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    Bad Kissingen

    Bad Kissingen: 40 Tonnen zum Kanal-Endspurt

    Es ist der letzte große Brocken für die Baustelle Erhardstraße: Ein fünf Meter hoher und vier Meter breiter Kanalschacht. Bevor ihn ein Spezialkran einhebt, braucht es akribische Vorplanung.
    Der Spezialkran hebt die Abdeckung für das Schachtbauwerk an. Allein sie hat ein Gewicht von mehr als sechs Tonnen. Foto: Benedikt Borst
    Der Spezialkran hebt die Abdeckung für das Schachtbauwerk an. Allein sie hat ein Gewicht von mehr als sechs Tonnen. Foto: Benedikt Borst

    Eine wochenlange, akribische Vorarbeit ist nötig, bis der Spezialkran rund 40 Tonnen Beton zentimetergenau in ein fünfeinhalb Meter tiefes Loch hinablässt. Das dauert dafür dann nur noch wenige Stunden. Für Ingenieur Christian Roßmann ist das Einheben der Augenblick der Wahrheit. "Beim Einheben sieht man erst, ob das, was man gebaut hat auch so funktioniert, wie man es geplant hat", sagt er. Nur wenige Zentimeter Abweichung wirken sich entscheidend aus.

    Roßmann vom Ingenieurbüro Hossfeld und Fischer ist Bauleiter für die aktuell größte städtische Baustelle: Die 5,5 Millionen Euro teure Sanierung der Erhardstraße zwischen Berliner Platz und der Kreuzung zur Zoller- und Veit-Stoß-Straße. Bei den 40 Tonnen Beton handelt es sich um einen annähernd fünf Meter hohen und vier Meter breiten Kanalschacht, in dem die Abwasserrohre aus der Erhardstraße, der Zoller- und Veit-Stoß-Straße zusammenlaufen. "Die Kanäle liegen in unterschiedlicher Tiefe im Boden. Deshalb ist das Schachtbauwerk so groß", erklärt er.

    Marode Autobahnbrücken meiden

    Am Vorabend wird der Schacht im Betonwerk auf einen Schwertransporter geladen und dann die Nacht über nach Bad Kissingen gefahren. Morgens um vier Uhr kommt er an. Roßmann: "Der Transport in Deutschland ist schwierig." Viele Autobahnbrücken reichen statisch nicht für so eine Last aus. Die Route muss entsprechend immer wieder auf Landstraßen ausweichen und ist mit vielen Behörden abzustimmen. "Dafür benötigen wir ungefähr fünf Wochen Vorlauf", berichtet er.

    Der Kanalschacht ist eine Spezialanfertigung, gegossen nach den Plänen des Bad Kissinger Planungsbüros. Damit das Einheben reibungslos funktioniert, muss die Baustelle in den Tagen vorher entsprechend vorbereitet werden: Per GPS und Absteckungen geben die Planer die Eckpunkte vor, wo und wie der sechseckige Schacht in die Erde gehört. Die Arbeiter baggern die Grube aus, verlegen störende Gas-, Wasser- und Stromleitungen und bringen am Grubenboden ein Fundament aus Schotter und Beton ein. Darauf steht später das tonnenschwere Bauwerk.

    640 von 665 Metern Kanal neu

    Der Kanalschacht ist der letzte große Brocken für das Projekt Erhardstraße. "Beim Kanalbau liegen wir in den letzten Zügen. Der Hauptkanal ist hergestellt", sagt Marcel Zimmermann vom städtischen Tiefbaureferat. 640 Meter Kanalrohre wurden schon erneuert, 25 Meter fehlen noch. Dabei handelt es sich um die Anschlüsse in die Zoller- und in die Veit-Stoß-Straße. Der neue Hauptkanal besitzt einen Durchmesser von einem Meter bis 1,20 Meter. Zum Vergleich: Der alte Kanal hatte einen Durchmesser von gerade einmal 30 Zentimetern. Insbesondere bei Starkregen soll der neue Kanal das Abwassersystem in der Stadt entlasten.

    Je nach Witterung im Winter sollen die Arbeiten bis zum Frühjahr 2020 abgeschlossen und die Erhardstraße wieder durchgängig zu befahren sein. Bei dem Bauabschnitt unterhalb des Ostrings wird die Straße dagegen schon dieses Jahr fertig. Gegen Mitte Dezember soll die Erhardstraße als Zufahrt vom Ostring in Richtung Stadtmitte wieder zur Verfügung stehen.

    40 Tonnen schweben in die Grube

    Zurück zum Kanalschacht. Es ist ein nebliger Herbstmorgen. Der Schwertransport steht inzwischen auf der Baustelle. Gegen sieben Uhr kommt der Spezialkran an und die Arbeiter machen für den Einsatz bereit. Wenig später schweben erst der Schacht, dann die Abdeckung in die Grube. Drei Stunden später ist alles in der Erde und Roßmann atmet durch. "Es war zwar eng, hat aber alles gepasst", sagt er.

    Benedikt Borst

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