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    Bad Kissingen

    Bad Kissingen: Corona bringt Busunternehmen in Bedrängnis

    Eine "Katastrophe", sagen heimische Reisebüros und Busunternehmer: Ihnen brechen die Gäste wegen der Pandemie weg.
    Mit dem Bus zum Meer: Für viele ist das der ideale Urlaubsbeginn. Nur: In Corona-Zeiten sagen immer mehr Veranstalter oder Kunden ab. Foto: fotolia       -  Mit dem Bus zum Meer: Für viele ist das der ideale Urlaubsbeginn. Nur: In Corona-Zeiten sagen immer mehr Veranstalter oder Kunden ab. Foto: fotolia
    Mit dem Bus zum Meer: Für viele ist das der ideale Urlaubsbeginn. Nur: In Corona-Zeiten sagen immer mehr Veranstalter oder Kunden ab. Foto: fotolia

    Es ist egal, wohin man schaut: Corona hat die Gesellschaft fest im Griff. In den Geschäften, auch im Landkreis Bad Kissingen : viel Platz. In den Gaststätten: Statt Gedränge ist keine Platzreservierung nötig. In den Reisebüros und bei Busunternehmen : Katastrophenstimmung. Malta, Slowenien, Zypern oder Grenada haben ein Einreisestopp verhängt, die Reisebranche kämpft auch in Bad Kissingen mit den Auswirkungen des Virus.

    Christian Wolf hat den Busbetrieb GWK Reisen in der Grabengasse von seinen Eltern im Jahr 2006 übernommen, die die GWK 1973 gegründet haben. Was ihm und anderen Unternehmen im Reisesektor gerade bevorsteht, bezeichnet er mit einem Wort: "Katastrophe". "Vereine oder Verbände, die Eintages- oder Mehrtagesfahrten geplant haben, sagen momentan alle bis Ende April ab, genauso stehen gerade alle Katalogfahrten bis Ende April unter Beobachtung." Und im Mai, wenn die ersten sich auf die Fahrt in Richtung Süden, nach Italien beispielsweise, gefreut haben, "da ist die Verunsicherung derzeit sehr groß, das steht alles ebenfalls auf der Kippe".

    Was vielen nicht bewusst ist: GWK bucht wie viele andere Reiseunternehmen für die Reisegäste auch die Hotels. Das heißt, dass für das Busunternehmen die Stornogebühren für die abgesagten Hotelzimmer fällig werden. Die Saisoneröffnungsfahrt in den Corona-Hotspot Nordrhein-Westfalen sagte Christian Wolf eigenständig ab: "Da geht es um die Gesundheit meiner Gäste, und die sind in der Regel im Rentenalter." Hier waren es 150 Gäste - mit der dementsprechenden Anzahl an Hotelzimmern. Das Ausmaß des wirtschaftlichen Verlustes könne er momentan noch nicht absehen, aber "ich bewege mich, was den Schaden angeht, im sechsstelligen Bereich". Eine Versicherung existiert nicht, denn "gegen ein Virus kann ich mich nicht versichern".

    Jürgen Wolf vom gleichnamigen Reisebüro in Münnerstadt wirft einen düsteren Blick in die Zukunft. "Wenn sich das Problem nicht zeitnah lösen lässt oder von selbst verschwindet, wird es Unternehmer, die rein auf den Reiseverkehr ausgerichtet sind, in existenzielle Probleme stürzen." Sein Unternehmen ist zweigleisig aufgebaut, seine Busse sind im Linien- und Schulverkehr unterwegs. "Sobald Schulen geschlossen werden, bekomme auch ich ein wirtschaftliches Problem." Belastend seien die laufenden Kosten. "Zinstilgungen und Versicherungen, da kann man keine Rate aussetzen oder auflösen. Die Kosten werden fällig - und das macht den Unternehmen Kummer, wenn auf der anderen Seite keine Einnahmen zu verzeichnen sind."

    Maximilian Albert ist Chef von "Fröhlich Reisen", er hat zwei Büros in Würzburg, eines in Schweinfurt und zwei in Bad Kissingen . Auf die Frage, wie es ihm gehe, antwortet er kurz mit "schlecht". "Es werden immer mehr Reisen storniert, die USA lässt keinen rein, auch die Häfen für Kreuzfahrtschiffe werden dicht gemacht, das beginnt aktuell gerade in der Karibik. Vor einer Stunde hat auch Österreich kundgetan, dass sie niemanden mehr reinlassen." Er sieht das Schicksal seiner Branche als beispielhaft für das, was noch kommen werde: "Langsam trifft es alle Wirtschaftszweige." Er sieht hier die Regierung stark gefordert, "was wir brauchen ist ein Hilfefonds". Für seine Büros arbeiten 21 Angestellte. "Wir hoffen, dass wir nie an Stellenabbau denken müssen. Vielleicht kommt irgendwann eine Phase der Kurzarbeit, aber den Kopf stecken wir noch lange nicht in den Sand."

    Marion Eckert ist freiberufliche Journalistin aus der Region. Sie wollte jetzt eigentlich in Ägypten sein. Gebucht hat sie übers Bayerische Pilgerbüro - und hat kürzlich eine Absage erhalten. Sie ist darüber nicht ganz unglücklich. "Ich wäre gerne verreist, aber wenn ich ehrlich bin, hatte ich Bauchschmerzen." Was, so fragte sie sich, passiert, wenn sie und ihre Reisebegleiterinnen in Quarantäne gekommen wären? "Und was wäre passiert, wenn wir auf einer Nilkreuzfahrt krank geworden wären - wie hätte es mit der medizinischen Versorgung vor Ort ausgesehen?" Als Selbstständige sei außerdem dieser Gedanke noch dazugekommen: "Ich habe mir den Urlaub erarbeitet. Aber kann ich mir einen Verdienstausfall von zwei Wochen zusätzlich leisten, wenn ich danach in Quarantäne muss?" Unterm Strich sei sie froh, dass ihr die Entscheidung abgenommen wurde. Was sie freut: "Die Bahn wird uns das Ticket von Fulda zum Münchner Flughafen erstatten, wenn wir eine Bestätigung der Absage durchs Pilgerbüro vorlegen."

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    Susanne Will

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