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    Bad Brückenau

    Bad Brückenau: Hoher Aufwand für Hoteliers

    Seit 30. Mai dürfen Hotels wieder Gäste aufnehmen. Die Freude darüber ist groß. Allerdings machen verschärfte Hygiene-Regeln den Betrieb kompliziert. Es fällt auch mehr Müll an - zum Beispiel beim Frühstück.
    Das Frühstück fragen Yvonne Engberink (links) und Gisela Ullmann vom Hotel Ursula bei jedem Gast einzeln ab. Abgepackt wird es an die Tische getragen. Sohn Felix ist immer dabei. Foto: Ulrike Müller       -  Das Frühstück fragen Yvonne Engberink (links) und Gisela Ullmann vom Hotel Ursula bei jedem Gast einzeln ab. Abgepackt wird es an die Tische getragen. Sohn Felix ist immer dabei. Foto: Ulrike Müller
    Das Frühstück fragen Yvonne Engberink (links) und Gisela Ullmann vom Hotel Ursula bei jedem Gast einzeln ab. Abgepackt wird es an die Tische getragen. Sohn Felix ist immer dabei. Foto: Ulrike Müller

    Eigentlich war der Trend, möglichst wenig Müll zu produzieren. Doch in Zeiten von Corona haben einzeln abgepackte Lebensmittel Konjunktur. Im Hotel "Ursula" beispielsweise kreuzt jeder Gast am Abend auf einer Liste an, was zum Frühstück auf den Tisch kommen soll. "Wir tragen das dann einzeln abgepackt rein", schildert Gisela Ullmann den Aufwand. "Wir sind ja nun ein kleines Haus. Ich weiß gar nicht, wie das ein großes Haus macht."

    Einen ganz anderen Impuls nimmt Roland Kreuzer vom Hotel "Zur Mühle" aus der Corona-Krise mit. Obwohl im Mai die Lockerungen für die Hotel-Branche bereits in Sicht waren, lief der vergangene Monat noch schwächer als der April. Während des Lockdowns durften Hoteliers nur noch Gäste, die beruflich eine Übernachtung brauchten, beherbergen. "Jetzt zieht es ein wenig an, aber es ist immer noch sehr, sehr dürftig", sagt Kreuzer.

    Die Betriebskosten könne er so nicht decken. Doch Wut darüber, dass die Corona-Pandemie ihn nun dazu zwingt, von seinen Rücklagen zu leben, verspüre er nicht. "Das letzte Hemd hat keine Taschen. Ich habe immer schon gearbeitet und sehe in der Arbeit auch einen großen Sinn", sagt Kreuzer. Der Stellenwert der Freizeit - mit mehreren Auslandsurlauben im Jahr oder auf überdimensionierten Traumschiffen - habe vor Corona überhandgenommen. Der Hotelier glaubt, dass sich die Menschen jetzt darauf besinnen, wie gut es ist, überhaupt Arbeit zu haben.

    Fernbedienungen eingeschweißt

    Immerhin, am Wochenende besuchten 16 Gäste die Mühle. Auch Kurzurlauber waren dabei, ebenso wie Angehörige von Patienten der Kliniken. "Ich bin trotzdem zuversichtlich, dass es wieder anzieht", sagt der Hotelier . Diese Einstellung teilt auch Joachim Pfaff vom Badhotel im Staatsbad. "Es ist ein Stück Normalität eingekehrt", berichtet er. "Ich habe auch den Eindruck, dass die Leute einheimische Häuser bewusst unterstützen."

    Dennoch sei die Situation nicht vergleichbar mit einem Normalbetrieb. Besonders die Hygiene-Auflagen kosteten viel Zeit. "Der Arbeitsaufwand ist enorm", sagt Pfaff. Fernbedienungen hat er eingeschweißt und die Minibars in den Zimmern ausräumen lassen. Die Tische im Garten dürfen nicht verschoben werden. Regelmäßig desinfizieren die Reinigungskräfte Oberflächen und Türklinken. "Ich gehe nicht davon aus, dass noch ein Lockdown kommt", sagt Pfaff.

    Alle seine Mitarbeiter seien mittlerweile aus der Kurzarbeit zurückgekehrt. Zudem zeigte sich seine Versicherung, bei der er sich gegen eine unabsehbare Betriebsschließung abgesichert hatte, kulant und erstattet zumindest einen Teilbetrag der vertraglichen Leistung. "Ich freue mich, dass überhaupt etwas geht", sagt er, auch wenn die Anzahl der Gäste natürlich erst langsam anzieht.

    Tagungen noch nicht erlaubt

    Auch ins Dorint kommen wieder Gäste. "Es läuft jetzt langsam an", sagt Hotel-Chef Sven Näser. Auf den Monat gesehen spricht er von einer Auslastung zwischen 20 und 25 Prozent. Das ist wenig, deshalb wird auch nur ein Teil der Mitarbeiter gebraucht. " Kurzarbeit wird uns noch das ganze Jahr beschäftigen." Dennoch bleibt Näser positiv. "Wir freuen uns über jeden Gast."

    Seit diesem Mittwoch dürfen Gäste wieder das Fitnessstudio nutzen und im Außenbecken baden. Ab Juli sollen auch Einheimische wieder das Angebot nutzen können, sagt er. Die Sauna öffne in absehbarer Zeit. Unklar sei hingegen, wie sich der gesamte Tagungssektor entwickelt. Tagungen gelten als ein wichtiges Standbein des Dorint-Hotels. In Bayern seien aktuell aber nur Kurse zur Erwachsenenbildung erlaubt. "Das kann man jetzt noch nicht abschätzen", sagt Näser.

    Im Hotel "Ursula" hingegen wächst langsam die Sorge. "Die Stammgäste sind die Einzigen, die noch nachfragen", schildert Ullmann. Deshalb stieß hier die Entscheidung des Stadtrats, das Feuerwerk zu Silvester abzuschaffen, nicht auf Zustimmung. "Das ist für uns eine kleine Katastrophe. Wir haben Gäste, die nur deshalb zu uns kommen", sagt Yvonne Engberink. 20 bis 30 Gäste füllen zum Jahreswechsel traditionell das Haus und besuchen auch den Ball der Stadt. "Für uns ist das in den Wintermonaten der wichtigste Termin", betont Ullmann.

    So erging es den Hoteliers vor sechs Wochen.

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    Ulrike Müller

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