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    Bad Brückenau

    Bad Brückenau: Der Stadtrat gibt beim Radweg Kontra

    Die Vorschläge des Fachbüros zu einer optischen Abgrenzung verwarf der Stadtrat. Nun soll ein Geländer oder eine andere Form der Trennung von Radweg und Umgehungsstraße gebaut werden. Foto: Ulrike Müller
    Die Vorschläge des Fachbüros zu einer optischen Abgrenzung verwarf der Stadtrat. Nun soll ein Geländer oder eine andere Form der Trennung von Radweg und Umgehungsstraße gebaut werden. Foto: Ulrike Müller

    Es war eine engagierte Debatte, die der Stadtrat zum Radweg führte. Verkehrsreferent Karlheinz Schmitt ( CSU ) war der erste Stadtrat, der sich zu Wort meldete. In seinem Urlaub habe er einen Radweg gesehen, der als Fahrstreifen unmittelbar auf der Straße entlangführte. Sein Fazit: "Da haben wir also einen sehr sicheren Fahrradweg". Immerhin sei die Straße auch durch einen Bordstein zum Rhönexpress Bahn-Radweg abgegrenzt.

    Des Weiteren führte er aus, dass der Radweg nur deshalb verlegt worden sei, um Raum für Parkplätze entlang des Robert-Katzer-Wegs zu schaffen. Die würden dringen für die Therme Sinnflut benötigt. "Da muss man irgendwo Kompromisse machen", sagte Schmitt. Zudem erhöhe eine bauliche Abgrenzung eher die Gefahr: An einem Geländer könnten Radfahrer mit dem Lenker und Autos mit dem Außenspiegel hängenbleiben. Diese Einschätzung deckt sich mit der Stellungnahme des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) , die den Stadträten vorlag.

    Benjamin Wildenauer, Fraktionssprecher der SPD , wollte das nicht so stehen lassen. Er sagte, es gebe einen Unterschied zwischen einem Fahrstreifen für Fahrräder und einem touristisch vermarkteten Radweg auf einer alten Bahntrasse. Die Stadt habe erneut das "Talent" bewiesen, "eine wunderschöne Sache mit einer Kleinigkeit der Lächerlichkeit preiszugeben". Er erneuerte zudem die Kritik, die Stadtverwaltung habe die Verlegung eigenmächtig entschieden. "Es hätte bestimmt andere Möglichkeiten gegeben, wenn man darüber geredet hätte", sagte er.

    Idee eines Blühstreifens

    Adelheid Zimmermann , Fraktionssprecherin von Freien Bürgern und FDP (FB/ FDP ), schlug vor, einen Blühstreifen zwischen Straße und Radweg anzulegen. Das hieße, dass der neu gebaute Radweg wieder abgerissen werden würde. Wenn die Parkplätze am Robert-Katzer-Weg gebaut würden, müsste der Radweg ohnehin verbreitert werden, um Abstandsflächen einzuhalten, sagte sie.

    Mehrfach stellte Heribert Jakobsche (PWG) die Frage, wann die Verwaltung dem Stadtrat endlich den Plan für das Gelände vorlege. Die Diskussion um die Verlegung des Radwegs sei schließlich schon ein Jahr her. Bis das gesamte Areal neu gestaltet werde, könne man den Radweg auf den Robert-Katzer-Weg verlegen, damit die Gefahrenstelle direkt an der Umgehungsstraße aus der Welt geschafft sei, schlug er vor. Bürgermeister Brigitte Meyerdierks ( CSU ) erklärte, dass die Gespräche zur Sanierung der Sinnflut noch nicht abgeschlossen seien. Daher könne sie noch keine Pläne präsentieren.

    Zweiter Bürgermeister Jürgen Pfister (PWG) machte klar: "Auch wenn es der ADFC anders sieht - ich habe da meine Zweifel." Er halte unbedingt an einer baulichen Abgrenzung fest, da der Radweg schon jetzt sehr gut angenommen werde und absehbar sei, dass die zunehmende Zahl an E-Bike-Fahrern das Gefahrenpotenzial eher noch steigere. Dirk Stumpe (PWG), der den Antrag auf eine bauliche Abgrenzung ursprünglich gestellt hatte, ergänzte, es stimme ihn traurig, dass ein Jahr lang nichts passiert sei. Er brachte die Crux auf den Punkt: "So, wie der Radweg jetzt gebaut ist, ist es rechtlich zulässig. Aber darum geht es nicht. Es geht um das Sicherheitsempfinden der Bürger."

    Ergebnis fällt eindeutig aus

    Zimmermann beantragte, den Tagesordnungspunkt zu vertagen und bis zur nächsten Sitzung die Kosten für einen Blühstreifen zu erfragen. Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks ( CSU ) reagierte zweigeteilt: Einerseits sagte ihr die Idee, einen Blühstreifen anzulegen, zu. Andererseits wollte sie aber eine Entscheidung auch nicht noch länger verzögern. Manfred Kaiser ( CSU ) konnte einem Blühstreifen lediglich eine "Alibi-Funktion" abgewinnen. Kurt Abersfelder verwies auf steile Abhänge im Bereich Wildflecken und Oberbach: "Darüber redet kein Mensch. Nur in Bad Brückenau wird alles kaputt geredet."

    Bevor die Gemüter sich weiter erhitzten, stimmten die Räte ab. Mit 11:8 Stimmen erneuerten sie ihren Beschluss, eine bauliche Abgrenzung zwischen Radweg und Straße zu schaffen. Die Verwaltung nimmt nun bis zur nächsten Sitzung Vorschläge entgegen, wie eine solche aussehen könnte. Es könnte auch schlicht ein Geländer aufgestellt werden, wie es an einigen Stellen des Radwegs schon zu finden ist.

    Punkt für Punkt aus dem Stadtrat:

    Bahnhofsgelände Am Freitag, 27. September, sind alle Bürger zu einem Workshop zur Gestaltung des Areals am ehemaligen Bahnhof eingeladen. Dirk Stumpe (PWG) regte an, die Pläne vorher auszuhängen oder ins Internet zu stellen, damit sich die Bürger schon einmal Gedanken machen können. Die Bürgermeisterin fand diese Idee gut. Der Workshop beginnt um 19 Uhr in der Georgi-Halle.

    Stromleitung Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks rief dazu auf, sich auf den Unterschriften-Listen gegen die geplante Wechselstromleitung P 43 im Bürgerbüro einzutragen. Die Leitung soll von Mecklar über Dipperz bei Fulda bis Bergrheinfeld führen und würde höchstwahrscheinlich den Landkreis Bad Kissingen durchqueren.

    Ulrike Müller

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