• aktualisiert:

    Hammelburg

    Ausstellung im früheren Hammelburger Kaufhaus

    Das Gebäude hat sich schon mehrmals als Ausstellungsort bewährt. Im Erdgeschoss können die Bilder von Ernst J. Herlet ihre ganze Wirkung entfalten.
    Ernst J. Herlet zeigt ein Bild seiner dreiteiligen Arbeit über die Niederschlagung des Protests am Tiananmen-Platz 1989. Foto: Arkadius Guzy
    Ernst J. Herlet zeigt ein Bild seiner dreiteiligen Arbeit über die Niederschlagung des Protests am Tiananmen-Platz 1989. Foto: Arkadius Guzy

    Sein Galerist wäre froh, wenn er solche Räume hätte, sagt Ernst J. Herlet. Mit seiner Frau Ursula räumt er gerade den Ladenraum im Erdgeschoss des ehemaligen Kaufhauses am Marktplatz auf. Die Wände hat er bereits gestrichen und die Bilder hereingetragen. Ab 18. Oktober darf das alte Kaufhaus sich wieder einmal als zeitweiliger Kunstausstellungsort beweisen.

    Gerade für Werke wie die von Herlet bietet das leer stehende Gebäude ausreichend Platz. Denn der 1946 in Schweinfurt geborene Künstler arbeitet mit Großformaten. Die kann er an den Wandflächen gut verteilen, ohne dass sich die Bilder in die Quere kommen. Als Kind hat er schon die Wohnzimmerwand mit der Wagenszene aus Ben Hur bemalt, erzählt Herlet. "Zeichnen war in der Schule immer mein bestes Fach", sagt er.

    Für Herlet ist es die erste Ausstellung in der Hammelburger Gegend, in die er mit seiner Frau vor drei Jahren aus Schweinfurt zog. Das Ehepaar wohnt im Haus der früheren Wirtschaft in Windheim. Im ehemaligen Gastraum ist das Atelier aufgebaut.

    Auf der Vernissage des Künstlerkollegen Walter Graf, der im vergangenen Jahr an verschiedenen Orten in Hammelburg seine Arbeiten zeigte, wurde Herlet von Vertreterinnen von "Kunst vereint" angesprochen. So kam nun die neue Ausstellung im Kaufhaus zustande.

    Präsentiert werden rund ein Dutzend Bilder, die so etwa in den vergangenen zehn Jahren entstanden sind. Der Künstler spricht von einem Geschichtsquerschnitt. In Anlehnung an die Abhandlung "Unzeitgemäße Betrachtungen" von Friedrich Nietzsche hat er seine Werkschau "Zeitgemäße Betrachtungen" betitelt.

    Zu sehen ist zum Beispiel ein dreiteiliges Werk, eine Art Triptychon, zu den Ereignissen am Tiananmen-Platz in Peking 1989. Herlet malte das Bild im Jahr 2008, als die olympischen Spielen in der chinesischen Stadt stattfanden. Da sich das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens vor Kurzem zum 30. Mal jährte hat es für ihn neue Aktualität. Den Mittelpunkt bildet ein Porträt von Mao mit einem Schaf davor. Links und rechts sind Motive zu sehen, die damals durch die Medien gingen, wie der Mann mit Taschen vor einem Panzer. Auf die Bilder sind Blüten aus Geschenkbändern geklebt. Diese symbolisieren, dass man in China von den Geschehnissen nichts wissen will, wie Herlet erklärt.

    Die jüngste Arbeit, die 2017 in der BBK-Galerie im Würzburger Kulturspeicher zu sehen war, beschäftigt sich mit der Verzweiflung der Menschen an der Welt. Der Künstler hat sich dazu einen Satz notiert, der ihm als Zeitbeschreibung wichtig ist: "eine Zeit, in der das Selbst die ganze Ressource der infokapitalistischen Verwertung geworden ist". Zwischen Abstraktion und realen Symbolismen bewegt sich der Bildstil Herlets nach Beschreibung seines Galeristen .

    Zusätzlich zur Präsentation im Kaufhaus zeigt Herlet einige seiner kleinformatigen Arbeiten. Sie entstehen auf oder nach Reisen zum Beispiel nach Asien oder Südamerika. Das Ehepaar ist das Jahr über viel unterwegs. "Gerade erst waren wir fünf Wochen in Vietnam", berichtet Herlet. Die Kleinformate sind Collagen aus dem, was ihm in die Hände fällt wie Geldscheine oder Federn.

    Herlet, der über die Werkkunstschule in Würzburg und die Fachschule für Grafik und Werbung in Nürnberg an die Akademie der Bildenden Künste Nürnberg kam, gehört der unterfränkischen Künstlergruppe "Eschenauer Runde" an. Mit der ist er in diesem Monat auf weiteren Ausstellungen vertreten: Ab 19. Oktober in der Galerie im Saal in Eschenau und ab 25. Oktober auf der Contemporary Art Ruhr in Essen.

    Öffnungszeiten Die Ausstellung "Zeitgemäße Betrachtungen" wird am Freitag, 18.Oktober, um 19 Uhr im alten Kaufhaus am Marktplatz eröffnet. Die Einführung hält Galerist Egon Stumpf. Die Besucher werden auch in den Fasskeller des Kellereischlosses geführt, wo die kleineren Arbeiten hängen. Die Ausstellung im Kaufhaus ist danach bis 25. November freitags, samstags und sonntags von 14 bis 20 Uhr zu sehen.

    Arkadius Guzy

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!