazu gehört das Wissen, welche und wie viele Steine sie für eine Wand benötigen, wie sie dabei vorgehen und welche weiteren Materialien sie brauchen. Sie lernen außerdem, Stahlbetondecken zu erstellen, und verschiedenes über Putz, Estrich und Trockenbau. Auch das Thema Sanierung steht auf dem Lehrplan.

    Abwechlungsreiche Tage

    Ihr Arbeitstag sieht jeden Tag anders aus: Mal schalen sie ein Fundament ein, um es mit Beton auszufüllen, mal mauern sie Wände. "Heute haben wir zum Beispiel nur noch ausgeschalt und aufgeräumt. Hier sind wir schon ziemlich fertig", sagt Simon Herterich.

    Dass Baufirmen händeringend Auszubildende suchen, machte sich auch bei den zwei jungen Männern bemerkbar: "Wir haben uns zu viert beworben und jeder hat eine Stelle bekommen", sagt Lukas Meder. Carsten Ernst kann ein Lied davon singen. Er ist Geschäftsführer und Gesellschafter von Bömmel Bau : "Wir haben im Moment noch zwei Azubis , aber es ist wirklich schwer, für den Bau welche zu bekommen."

    Projekt Azubi-Haus

    Dessen bewusst, versucht die Firma , Azubis anzuwerben und zu behalten. "Wir sind der Meinung, dass wir viel bieten", sagt der 45-Jährige und meint damit zum Beispiel das Projekt Azubi-Haus. Die Firma verteilt die Lehrlinge seit 2015 nicht auf verschiedene Baustellen, sondern sucht für die angehenden Maurer und Beton- und Stahlbetonbauer einen Baustellenleiter mit viel Erfahrung.

    Das Ziel ist es, mit ihm ihr eigenes Projekt zu erarbeiten. Nur mit dem Bauherrn zusammen errichten die Auszubildenden ein Haus. "Sie lernen alle Tätigkeiten in dem Projekt", sagt Carsten Ernst. Und am wichtigsten: "Sie lernen Selbstverantwortung für ihre eigene Baustelle zu entwickeln. Neben Verantwortung bei dieser Arbeit wollen wir auch Spaß vermitteln."

    Fehlende Wertschätzung

    Die jungen Arbeiter würden viel mehr Aufgaben selbst übernehmen, die sonst ein erfahrener Arbeiter gemacht hätte. Außerdem schule es von Anfang an das Teamgespür, findet der Geschäftsführer von Bömmel Bau . Gefragt nach dem Grund für die schwindende Bewerberzahl sagt er: "Ich bin der Meinung, man sieht den Wert nicht mehr dahinter. Also, dass wir eigentlich etwas Geniales machen", sagt der 45-Jährige.

    Auch sieht er Firmen in der Schuld, die "billige Arbeiter aus dem Ausland" holen. Das vermittle den gelernten Baustellenarbeitern, sie wären nichts wert. Zwar beschäftige auch er für Spitzen Leiharbeiter , aber: "Ich hätte gerne mehr Facharbeiter und Auszubildende . Und wenn sich 15 Leute melden, versuchen wir es auch mit 15."

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    Ellen Mützel

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