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    Bad Brückenau

    Bad Brückenau: Post aus der Partnerstadt

    Grafik: Kestutis - stock.adobe
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    Schon fast drei Jahre ist die Abstimmung her, bei der sich die Briten mit knapper Mehrheit für den Austritt aus der EU aussprachen. Das politische Gezerre über die Umsetzung dauert an - das Ende bleibt offen. Nun sprechen der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, Adrian Long, und Gastgeberin Elaina Graham über den Brexit. Sie ist für den Austritt, er dagegen. Für das aktuelle politische Debakel finden beide deutliche Worte.

    PRO

    Was denken die Menschen in Kirkham und aus dem Umland über den Brexit? Wie würden Sie aktuell die Stimmung beschreiben?

    Elaina Graham: Ich würde sagen, dass jeder, mit dem ich spreche, die Nase voll von der Art und Weise hat, wie die Regierung mit dem Brexit umgeht. Die Menschen möchten einfach nur, dass die Regierung das Problem löst und uns schnell aus Europa heraus bringt, so dass Wirtschaft und Öffentlichkeit genau wissen, was als nächstes passieren wird. Ich würde sagen, dass die Leute ärgerlich auf das Parlament und die Politik sind und sich dafür schämen, dass die Politiker Spielchen spielen, anstatt das Land an die erste Stelle zu setzen und Theresa May bei ihren Diskussionen mit der EU zu unterstützen. Ich denke, dass die Leute Theresa May für die Arbeit, die sie bis jetzt geleistet hat, bewundern, sich aber auch fragen, wer einen guten Premierminister abgeben würde, wenn sie nach dem Brexit aufhört.

    Wie stehen Sie persönlich zum Brexit?

    Ich habe dafür gestimmt, die EU zu verlassen, und habe zur Zeit des Referendums schon den Eindruck gehabt, dass die Informationen, die uns gegeben wurden, unzulänglich sind. Ich hatte keine Vorstellung davon, wie kompliziert ein Brexit sein würde, und ich glaube, dass es so den meisten Menschen hier ging. Ich möchte immer noch, dass das Vereinte Königreich die EU verlässt, bin aber von dem ganzen Prozess frustriert.

    Stellen Sie sich vor, die Briten würden nochmals über den Brexit abstimmen. Wie würde es Ihrer Meinung nach ausgehen?

    Ich glaube wirklich, dass bei einem weiteren Referendum zum Brexit die Aufteilung der Stimmen ganz ähnlich ausfallen würde. Natürlich gäbe es eine ganze Reihe von Wählern, die inzwischen 18 Jahre alt geworden sind und jetzt stimmberechtigt sind. Es mag sein, dass sie den Ausschlag dafür geben würden, dass Großbritannien in der EU bliebe. Es würde aber auch Menschen wie mich geben, die wieder dafür stimmen würden, die EU zu verlassen. Und ja, es gäbe sicherlich auch welche, die erst für den Brexit gestimmt haben und nun ihre Meinung geändert haben. Ich hoffe, dass es nicht zu einer zweiten Abstimmung kommt.

    CONTRA

    Was denken die Menschen in Kirkham und aus dem Umland über den Brexit? Wie würden Sie aktuell die Stimmung beschreiben?

    Adrian Long: Die Menschen sind der ganzen Sache überdrüssig. Es besteht der Wunsch, zum normalen politischen Leben zurückzukehren und sich all den anderen dringenden Angelegenheiten zuzuwenden, denen wir gegenüberstehen. Es gibt zwei Varianten dieses Überdrusses: Die Brexit-Befürworter sagen: Lasst uns die EU verlassen, egal ob mit oder ohne Abkommen. Und die Gegner sagen: Lasst uns den Austritt doch noch einmal überdenken. Kirkham selbst liegt im Wahlkreis Fylde, die Menschen hier haben sich eindeutig für den Brexit ausgesprochen. Die Gegend gilt als wohlhabend, hier leben vorwiegen weiße und ältere Briten. Das sind genau die Menschen, die in Großbritanniens Vergangenheit als Kolonialmacht verharren, anstatt unseren wirklichen Platz in der modernen Welt anzuerkennen. Ich merke aber, dass die Unterstützung dafür, in der EU zu bleiben, spürbar unter jungen Menschen stärker wird.

    Wie stehen Sie persönlich zum Brexit?

    Ich selbst, meine Familie und Freunde haben noch nie so stark an Politik Anteil genommen. Ich bleibe der festen Überzeugung, dass nichts Gutes vom Brexit kommen kann und dass dies ein tragischer Rückschritt ist, der 70 Jahre Fortschritt und Wohlstand unter den Völkern Europas ungeschehen macht. Man darf nicht vergessen, dass unser Kontinent immerwährend im Konflikt stand, am meisten natürlich während der beiden Weltkriege. Aus diesem Grund sind wir sehr stark dafür, in der EU zu bleiben, oder - sollte es zum Brexit kommen - so eng wie möglich mit der EU verbunden zu bleiben.

    Stellen Sie sich vor, die Briten würden nochmals über den Brexit abstimmen. Wie würde es Ihrer Meinung nach ausgehen?

    Ich glaube, das Ergebnis würde wieder sehr knapp ausfallen. Aber diesmal gäbe es zwei entscheidende Unterschiede: Die Menschen hätten eine weitaus klarere Vorstellung von den Schwierigkeiten, die ein Brexit verursacht. Und sie würden sich weniger von den Lügen beeinflussen lassen, die ihnen weismachen, dass ein Ausstieg einfach sei.

    Ulrike Müller

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