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    Bad Brückenau

    Bad Brückenau: Zwei Augenärzte übernehmen Praxis

    Melanie Jäger und ihr Mann Ralf Ungerechts haben die Augenarztpraxis von Reinhard Hollweg im Alten Schlachthofweg übernommen. Das Angiographiegerät links im Bild haben die beiden neu angeschafft. Foto: Ulrike Müller
    Melanie Jäger und ihr Mann Ralf Ungerechts haben die Augenarztpraxis von Reinhard Hollweg im Alten Schlachthofweg übernommen. Das Angiographiegerät links im Bild haben die beiden neu angeschafft. Foto: Ulrike Müller

    Es ist still an diesem Vormittag in der Augenarztpraxis im Alten Schlachthofweg. Dr. Melanie Jäger und ihr Mann, Dr. Ralf Ungerechts, nehmen im Wartezimmer Platz. Die alten Massivholzmöbel in den Behandlungszimmern stammen vom Großvater des langjährigen Augenarztes Dr. Reinhard Hollweg. Er hat seine Praxis an die beiden verhältnismäßig jungen Kollegen übergeben. Jäger ist 45, Ungerechts 51 Jahre alt.

    Seit Anfang des Jahres teilt sich das Ehepaar - beide arbeiteten zuvor als Oberärzte in Augenkliniken - den kassenärztlichen Sitz. Das Wartezimmer haben sie etwas umgestaltet, zwei neue Geräte angeschafft. Es ist ein Schritt von Frankfurt zurück aufs Land. Melanie Jäger ist in Weißenbach aufgewachsen, ging von 1983 bis 1992 in Bad Brückenau aufs Gymnasium. Ralf Ungerechts kommt ursprünglich aus der rund 260.000-Einwohner-Stadt Mönchengladbach.

    "Wir haben uns im Sinne der Kinder entschieden", sagt Jäger im Wartezimmer. "Wir möchten, dass sie behüteter aufwachsen als in Frankfurt." Der Sohn ist jetzt vier Jahre alt, die Tochter kommt im Sommer in die Schule. Im Kindergarten der Großstadt sei alles noch kein Problem gewesen. Ganz selbstverständlich seien die Kleinen mit verschiedenen Kulturen in Berührung gekommen. Von Freunden aber weiß sie: In der Schule kann das anders werden. Nach Mobbingvorfällen hätten die Bekannten ihre Kinder auf eine Privatschule gegeben. "Das ist eine andere Welt", sagt Jäger.

    Vieles ist bescheidener in der alt-neuen Heimat. Das kulturelle Angebot fehlt der Familie nicht, eher die Einkaufsmöglichkeiten. Komplizierte Operationen gehören für den ehemals leitenden Oberarzt nun der Vergangenheit an. Nur leichte Eingriffe nimmt er einmal in der Woche an der Capio Franz von Prümmer Klinik vor. Auch sie wird keine Assistenzärzte mehr unterrichten, trägt nicht mehr so viel Verantwortung wie bisher.

    "Wir sind in den letzten Jahren unheimlich viel Auto gefahren", erzählt Jäger. Von Frankfurt aus pendelte sie nach Gießen und er nach Darmstadt. Sieben Babysitter habe die Familie innerhalb von sechs Jahren gehabt. Schon lange verbrachte die Familie häufig die Wochenenden in der Rhön. "Die Kinder haben schon montags gefragt, wann wir wieder nach Weißenbach fahren", sagt Jäger.

    Vieles ist besser in der neu-alten Heimat. Der Garten ist größer, der Zaun weniger hoch. "Die Großeltern leben nur zwei Häuser weiter, die Schwägerin wohnt auch im Ort", sagt Ungerechts. Einen Babysitter braucht die Familie nicht mehr. Kirmes, Schlittschuhlaufen auf dem Weiher, Skifahren in der Rhön prägen nun das Familienleben. "Im Dorf kennt jeder jeden", meint Jäger schlicht. Ihren Jungen hat sie schon zum Schwimmkurs in der Therme Sinnflut angemeldet - und zum Schnuppertraining beim Fußballverein.

    Die beiden Augenärzte zählen zu den Interessenten für das geplante Gesundheitszentrum an der Prümmer Klinik. Als feste Mieter seien sie aber keinesfalls gesetzt, stellen sie klar. "Die Möglichkeiten in Bad Brückenau sind überschaubar, eine moderne Praxis einzurichten", sagt Ungerechts. Deshalb kann seine Frau auch nicht ganz nachvollziehen, wenn im Stadtrat mit dem Leerstand argumentiert wird. "Es gibt einen Investitionsstau in vielen Häusern in der Innenstadt", stellt Jäger fest. Heute müssten Arztpraxen hohe Auflagen erfüllen. Ein medizinisches Gesundheitszentrum werde sicherlich das Haus voll bekommen, meint das Ärztepaar.

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    Ulrike Müller

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