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    Bad Brückenau

    Bad Brückenau: Fußgängerzone bleibt geöffnet

    Testphase verlängert: Bis Juni darf von 7 bis 18.30 Uhr in die Fußgängerzone gefahren werden. Foto: Ulrike Müller

    Mehr als eine Stunde Zeit nahm sich der Stadtrat am Dienstagabend, um über die Situation in der Innenstadt zu beraten. Georg Roth, Sprecher der Werbegemeinschaft Bad Brückenau (WBB) warb dafür, die Probephase zu verlängern. Die große Mehrheit der Mitglieder der WBB habe sich für die Befahrbarkeit ausgesprochen. Es habe lediglich eine Nein-Stimme und drei Enthaltungen gegeben.

    Im Rückblick erinnerte Roth daran, wie das mitgliederstarke Forum Ende 2015 aufgelöst worden ist. Der Nachfolger, die WBB, habe dagegen nur etwa 25 Mitglieder. Mit Hilfe einer Stiftung sei ein Gutachten angefertigt worden. Doch von den vielen Vorschlägen sei als einziges Vorhaben die Öffnung der Fußgängerzone übrig geblieben. "Das tut mir leid und das sollte auch nicht so sein", sagte Roth durchaus selbstkritisch. Für den Herbst und die Weihnachtszeit kündigte er weitere Aktionen der Einzelhändler an.

    Zuerst bat Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks ( CSU ) ihren Stellvertreter Jürgen Pfister (PWG) um seine Einschätzung, danach gab sie das Wort an den Verkehrsreferenten Karlheinz Schmitt ( CSU ). "Egal, wie wir heute abstimmen, wir werden es nie allen recht machen", sagte Pfister. Er sei lange Zeit gegen die Öffnung gewesen, bat seine Kollegen nun aber doch um eine Verlängerung der Probephase um neun Monate. "Es muss sich etwas bewegen!", nahm er die WBB erneut öffentlich in die Pflicht. In Bezug auf die Sicherheit sagte Pfister: "Der einheimische Autofahrer muss sein Verhalten ändern, sonst funktioniert das nicht."

    Spielgeräte abgrenzen

    Der Verkehrsreferent zog ein positives Fazit der bisherigen Testzeit. "Es hat eine Belebung der Fußgängerzone stattgefunden, nicht nur mit durchfahrenden Autos." Die Auswertung der Messtafeln habe ergeben, dass zwischen 7 und 18.30 Uhr im Durchschnitt elf Kilometer pro Stunde gefahren werde. Im Abkürzungsverkehr durch die Badersgasse und zum Teil sehr hohen Geschwindigkeiten nachts sah Schmitt Probleme, die "aber durch Maßnahmen zu regeln sind". Als Lösungsvorschläge nannte er unter anderem Abbrems-Teller auf dem Pflaster und eine Abgrenzung der Spielgeräte auf dem Marktplatz.

    "Es stört", sagte Hartmut Bös ( CSU ). Etwa die Hälfte der Fahrzeuge würde morgens bis zehn Uhr registriert, also zu einer Zeit, in der noch nicht eingekauft werde. Die Kurgäste seien dagegen, die 160 Anwohner aus der Ludwigstraße seien nicht befragt worden. "Wer im Auto sitzen bleibt, gibt kein Geld aus", sprachen sich auch Benjamin und Florian Wildenauer ( SPD ) für die Rückkehr zur alten Regelung aus. Er hätte sich gewünscht, dass den Beobachtungen der Anwohner mehr Raum gegeben worden wäre als der Untersuchung eines Würzburger Studenten, sagte Benjamin Wildenauer. Schäden am Pflaster seien schon jetzt erkennbar, führte sein Bruder Florian Wildenauer aus.

    Applaus aus dem Publikum

    "Was wollen Sie noch in einer Innenstadt, wenn es keinen Handel mehr gibt?", fragte Adelheid Zimmermann ( FDP ) und brachte eine Verlängerung um zwei Jahre ins Spiel. Dem folgte der Stadtrat aber nicht. Kurt Abersfelder ( CSU ) meinte, dass nichts passiert ist, sei allein den Müttern und Großmüttern zu verdanken, die höllisch auf ihre Kinder aufgepasst hätten.

    Dirk Stumpe (PWG) sprach von einer widersprüchlichen Diskussion. Menschen, nicht Autos, müssten in die Stadt. "Nur, wenn wir aktiv daran arbeiten, werden wir die Innenstadt auch beleben", sagte er. Und die PWG-Fraktionssprecherin Birgit Poeck-Kleinhenz ergänzte: "Wir vergessen die Senioren, die oft schlecht hören, und die Gehbehinderten." Die Gastronomie tue ihr leid.

    Fast 20 Bürger saßen im Publikum. Die Gegner applaudierten mehrfach, erst zum Schluss klatschten auch die Befürworter der Öffnung. Die Bürgermeisterin hielt sich mit einer eigenen Position zurück. Sie stimmte am Ende aber für die Verlängerung der Testphase. Mit 11:9 Stimmen fiel die Abstimmung knapp aus. Im Mai 2019 wird der Stadtrat das Thema erneut aufgreifen.

    Einen Kommentar zur Entscheidung des Stadtrats lesen Sie hier.

    Ulrike Müller

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