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    Bad Kissingen

    Bad Kissingen: WIe die Stadt die Kläranlage am Laufen hält

    Abwasser reinigen, Müll entsorgen, Verstorbene bestatten, wichtige Behördengänge erledigen: Solche Dinge funktionieren auch während der Corona-Krise - nur anders.
    Abwassertechniker Jürgen Loose (rechtrs) und seine Kollegen arbeiten wegen der Corona-Krise in der Kläranlage in Wochenschichten. Foto: Benedikt Borst       -  Abwassertechniker Jürgen Loose (rechtrs) und seine Kollegen arbeiten wegen der Corona-Krise in der Kläranlage in Wochenschichten. Foto: Benedikt Borst
    Abwassertechniker Jürgen Loose (rechtrs) und seine Kollegen arbeiten wegen der Corona-Krise in der Kläranlage in Wochenschichten. Foto: Benedikt Borst

    Jürgen Loose kontrolliert die Wasserproben im Labor der Kläranlage. Bevor das Abwasser in die Saale eingeleitet werden kann, misst er wie hoch zum Beispiel die verbliebene Nitrat- und Nitritbelastung ist. "Da gibt es Grenzwerte, die nicht überschritten werden dürfen", erklärt er. Am Nachklärbecken setzt sich später der Klärschlamm ab. Beim abfließenden Wasser genügt dann eine Sichtprobe. Loose taucht einen Messbecher ein und prüft, ob das Wasser klar oder verunreinigt und trüb ist.

    Teil der kritischen Infrastruktur

    Heute passt alles, zumindest was die Wasserqualität angeht. Die Coronakrise wirkt sich allerdings auch auf die städtische Abwasserbeseitigung aus. Kläranlage, Kanalsystem, Abwasserpumpstationen gehören zur kritischen Infrastruktur. "Wird einfach ungeklärtes Wasser abgeleitet, kippen die natürlichen Gewässer", erklärt Betriebsleiter Alexander Pusch . Oder: Staut sich Abwasser in Häuser und auf Straßen zurück, weil es nicht abfließen kann - etwa weil eine Pumpstation defekt oder ein Kanal blockiert ist - ist das für die Betroffen gesundheitsgefährdend.

    Damit die Abwasserbeseitigung funktioniert, braucht es Mitarbeiter, die sie am Laufen halten. "Die Kläranlage ist zwar hochautomatisiert, aber sie ist nicht autark", sagt Pusch. Die Fachkräfte prüfen, ob die Sensoren richtig messen, sie werten die Ergebnisse aus und reagieren darauf. Der Abwasserbetrieb ist ganzjährig 24 Stunden am Tag in Bereitschaft. Das muss natürlich auch während der aktuellen Krise gewährleistet bleiben. Pusch: "Wir haben zwei Teams eingerichtet, die im Wochenwechsel getrennt voneinander arbeiten." Übergaben finden telefonisch oder schriftlich statt. So kommen die Teams nicht miteinander in Berührung. Sollte eines aufgrund von Corona-Infektionen ausfallen, wäre das andere weiter einsatzfähig.

    Hygienevorschriften verschärft

    Die Teams sind acht und neun Mann stark. Zu jedem gehören Fachkräfte für die Kläranlage, für die Kanalspül- und Kanal-Kamerafahrzeuge. Auch Elektrotechniker und Schlosser sind jeweils vertreten. Sie erledigen notwendige Reparaturen. "In der Reinigung arbeiten wir im Regelbetrieb, aber wir beschränken uns auf elementare Aufgaben", berichtet der Betriebsleiter. Externen ist aktuell der Zutritt auf das Gelände nur in dringenden Fällen gestattet. Die ohnehin geltenden hohen Hygienevorschriften, etwa für die Reinigung in den Einsatzfahrzeugen, wurden verschärft.

    Der Schutz von Bürgern und Beschäftigten vor Ansteckung habe bei der Stadt Bad Kissingen hohe Priorität. "Wir haben dem durch organisatorische Maßnahmen Rechnung getragen", sagt David Rybak, Leiter Bürgerservice und Entwicklung. Veranstaltungen wurden frühzeitig abgesagt, städtische Einrichtungen wie Bauhof, Bücherei und Museum sind spätestens seit der Ausgangsbeschränkung geschlossen. Auch im Rathaus ist der Publikumsverkehr ausgesetzt. Der Zugang zur Verwaltung ist telefonisch (0971/8070), online und per E-Mail unter info@badkissingen.de möglich. In dringenden Fällen können Termine vereinbart werden. Er betont: "Wir sind für den Bürger da." Gerade in Ausnahmesituationen sei eine leistungs- und arbeitsfähige Verwaltung ein wichtiges Signal für Stabilität.

    Was läuft trotz Corona?

    ? Müll: Zu den systemrelevanten Abteilungen der Stadtverwaltung gehört die Müllabfuhr. "Auch dort haben wir Teams eingerichtet, die im Wechselbetrieb arbeiten", erläutert Bürgerserviceleiter David Rybak. Bio- und graue Tonne werden regulär gefahren, Gelbe Säcke und die blaue Papiertonne ebenso. Altglascontainer werden geleert, Sperrmüll wird wie gewohnt nach Anmeldung abgeholt. Wem zuhause die gelben Säcke ausgehen, kann nach Absprache eine Rolle am Bauhof abholen.

    ? Bauamt: Die einzelnen Abteilungen im Rathaus arbeiten weiter. So können Bürger weiterhin Bauanträge stellen. Das Bauamt bearbeitet die Anträge, auch wenn die Verfahren aktuell laut Rybak länger dauern. "Wegen Krankheitsfällen ist die Bauaufsicht aktuell in eingeschränktem Maß handlungsfähig", sagt er.

    ? Standesamt: Standesamtliche Hochzeiten sind im kleinen Rahmen möglich, also mit Brautpaar, Trauzeugen plus Standesbeamten. "Hier arbeiten wir Termine ab. Neue Anträge werden aber vorerst nicht terminiert", berichtet Rybak. Hier wolle die Stadt den 19. April abwarten.

    ? Bestattungen: Beerdigungen werden aktuell am offenen Grab abgehalten, die Aussegnungshalle ist geschlossen. 15 Personen darf die Trauergemeinde groß sein, "wir empfehlen zehn Personen."

    ? Einwohnermeldeamt: In dringenden Fällen sind Besuche im Einwohnermeldeamt möglich. Rybak erklärt, dass abgelaufene Pässe derzeit keine dringenden Angelegenheiten darstellen. Um die Verlängerung können sich die Betroffenen nach Aufheben der Ausgangssperre kümmern. Aktuell werde es von der Regierung nicht als Ordnungswidrigkeit gewertet, wenn der Pass abgelaufen ist. "Das ist ausgesetzt", sagt er. In dringenden Fällen, etwa für notarielle oder gerichtliche Verfahren oder für unverschiebbare Auslandsreisen, stellt das Einwohnermeldeamt aber aktuelle Pässe aus. Und: "Es kann auch schon viel online beantragt werden", merkt Rybak an. Beglaubigte Abschriften und Beurkundungen zum Beispiel. Bürger werden gebeten, sich bei Fragen telefonisch oder schriftlich an die Stadt zu wenden. Im Gespräch wird festgestellt, ob ein direkter Termin notwendig ist.

    ? Stadtrat: Der Stadtrat tritt aktuell nicht zusammen. "In dringlichen Angelegenheiten hat der Oberbürgermeister das Recht nach der Gemeindeordnung, Eil-Entscheidungen zu treffen", erklärt Thomas Hack , Leiter der Öffentlichkeitsarbeit. Soweit es Beschlüsse durch ein Gremium braucht, kann ein Ferienausschuss einberufen werden. So eine Sitzung ist für Ende April angedacht. Dass der Stadtrat Beschlüsse schriftlich oder in Videokonferenzen fasst, ist nicht zulässig.

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    Benedikt Borst

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