• aktualisiert:

    Bad Brückenau

    Bad Brückenau: Was wurde aus dem Ökozentrum?

    Einst taten sich sieben Vorreiter zusammen und gründeten das Ökozentrum Bad Brückenau. Von ihrer Idee ist nicht mehr viel übrig. Dabei ist sie so zeitgemäß wie nie.
    Vielen Bad Brückenauern ist das ehemalige Gymnasium noch als Ökozentrum bekannt. Foto: Ulrike Müller       -  Vielen Bad Brückenauern ist das ehemalige Gymnasium noch als Ökozentrum bekannt. Foto: Ulrike Müller
    Vielen Bad Brückenauern ist das ehemalige Gymnasium noch als Ökozentrum bekannt. Foto: Ulrike Müller

    Gerhard Ankenbrand ist einer, der schon früh modern dachte. Modern insofern, als dass seine Vorstellung von einem gesunden Wohnumfeld etwa 30 Jahre zu früh kam. Eine andere Zeit war das, als es vier Möbelhäuser allein im Altlandkreis Bad Brückenau gab. 1991 übernahm er die Bad Brückenauer Filiale von " Möbel Ankenbrand" in Schondra. Doch Möbelstücke aus Spanplatten, wie sie damals reihenweise verkauft wurden, entsprachen nicht seiner Philosophie.

    Drei Jahre später entstand das "Zentrum für gesundes Bauen, Wohnen und Leben", genannt Ökozentrum, im ehemaligen Gymnasium am Kirchplatz. Gegründet hatte es Ankenbrand gemeinsam mit anderen, darunter der Architekt Michael Kirchner. Zwei Ärzte, ein Architekt, Bauunternehmen und ein Möbelhaus waren dabei. Auch die Stadtwerke machten mit. Die Mitglieder hatten sich der Erhaltung und Wiederherstellung der natürlichen Lebensgrundlage verschrieben. Heute sind diese Schlagworte Kult.

    "Die Leute sind bewusster, das merke ich in jedem Kundengespräch. Früher musste man missionieren", erzählt Ankenbrand. Zwei Monteure beschäftigt er in Teilzeit, neben ihm selbst gibt es noch eine Stelle im Verkauf. Das Bad Brückenauer Möbelhaus hat nichts gemein mit den Möbelgiganten, die vorzugsweise an gut frequentierten Autobahnkreuzen stehen. Entsprechend überschaubar ist der Ausstellungsraum, der sich über mehrere Zimmer erstreckt. Wie gesagt, das Gebäude war einmal eine Schule.

    Schreiner aus der Rhön

    Die Idee vom Ökozentrum verlief bald im Sande. Um die Jahrtausendwende herum sei schon nicht mehr viel von den hehren Zielen übrig gewesen, blickt Ankenbrand zurück. Irgendwann löste er den Verein auf. Geblieben ist das Möbelhaus . "Wohngesund" heißt es heute und gehört zum Verband ökologischer Einrichtungshäuser Pro Öko. Knapp 40 Mitglieder sind es laut Geschäftsführer Hans-Günter Beste in Deutschland. "Wir sind ein kleiner, überzeugter Verband und nehmen unsere Sache sehr ernst", sagt er.

    "Das Holz für unsere Rhön-Holz-Eigenproduktionen stammt ausschließlich aus regionaler Holzwirtschaft im Umkreis von 20 bis 30 Kilometern", erklärt Ankenbrand. Sein Credo: Keine Chemie , keine Kunststoffe, keine Metalle . Zudem hat er sich als Experte für gesunden Schlaf einen Namen gemacht. Seine Betten stehen, so sagt er, in München, Rostock und Köln. Für die Produktion arbeitet Ankenbrand mit dem Schreinermeister Manfred Vey aus Ehrenberg an der Wasserkuppe zusammen. Der fertigt metallfreie Naturholzbetten, Schränke , Kommoden, Eckbänke, Tische - hauptsächlich nach individuellem Kundenwunsch.

    Nachfolger in Sicht

    Immer wieder tauchte am Rande von Diskussionen im Stadtrat die Frage nach der Zukunft des ehemaligen Gymnasiums auf. Einzelne Räte stellten Überlegungen an, als stünde das Gebäude leer. Das war beispielsweise bei der Diskussion über ein Übergangsquartier für die Bibliothek oder der Suche nach einer neuen Bleibe für die Tafel der Fall. Ankenbrand aber möchte bleiben. Die Lage in der Innenstadt "passt". Der 68-Jährige arbeitet noch, weil ihm die Sache Freude bereitet. In vier Jahren will er das Unternehmen übergeben, einen Nachfolger gebe es schon.

    "Die Philosophie wird voll übernommen", freut sich der Geschäftsmann. Überhaupt findet er, dass gesundes und nachhaltiges Wohnen nicht an Bedeutung verloren hat, eher im Gegenteil. "Wenn man in der Geschichte zurückdenkt, ist es doch ein Vorteil, etwas zu haben, das es nicht an jeder Ecke gibt", sagt er im Blick auf die Stadt. "Es war sicherlich vor 30 Jahren Neuland", meint auch Beste von Pro Öko. Durch die verstärkte Diskussion über die Auswirkungen des Klimawandels erlebe der Verband aber gerade eine erhöhte Aufmerksamkeit.

    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Bad Kissingen-Newsletter!

    Ulrike Müller

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!