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    Bad Kissingen

    Bahnhof Bad Kissingen: Stellplätze gegen Radchaos

    Stadtrat Richard Fix (Grüne) setzt sich für einen attraktiven Radparkplatz am Kissinger Bahnhof ein. Foto: Benedikt Borst
    Stadtrat Richard Fix (Grüne) setzt sich für einen attraktiven Radparkplatz am Kissinger Bahnhof ein. Foto: Benedikt Borst

    Während Autofahrer am Bahnhof viel Platz haben, um ordentlich zu Parken, schauen Radfahrer in die Röhre. Ansprechende Unterstellmöglichkeiten für Fahrräder ? Fehlanzeige! Zwar gibt es abseits auf der hinteren Seite des Bahnhofs eine Hütte zum abstellen, die wird allerdings so gut wie nicht genutzt. Die meisten parken ihre Räder im Bereich zwischen den Bushaltebuchten und dem Zugang zu den Gleisen. Das geschieht nicht geordnet, sondern kreuz und quer. Polizei , Radfahrer und Zuggäste bemängeln die Situation. Auch Stadtrat Richard Fix (Grüne) würde lieber heute als morgen etwas unternehmen. "Mich hat immer gestört, dass die Fahrräder wild abgestellt werden. Das trägt nicht zur Attraktivität des Bahnhofs bei", sagt er.

    Fix hat bei der Verwaltung bereits vor elf Jahren beantragt, dass attraktive Unterstellmöglichkeiten geschaffen werden müssen, daraus ist allerdings nie etwas geworden. Jetzt unternimmt er im Namen der Ausschussgemeinschaft (Grüne/ödp/FDP) einen neuen Anlauf: Bund und Freistaat haben aktuell das Thema "Bike and Ride" für sich entdeckt und wollen den Ausbau von Radabstellplätzen vorantreiben. "Ziel ist, Bike and Ride-Anlagen als verlängerten Arms des ÖPNVs einzusetzen. Dafür gibt es Fördermittel", fasst Fix zusammen. Angesichts der neuen Rahmenbedingungen solle die Stadt die Chance nutzen, um einen Beitrag zu umweltfreundlicher Mobilität zu leisten.

    Auto auf kurzer Strecke ersetzen

    Das Bundesumweltministerium (BMU) misst dem Rad in der aktuellen Klimadebatte großen Wert bei. Nach Angaben des Ministeriums sind rund die Hälfte der städtischen Pkw-Fahrten unter fünf Kilometer lang. Pro Jahr könnten in Deutschland 7,5 Millionen Tonnen gespart werden, wenn die Menschen bei jeder dritten Fahrt unter sechs Kilometern nicht das Auto, sondern das Rad benutzen würden.

    Mehr Menschen für kurze Strecken aufs Rad bekommen. Hier setzt die Bike and Ride-Offensive von BMU und Deutscher Bahn an. Bis Ende 2022 sollen 100 000 neue Fahrradabstellplätze an deutschen Bahnhöfen entstehen. 40 Prozent der förderfähigen Kosten übernimmt der Bund. Auch der Freistaat hat das Thema in seinem Radverkehrsprogramm Bayern 2025 berücksichtigt. Das Verkehrsministerium will jährlich bis zu 4000 neue Radabstellanlagen schaffen. Die seien ein Schlüssel für vernetzten Verkehr und für nachhaltige Mobilität . "Jeder Radler, der mit dem Rad zum Bahnhof und dann in öffentliche Verkehrsmittel umsteigt, leistet einen wichtigen Beitrag zur Entlastung der Straßen", betonte Karl Schumacher vom Verkehrsministerium auf einer Fachtagung zum Thema im April.

    Das Kissinger Rathaus steht dem Antrag von Stadtrat Fix aufgeschlossen gegenüber. "Von der Sache her ist es gerechtfertigt, dass man sich darum kümmert", sagt Pressesprecher Thomas Hack . Es haben schon Begehungen stattgefunden, die Stadtplanung prüft die zur Verfügung stehenden Plätze, ob sie sich für Radabstellplätze eignen. Das Thema wird demnächst im Bauausschuss behandelt. Fix favorisiert die Grünfläche, um die die Busse herumfahren. Vorteile: Das Areal gehört der Stadt, ist gut gelegen, von der Straße her einsehbar und steht somit unter öffentlicher Aufsicht.

    Große Nachfrage von Kommunen

    Wie ein Sprecher der Deutschen Bahn mitteilt, hat die Stadt Bad Kissingen noch keinen Kontakt zu dem Unternehmen aufgenommen. Grundsätzlich werde die Bike and Ride-Offensive von den Kommunen aber sehr stark nachgefragt. "Allein aus dem Freistaat Bayern haben sich schon weit über 100 Kommunen hierzu bei uns angemeldet", sagt der Sprecher.

    Das Programm ist auf das Bahnhofsumfeld zugeschnitten. Damit eine Kommune in den Genuss der Förderung kommt, sind mehrere Voraussetzungen richtungsgebend: Das Areal soll möglichst nicht überdacht sein, Flächen sollten vorhanden, versiegelt und beleuchtet sein. 100 bis 200 Quadratmeter werden benötigt. Die Kosten für ein Projekt müssen mindestens 25 000 Euro betragen.

    Benedikt Borst

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