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    Bad Kissingen

    Bad Kissingen ist Digitale Einkaufsstadt: Erst surfen, dann shoppen

    Klaus Bollwein (links) und Ralf Ludewig bringen den alten Shoppingführer "Bad Kissingen erleben" als großes Stadtmarketing-Portal ins Internet. B. Borst
    Klaus Bollwein (links) und Ralf Ludewig bringen den alten Shoppingführer "Bad Kissingen erleben" als großes Stadtmarketing-Portal ins Internet. B. Borst

    Seinen Onlineshop hat Modehausinhaber Ralf Ludewig inzwischen wieder eingestellt, weil der sich nicht gelohnt hatte. Eine ordentliche Homepage sowie Facebookseite sind für sein Geschäft dagegen unverzichtbar. "An den Äußerungen der Kunden bei uns im Laden merken wir sehr deutlich, dass sich die Leute vorher im Internet informieren", sagt er.

    Für die stationären Händler ist es wichtig, sich online gut zu präsentieren - gerade im harten Wettbewerb mit dem boomenden Onlinehandel. Das Thema beschäftigt Ludewig nicht nur als Geschäftsmann, sondern auch als Bezirksvorsitzenden des Bayerischen Einzelhandelsverbandes: "Seit Jahren sind die Frequenzen in den Innenstädten rückläufig." Der Kunde zieht sich aus den Fußgängerzonen ins Netz zurück und ist dort für viele Händler nicht mehr zu erreichen. Auch im Jahr 2019. "Viele Händler sind nicht optimal im Netz aufgestellt", sagt Ludewig.

    Ein Portal für alle

    "Wer im Netz nicht zu sehen ist, den gibt es nicht", findet auch Klaus Bollwein, Geschäftsführer von Pro Bad Kissingen . Der Stadtmarketingverein will deshalb jetzt ein Onlineportal ins Leben rufen, auf dem sich alle Händler , Dienstleister, Hoteliers und Gastronomen präsentieren. Allein hätte der Verein so ein Vorhaben finanziell nicht stemmen können. Bollwein hat also allen Grund zur Freude, dass Pro Bad Kissingen vom Wirtschaftsministerium für das Modellprojekt "Digitale Einkaufsstadt Bayern" ausgewählt wurde und damit bis zu 30 000 Euro Förderung erhält. "Wir wollen mit dem Projekt ins digitale Zeitalter einsteigen", sagt er.

    Das Wirtschaftsministerium will mit der Initiative wieder mehr Kunden in die Fußgängerzonen zu bringen. "Wir wollen die Vorteile des Online-Shoppings mit dem Einkaufen in der Heimat kombinieren", sagt Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger ( Freie Wähler ). Der mittelständische Handel müsse sich der Digitalisierung öffnen, und online mit den Kunden kommunizieren.

    "Für uns geht jetzt die Entwicklungsarbeit los", sagt Ludewig, seines Zeichens auch Vorsitzender bei Pro Bad Kissingen . Bis zum Sommer soll das technische Grundgerüst für das Online-Portal " Bad Kissingen erleben" stehen. Der Verein hat die Werbeagentur Galano aus Schweinfurt mit der Ausführung beauftragt. Bis Herbst wird die Seite dann mit Daten befüllt.

    Zunächst sind das die rund 100 Mitglieder von Pro Bad Kissingen , danach soll das Portal mit allen Unternehmern aus dem Stadtgebiet erweitert werden. "Wir wollen alles zusammen. Wir wollen ein Produkt, das für die ganze Stadt gemacht ist", betont Ludewig. Bad Kissingens Stärke liege darin, dass es gerade in der Innenstadt eine sehr kleinteilige Gliederung der Händlerschaft und damit ein großes, unterschiedliches Angebot gibt. "Da gibt es auch viele versteckte Schätze, die ein fremder Besucher sonst gar nicht entdecken würde", sagt Ludewig. Die sollen aber auffindbar sein. Im Herbst ist eine Testphase eingeplant, spätestens im November und somit rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft soll " Bad Kissingen erleben" bereit sein.

    Die Homepage soll durch ein schlichtes, übersichtliches Design überzeugen, einfach zu bedienen sein und sowohl am stationären Rechner wie auch auf mobilen Geräten wie Tablets und Smartphones funktionieren. " Bad Kissingen erleben" soll nicht nur aktuelle Auskünfte zu den einzelnen Läden geben, sondern Besucher noch breiter informieren: Wo kann ich parken, welche Freizeittipps gibt es, welche Aktionen und Veranstaltungen finden gerade statt.

    Infos für Gäste und Einheimische

    "Wir wollen kein reines Geschäftsportal. Die Gäste sollen die Gesamtheit des Ortes erleben", betont Bollwein. Besonders wichtig ist deshalb die Rubrik Sehenswürdigkeiten. Hier sollen dem Gast Erlebnisrouten durch das Stadtgebiet vorgeschlagen werden, etwa zu Denkmälern oder zum Heilwasser. Auch eine Weltkulturerbe-Route ist denkbar, sollte Bad Kissingens Unesco-Bewerbung als Teil der Great Spas of Europe erfolgreich sein. "Die Möglichkeiten sind riesig", schwärmt Bollwein.

    Pro Bad Kissingen hatte 2001 bereits einen Shoppingführer unter dem Motto Bad Kissingen erleben aufgelegt, der vor allem in Hotels verteilt wurde. Zwar sind 250 000 Übernachtungsgäste jährlich ein großes Potenzial für die Innenstadt, der Stadtmarketingverein will aber noch zwei weitere Zielgruppen mit der Online-Plattform ansprechen: Die 190 000 Einwohner aus dem Kreis Bad Kissingen und dem benachbarten Rhön-Grabfeld sowie die Tagesgäste. Hier gibt es zwar keine belastbaren Zahlen, aber Ludewig schätzt, dass mehr Tages- als Übernachtungsgäste nach Bad Kissingen kommen. Vor allem das Rhein-Main-Gebiet sei ein wichtiges Einzugsgebiet.

    Eckdaten zum Projekt

    Modellprojekt Das Wirtschaftsministerium hat das Projekt zunächst von 2015 bis 2017 getestet und jetzt neu aufgelegt. Es werden acht Städte gefördert, darunter Bad Kissingen .

    Förderung Pro Bad Kissingen veranschlagt Projektkosten von 70 000 Euro. Bis zu 30 000 Euro werden vom Freistaat übernommen. Den Rest tragen Sponsoren und Verein. Größte Kostenstellen sind Entwicklung, Personal, laufende Kosten sowie Marketing.

    Benedikt Borst

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