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    Bad Brückenau

    Bad Brückenau: "Ein Masterplan fehlt"

    In loser Abfolge äußern sich die Vorsitzenden der politischen Gruppierungen im Stadtrat zur anstehenden Wahl. Den Abschluss macht Adelheid Zimmermann von Freien Bürgern und FDP.
    Adelheid Zimmermann sitzt vor einer Collage, die sie aus Fotografien ihres Vaters angefertigt hat. Sie zeigen dessen Heimatstadt Halle. Foto: Ulrike Müller
    Adelheid Zimmermann sitzt vor einer Collage, die sie aus Fotografien ihres Vaters angefertigt hat. Sie zeigen dessen Heimatstadt Halle. Foto: Ulrike Müller

    Seit 29 Jahren sitzt Adelheid Zimmermann ( FDP ) im Stadtrat. Als Fraktionssprecherin von Freien Bürgern und FDP äußert sie sich regelmäßig. Mit der Initiative einer Zukunftswerkstatt hat sie Anfang des Jahres ein parteiübergreifendes Forum gegründet, in dem Fragen der Stadtentwicklung besprochen werden.

    Frau Zimmermann, im Mai holten Sie den bekannten Münchner Architekten Peter Haimerl nach Bad Brückenau . Er sagte, es brauche drei Dinge, um die Innenstadt zu beleben: private Initiative, finanzkräftige Investoren und Geschäftsideen, die sich am Ende auch rechnen. Wie stehen Sie dazu?

    Adelheid Zimmermann : Ich gebe ihm Recht. Trotzdem muss die erste Schlüsselrolle tatsächlich die Verwaltung einnehmen. Jede Entscheidung muss dahingehend auf den Prüfstand, was sie für die Innenstadt bedeutet, denn jede Schließung in der Innenstadt mindert die Frequenz. Wir sind an einem Punkt, an dem wir umkehren müssen.

    Der Besuch des Architekten war Teil Ihrer Zukunftswerkstatt. Wie viele Leute sind eigentlich dabei, und wie oft gab es schon Treffen?

    Insgesamt sind wir etwa 15 Mitstreiter. Interessierte Bürger, aber auch Mitglieder der PWG, einer potenziellen Grünen Liste, der SPD und natürlich unserer Fraktion sind dabei. Die CSU ist auch eingeladen. Die Zukunftswerkstatt geht über alle Parteien hinweg, das war mir wichtig.

    Wie erleben Sie die Stimmung in der Zukunftswerkstatt?

    Sehr positiv. Es ist dasselbe, was bei der Bürgerwerkstatt zum Bahnhof offenbar wurde: Die Bad Brückenauer interessieren sich sehr für ihre Stadt. Aber ein Masterplan, an dem sich entlang gehangelt wird, der fehlt in Bad Brückenau . Ich würde mir wünschen, dass der nächste Bürgermeister gemeinsam mit dem Stadtrat so einen Masterplan entwickelt.

    Hat Sie die Kandidatur Ihres Stadtratskollegen Dirk Stumpe für das Bürgermeisteramt überrascht?

    Eigentlich nicht. Ich beschäftige mich nicht mit der Konkurrenz.

    Vertreten Sie eine Meinung diesbezüglich?

    Nein. Sagen wir mal so: Ich arbeite mit Dirk Stumpe sehr gerne im Stadtrat zusammen. Er hat viele Ideen, er ist auch in der Zukunftswerkstatt, genauso wie Jan Marberg [Kandidat der SPD ; Anm. d. Red.]. Ich sehe es durchaus positiv, dass Leute, mit denen ich auf gleicher Wellenlänge bin, in den Vordergrund treten. Was Jochen Vogel [Kandidat der CSU ; Anm. d. Red.] angeht, so wissen Sie ja, dass ich durchaus die Erste war, die eine Veranstaltung zu dem Thema gehalten hat, als es damals um die Stromtrasse Südlink ging. [Vogel war lange Vorsitzender der Protestinitiative Rhönlink; Anm. d. Red.]

    Sie sagten vorhin, jede Entscheidung müsse daraufhin überprüft werden, ob sie die Innenstadt weiter schwächt. Ist es da nicht inkonsequent, das Ärztehaus in den Georgi-Park zu bauen?

    Natürlich wäre das Ärztehaus in der Innenstadt viel besser. Wir haben aber einen Investor, der nur Geld ausgibt, wenn es an dieser Stelle gebaut wird. Ich bin dennoch nicht der Meinung, dass es in den Kurpark muss.

    Auf Facebook haben Sie angekündigt, einen eigenen Bürgermeisterkandidaten aufstellen zu wollen. Wie ist da der Stand der Dinge?

    Wir würden schon gerne, aber bislang haben wir noch niemanden. Es treten ja drei Männer an, da wäre eine Frau doch ganz gut.

    Sie sagten auch, Ihre Fraktion könne sich ebenso gut vorstellen, einen der anderen Kandidaten zu unterstützen. Wen favorisieren Sie?

    Im Sinne der Gleichberechtigung sind wir davon wieder abgerückt. Wir tun uns schwer damit, einen Kandidaten zu bevorzugen.

    Hat Ihre Fraktion genug Kandidaten für die Stadtratswahl gefunden?

    Es gibt genug Interessenten. Wir würden uns aber freuen, wenn sich noch Leute melden. Anfang Dezember möchten wir ein Politcafé in der Innenstadt eröffnen, das temporär besetzt sein wird. Interessierte Bürger können uns jederzeit ansprechen.

    Vor etwa einem Jahr wurden Sie zur stellvertretenden Bezirkstagspräsidentin gewählt. Was bedeutet Ihnen dieses Amt?

    Es war eine überwältigende Überraschung. Das Amt bedeutet mir sehr viel, weil es Themen beinhaltet, die mich ansprechen: Behindertenhilfe zum Beispiel, die Situation in Krankenhäusern und Heimen, der Bereich Kultur.

    Wo konnten Sie als Bezirksrätin konkret etwas für Bad Brückenau erreichen?

    In Volkers gibt es eine barocke Treppenanlage hinauf zur Wallfahrtskirche. Ich habe beantragt, dass das archäologische Spessartprojekt den alten Weg bearbeitet, um dem Denkmal mehr Geltung zu verleihen. Ich habe mich auch dafür eingesetzt, dass das Bayerische Kammerorchester und die Galerie Zuschüsse bekommen. Das gilt natürlich für die Musikakademie in Hammelburg, den Kissinger Sommer oder Schloss Aschach gleichermaßen.

    Trotz Ihres Alters von 70 Jahren haben Sie sich dazu entschlossen, noch einmal als Stadträtin zu kandidieren. Was möchten Sie dieser Stadt noch geben?

    Eine lebendige Innenstadt. Und das hängt davon ab, was investiert wird. Und es geht auch um Ästhetik. Und damit meine ich nicht, dass die alte Bausubstanz unbedingt erhalten werden müsste. Es geht auch mit moderner Architektur, Architektur als Rettung. Wir müssen Hingucker schaffen, ob es die Bücherei ist, das Rathaus oder ein Geschäft.

    Das Gespräch führte Ulrike Müller.

    Zum Hintergrund:

    Vita Adelheid Zimmermann ist 70 Jahre alt. Sie studierte Geografie und Mathematik auf Lehramt (Realschule) in Würzburg und machte später eine Ausbildung zur Arzthelferin sowie als Praxismanagerin. Seit 1990 sitzt sie im Stadtrat, seit 1999 im Kreistag und und seit 2008 im Bezirkstag. Dort ist sie seit November 2018 eine der Vize-Bezirkstagspräsidentinnen. Sie hat einen Sohn und zwei Töchter und ist mit dem Bad Brückenauer Arzt Dr. Helge Zimmermann verheiratet.

    Fraktion Zimmermann gehört der FDP an. Im Stadtrat bilden Freie Bürger und FDP eine Fraktion, deren Sprecherin Zimmermann ist. Seit der Kommunalwahl im Jahr 2014 besetzt die Fraktion nur noch zwei Sitze, vorher waren es drei. Die FDP selbst hat fünf Mitglieder in Bad Brückenau , 37 sind es aktuell im Kreisverband.

    Veranstaltungen Freie Bürger und FDP halten in unregelmäßigen Abständen kommunalpolitische Treffen zu unterschiedlichen Themen ab. Unter Zimmermanns Führung trifft sich seit Anfang dieses Jahres die so genannte "Zukunftswerkstatt", um über die Stadtentwicklung zu sprechen.

    Ulrike Müller

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