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    LKR Bad Kissingen

    Bad Kissinger Kreistag: Selbst Jochen Vogel hört auf

    Fraktionsübergreifende Gespräche vor dem Brauhaus in der Weltkulturerbe-Stadt Goslar: Unser Bild zeigt (von links) den Oberthulbaer Bürgermeister Gotthard Schlereth (FW), Roland Limpert (PWG), die CSU-Bürgermeisterin Patricia Schießer aus Euerdorf, Ernst Stross (SPD ) und den Nüdlinger Bürgermeister Harald Hofmann (CSU).  Ralf Ruppert
    Fraktionsübergreifende Gespräche vor dem Brauhaus in der Weltkulturerbe-Stadt Goslar: Unser Bild zeigt (von links) den Oberthulbaer Bürgermeister Gotthard Schlereth (FW), Roland Limpert (PWG), die CSU-Bürgermeisterin Patricia Schießer aus Euerdorf, Ernst Stross (SPD ) und den Nüdlinger Bürgermeister Harald Hofmann (CSU). Ralf Ruppert

    Zwölf Bürgermeister, 31 Kreisräte und Vertreter der Verwaltung haben sich am Donnerstagmorgen auf den Weg in den Harz gemacht. Die Idee zum Ziel der letzten Kreistagsfahrt in der aktuellen Amtsperiode hatte Landrat Thomas Bold : "Im Herbst tagte der gemeinsame Forstausschuss des Landkreistages dort", berichtet er. Das Mittelgebirge habe viele Parallelen zur Rhön wie die Ausrichtung auf Tourismus und Naturschutz, viel Wald und einen großen Naturpark, aber eben auch viele neue Aspekte, wie Nationalpark, Weltkulturerbe oder einen Baumwipfelpfad. Für einige altgediente Kreisräte und Bürgermeister ist es heuer die letzte Kreistagsfahrt.

    Eine feste Größe bei den Kreistagsfahrten der vergangenen Jahrzehnte ist bereits jetzt schon nicht mehr dabei: Der vor kurzem in Ruhestand verabschiedete Abteilungsleiter Manfred Gerlach wurde von vielen Teilnehmern vermisst. Jürgen Metz und Thomas Schoenwald standen aber für Fragen an die Verwaltung zur Verfügung,

    Ralph Heinrich und Burkhard Lamer kümmerten sich um die Organisation. "Geplant haben wir das Programm vom Schreibtisch aus, aber im Mai bin ich dann alles abgefahren und habe geschaut, ob es machbar ist", berichtet Heinrich . Details habe er noch geändert, auf dem Baumwipfelpfad Bad Harzburg gab es aus Zeitgründen zum Beispiel keine Führung, sondern nur eine einfache Besichtigung.

    Einige Teilnehmer nutzten die Fahrt auch für Gespräche über die Wahlvorbereitung und als Entscheidungsgrundlage für die eigene politische Zukunft: "Wenn man sieht, wie gut die Kollegialität hier ist, gibt einem das vielleicht wieder einen Schub", sagt etwa Gotthard Schlereth ( FW/CBB). Der 64-Jährige hat sich selbst zwar seit längerem festgelegt, dass er als Bürgermeister in Oberthulba nicht mehr antritt, aber beim Kreistag steht die Entscheidung noch aus: " Ich bin noch in der Findungsphase", sagt Schlereth lachend.

    Treffen im September

    Auch FW/CBB-Fraktionssprecher Reimar Glückler (74) hat sich noch nicht endgültig entschieden, ob er noch einmal antritt: "Ich kann loslassen, aber ich fühle mich auch verantwortlich", fasst er das Dilemma zusammen. Seit fast 30 Jahren sitzt Glückler im Hammelburger Stadtrat, damit sei er der Dienstälteste, dem Kreistag gehört er seit 2002 an. Im September treffe sich die Führung der Freien Wähler und des CBB und stelle eine Liste zusammen. Wenn es genügend junge Bewerber gebe, trete er nicht mehr an, sagt Glückler.

    Viele andere haben sich dagegen bereits festgelegt: "Für mich ist das heuer die letzte Kreistagsfahrt", sagt zum Beispiel der Fuchsstädter Bürgermeister und CSU-Kreisrat Peter Hart . "Ich ziehe mich komplett zurück", legt sich der 65-Jährige fest. Einfach sei das nach Jahrzehnten im Gemeinderat, 18 Jahren als hauptamtlicher Bürgermeister und zwölf Jahren als Kreisrat nicht: "Sicher gibt es noch interessante Aufgaben." Zudem halte er sich auch aus allen Entscheidungen raus. Weil er mit mehreren Kandidaten für seine Nachfolge als Bürgermeister rechnet, wolle er auch keinen davon durch einen Vorschlag für den Kreistag bevorzugen.

    "Ich sehe mich verpflichtet, den Jungen Platz zu machen", sagt auch der ehemalige Wildfleckener Bürgermeister Walter Gutmann ( CSU ). Seit fast 36 Jahren sitzt er im Kreistag, unter Dyga, Neder und Bold war er stellvertretender Landrat. "Die Entscheidung fällt mir sehr, sehr schwer", gibt der 74-Jährige zu. Wichtig sei ihm, dass der Norden des Landkreises und vor allem seine Heimatgemeinde Wildflecken trotzdem gut im neuen Kreistag vertreten ist.

    Regionalproporz ist wichtig

    Der Regionalproporz spiele bei der Aufstellung der CSU-Liste eine wichtige Rolle, versichern Landrat Thomas Bold und Fraktionssprecher Siegfried Erhard . Die Partei nehme sich vor der eigentlichen Nominierungsversammlung vermutlich wieder einen ganzen Tag Zeit, um mit den Ortsverbänden die Verteilung der Listenplätze zu diskutieren. Neben der regionalen Verteilung ist es der CSU- Führung aber auch wichtig, Kandidaten aus allen Lebensbereichen aufzustellen. Bewerber gebe es auf alle Fälle deutlich mehr als die zur Verfügung stehenden 60 Plätze.

    Bold hat bereits öffentlich erklärt, dass er erneut als Landrat kandidieren will, Fraktionssprecher Erhard lässt es noch offen: "Im Moment tendiere ich dazu, nochmal anzutreten", sagt der 67-Jährige. Unentschieden äußert sich auch Bezirks-, Kreis- und Stadträtin Karin Renner . Die 71-Jährige entscheide in den nächsten Monaten, ob sie in der Stadt- und oder Landkreis- Politik weiter macht. Der Bezirkstag dagegen ist noch weitere vier Jahre im Amt.

    Das älteste Mitglied im Kreistag, Irmgard Heinrich (80) von der CSU , fühlt sich zwar noch fit, kandidiert aber auch nicht mehr. "Mir wird nicht langweilig", ist sie sich sicher und verweist auf zahlreiche Ehrenämter von den Jagdhornbläsern bis zum Frauenchor. Eines davon hätte sie fast von ihrer allerletzten Kreistagsfahrt abgehalten: Als Küsterin in Frankenbrunn müsste sie eine Hochzeit vorbereiten. "Aber ich habe mir Ersatz gesucht, damit ich mitfahren kann."

    "Das ist noch in der Schwebe", kommentiert Eugen Albert seine Zukunft im Kreistag. Auch nach 24 Jahren liegen dem ehemaligen Münnerstädter Bürgermeister und Lehrer viele Projekte am Herzen, allen voran der Neubau des Berufsbildungszentrums Münnerstadt. "Adenauer ist ja auch mit 73 noch Kanzler geworden", sagt Albert lachend. Auf alle Fälle würde er die sehr informativen Kreistagsfahrten bis nach Schweden vermissen, an denen er immer mit seiner Frau Anneliese kurz vor Ende der Sommerferien teilgenommen habe. Besonders schön an den Fahrten sei das fraktionsübergreifende Miteinander: "Beim Absacker am Abend fragt keiner nach schwarz, rot oder grün", betont Albert.

    Aber auch jüngere Kreisräte hören auf: "Nach aktuellem Stand trete ich nicht mehr an", sagt der Mottener CSU-Bürgermeister Jochen Vogel . Dass er als Ortsoberhaupt aufhört, hatte der 46-Jährige schon vor der Sommerpause mitgeteilt. Aus seiner Sicht sei es nur konsequent, dann außerdem den Platz im Kreistag zur Verfügung zu stellen.

    Roland Limpert von der PWG aus Zeitlofs dagegen zieht sich als Gemeinderat nach 24 Jahren zurück, will aber für den Kreistag erneut kandidieren. Er geht davon aus, dass alle PWG- Kreisräte aus dem Altlandkreis Bad Brückenau wieder antreten. "Nur Jürgen Pfister überlegt noch."

    Die Pläne der SPD

    Bei der SPD haben Ernst Stross und der stellvertretende Landrat Jürgen Englert ihrer Partei die Bereitschaft signalisiert, wieder zu kandidieren. Beide kümmern sich allerdings nicht um die Wahlvorbereitung. "Ich habe fast täglich mit der 1200-Jahr-Feier im kommenden Jahr zu tun", sagt Englert zur Begründung. Deshalb wissen sie auch nicht, wann die SPD den angekündigten Landratskandidaten präsentiert.

    Herausforderer für Bold

    Da sind die Grünen weiter: Ende September wird dort die Person benannt, die Thomas Bold herausfordert. Für 28. November ist dann die Nominierungsversammlung geplant. Die aktuellen Kreisräte wollen laut Monika Horcher alle wieder antreten.

    Manfred Dittmar als einer von zwei FDP-Kreisräten schließlich teilte bei der Kreistagsfahrt auf Nachfrage seinen Abschied aus dem Gremium mit. "Bei der Listenaufstellung halte ich mich raus", sagt der 71-Jährige, und: "Das ist Sache des neuen Kreisvorstandes."

    Ralf Ruppert

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