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    Bad Brückenau

    Bad Brückenau: Die Chefin hört auf

    So kennen die Bad Brückenauer ihre Bürgermeisterin: als leidenschaftliche Initiatorin des Pinklaufs. Foto: Archiv/Ulrike Müller
    So kennen die Bad Brückenauer ihre Bürgermeisterin: als leidenschaftliche Initiatorin des Pinklaufs. Foto: Archiv/Ulrike Müller

    Es war eine Viruserkrankung, die Brigitte Meyerdierks um ihren Geburtstag herum außer Gefecht gesetzt hatte. Am 30. August wurde die Bad Brückenauer Bürgermeisterin 65 Jahre alt. "Da habe ich viel nachgedacht und auch viel mit meinen Kindern gesprochen", erzählt sie. Schon länger habe sie den Eindruck gewonnen, dass sich viele Menschen in der Stadt jemand Jüngeres an der Spitze wünschen. Da habe sie ihre Entscheidung getroffen - "schweren Herzens".

    Am Montag teilte Meyerdierks den Stadträten sowie ihren Mitarbeitern der Stadtverwaltung ihren Entschluss mit. Der Stadtrat muss über ihren Wunsch, die Bürgermeisterwahl zwei Jahre vorzuziehen und parallel zur Stadtratswahl am 15. März 2020 abzuhalten, noch abstimmen. Dazu wird eine Sondersitzung am kommenden Dienstag, 24. September, um 19.30 Uhr in der Georgi-Halle anberaumt. Eine Sondersitzung ist nötig, weil Ende September die Frist für die Zusammenlegung von Bürgermeister- und Stadtratswahlen abgelaufen wäre.

    Die Überraschung ist groß

    Ziemlich überrascht von der Entscheidung zeigte sich Zweiter Bürgermeister Jürgen Pfister (PWG): "Ich habe nicht damit gerechnet." Er habe volles Verständnis für die Bürgermeisterin, ihre Entscheidung "ist zu akzeptieren". In den Zeiten, in denen er die Rathauschefin vertreten habe, habe er gesehen, wie viel Kraft und Anstrengung die Arbeit verlange. Zudem würdigte er die "kollegiale und faire Zusammenarbeit" mit Meyerdierks.

    Bisher hatte Meyerdierks immer gesagt, ein vorzeitiges Ausscheiden käme für sie nur in Frage, wenn ihre Gesundheit nicht mehr mitspiele oder aber die CSU einen geeigneten Nachfolger präsentieren könne. Das ist nun nicht der Fall. Es gebe mehrere Kandidaten, die die CSU für die Bürgermeisterwahl im Jahr 2022 angesprochen habe, berichtet sie. Nun müsse geklärt werden, ob sich auch für 2020 ein Kandidat finde. Als Kreisrätin möchte Meyerdierks aber weitermachen. "Da kandidiere ich", stellt sie klar. Sie wolle, dass die Stadt auf Landkreisebene vertreten sei.

    Opposition ist ratlos

    Überrumpelt reagierten die Fraktionssprecher in Stadtrat. "Ich war von der Entscheidung auch überrascht", sagte CSU-Sprecher Karlheinz Schmitt. Er wisse noch nicht, "welche Leute Ambitionen haben. Aber wir werden unter Garantie einen Kandidaten ins Rennen schicken", sagte er in Hinblick auf die Bürgermeisterwahl. Auch Dirk Stumpe (PWG), Sprecher der größten Oppositionsgruppierung, hatte nicht mehr mit dieser Entwicklung gerechnet.

    Dies sei "umso bedauerlicher, wenn es mit gesundheitlichen Gründen zu tun hat", sagte er. Die Bürgermeisterin habe sich ihre Entscheidung sicher sehr gut überlegt. Was die Bürgermeisterwahl angeht, so steht die PWG offensichtlich blank da. "Wir müssen uns als PWG überlegen, wie wir jetzt reagieren", sagte Stumpe. Es könne wohl keiner einen Kandidaten aus dem Ärmel schütteln. "In der momentanen Situation sehe ich niemand."

    Die SPD ist mit zwei Kandidaten im Stadtrat vertreten. "Ich gebe noch kein Statement ab", hielt sich Benjamin Wildenauer zurück. Die Fraktion aus Freien Bürgern und FDP bringt es ebenfalls auf zwei Räte. "Ich habe Hochachtung vor der Entscheidung der Bürgermeisterin", sagt Sprecherin Adelheid Zimmermann . Das falle sicher niemandem leicht, die Bürgermeisterin sei ja "mit Herzblut dabei". Zur Bürgermeisterwahl könne sie noch keine Aussage treffen. Die Fraktion werde sich aber bemühen, einen Kandidaten zu finden.

    Im Zuge der aktuellen Entwicklung haben Zweiter Bürgermeister Jürgen Pfister und Stadtrat Emanuel Fritschka (beide PWG) angekündigt, im kommenden Jahr nochmals als Stadträte anzutreten. Beide sind 70 Jahre alt und zählen zu den erfahrenen Ratsmitgliedern: Pfister sitzt seit 1984 im Stadtrat, Fritschka stieß im Jahr 2008 dazu.

    Ulrike Müller

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