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    Bad Kissingen

    Bad Kissingen: Stadtteil Nord-Ost hält zusammen

    Raphael und Kilian packen mit an. Rechts Thomas Weimar vom "Hortus Aphrodite Netzwerk" für biologische Vielfalt. Werner Vogel
    Raphael und Kilian packen mit an. Rechts Thomas Weimar vom "Hortus Aphrodite Netzwerk" für biologische Vielfalt. Werner Vogel

    Der Eimer ist schwer. Zu schwer für Raphael von der THW Jugend. Da packt eben Kilian mit an, und zu zweit schleppen die beiden Elfjährigen Erde im Garten des Rotkreuzhauses am Steingraben. Der Regen macht ihnen nichts aus, die Lehmbatzen an den Schuhen auch nicht. Mit Feuereifer sind sie bei der Sache und Philipp Kiesel, Ortsbeauftragter des THW, passt auf, dass seine Jungs sich nicht übernehmen.

    Wer Geheimrat Dr. Oldenburg ist, wissen die THW-ler nicht, aber Thomas Weimar, vom "Hortus Aphrodite Netzwerk" für biologische Vielfalt, erklärt am Pflanzloch, zu dem die Erde gebracht wird, dass sich die Bewohner des Viertels auch Obstbäume im Garten des "Mehr-Leben-Hauses" gewünscht haben. "Der jetzt noch kleine Baum wird später leckere gelb-grün-rote Apfel tragen, die nach dem Geheimrat genannt wurden" erklärt der Naturfreund.

    "Der Garten soll naturnah und insektenfreundlich gestaltet werden", erklärt Landschaftsarchitekt Jörg Saupe, als Baggerfahrer Armin Rüger einen Streifen für Magerflächen ausgehoben hat, der mit Ziegelbruch, Kalkschotter und wenig Erde den Lebensraum für die nicht alltägliche Vegetation bildet. Patricia Fiederling vom Jugendrotkreuz hat Gittersteine für ein Insektenhotel aufgeschichtet, ein Hochbeet wird noch entstehen und unter einem Sonnensegel soll eine große halbrunde Bank den Bewohnern der Tagespflege im Haus, zusammen mit den Einwohnern des Viertels, Teilhabe am sozialen Leben des Quartiers Nord-Ost ermöglichen.

    Die Zusammenführung von Anwohnern des Stadtteils mit dem Rathaus und seiner Verwaltung und dem Stadtrat, mit der privaten Wirtschaft, Vereinen und Organisationen, ist Aufgabe von Quartiersmanagerin Gabriele Scholder im Rahmen des Projekts "Soziale Stadt". Sie knüpft Fäden, bringt drei wichtige Persönlichkeiten mit Vornamen Alexander zusammen: Dr. Alexander Siebel, den BRK Kreisvorsitzenden, Alexander Kretz, der im Mehr-Leben-Haus die Bereiche Soziales und Pflege verantwortet und Stadtrat Alexander Koller vom Bürgerkreis Nord-Ost. Sie sorgen im Zusammenspiel mit Bürgern und Geschäften dafür, dass der "Kristallisationspunkt des Viertels", wie Oberbürgermeister Kay Blankenburg das Rotkreuzhaus nennt, attraktiv bleibt und die Bewohner des Stadtteils am Verbesserungsprozess teilnehmen können. So bietet auch die Volkshochschule jetzt Veranstaltungen und Kurse in den Räumen des Hauses am Steingraben an, wie VHS-Leiterin Gisela Schriek erklärt.

    Wer sich bei der Aufgabe als Netzwerkerin in einem Viertel, das sich nach Abzug der Amerikaner aus der Kaserne irgendwie orientierungslos vorkam, einen Bürojob am Schreibtisch vorstellt, kennt Gabriele Scholder nicht, die im Auftrag der Diakonie das Quartiersmanagement der Stadt Bad Kissingen verantwortet. Sie packt mit an, ist mitten im Geschehen, spricht sich mit den Helferinnen und Helfern ab, ist sich nicht zu schade, den Spaten in die Hand zu nehmen und erklärt, wo welche Sträucher und Pflanzen gesetzt werden. Sie vergisst auch nicht, den Sponsoren wie Gewo, Hellweg Baumarkt und umliegenden Geschäften zu danken und schüttelt Kaufland-Geschäftsführer Halil Ihtiyar die Hand, der die Brotzeit zu Mittag spendiert, damit der Rot Kreuz Gedanke, den Schwächeren zu helfen und gleichzeitig das Quartier zu beleben, nicht am zu kleinen Budget scheitert.

    Werner Vogel

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