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    Sulzthal

    Bauplatzboom trotz Leerständen

    Am Ortsrand von Sulzthal lässt die Gemeinde derzeit 28 Baugrundstücke erschließen.Foto: Arkadius Guzy

    Es ist derzeit eine der größten Baugebietserweiterungen im Altlandkreis Hammelburg: In Sulzthal entstehen 28 neue Baugrundstücke .

    Die Erschließung des Abschnitts Haiger II soll laut Bürgermeister August Weingart ( CSU /Wählergemeinschaft) im September oder Oktober beendet sein. Nachdem bis Ende Juli die Arbeiten am Kanal und den Wasseranschlüssen geplant waren, folgt ab August die Verlegung der Leitungen für Strom, Gas und Breitband-Internet.

    Ursprünglich sollten 19 Grundstücke erschlossen werden. Da die Nachfrage gestiegen ist, wurde der Bauabschnitt noch einmal um neun Grundstücke erweitert, wie Weingart erklärt.

    Er spricht aktuell von rund 15 Interessenten, zumeist von außerhalb. Es gebe bereits sieben bis acht Reservierungszahlungen. Die Parzellen sind zwischen 600 und 1100 Quadratmeter groß. Ein Käufer muss sie innerhalb von drei Jahren bebauen. Laut Weingart kostet die Erschließung allein der 19 Grundstücke rund eine Million Euro . Der Bürgermeister spricht von einer "Anstrengung für den Haushalt".

    Sulzthal ist nicht allein. In zahlreichen Kommunen wird über neue Baugebiete oder die weitere Erschließung bestehender Neubauflächen nachgedacht. "Man kann sich dem Druck nicht verweigern", sagt Peter Hart ( CSU /UWG), Bürgermeister von Fuchsstadt. Es sei nun mal so, dass nach Bauplätzen für junge Leute gefragt werde.



    Daher soll im kommenden Jahr der vierte Erweiterungsabschnitt des Neubaugebiets Hinterm Turm folgen. Ab Ende 2019, so die Vorstellung von Hart, könnte der Verkauf der 21 Bauplätze beginnen. Dafür gebe es bereits 30 Interessenten.

    "Die Entwicklung im Altort haben wir nie aus den Augen verloren", sagt Hart. Fuchsstadt hat das Glück, dass kaum Leerstände im Ortskern zu verzeichnen sind. In anderen Gemeinden sieht das ganz anders aus.

    Die Innenortsentwicklung, die Belebung leerstehender Bausubstanz in den Ortskernen, ist eines der wichtigsten Gründungsmotive für die kommunale Allianz"Fränkisches Saaletal". In ihr sind die Kommunen Hammelburg, Oberthulba, Wartmannsroth, Elfershausen, Fuchsstadt, Aura, Euerdorf, Ramsthal und Sulzthal zusammengeschlossen.

    "Grundsätzlich gilt in der Allianz das Motto Innenentwicklung vor Außenentwicklung", sagt Armin Warmuth ( CSU ). Der Hammelburger Bürgermeister ist zugleich Vorsitzender der Allianz.
    Warmuth verweist gleichzeitig auf die Gestaltungshoheit jeder einzelnen Kommune. Die jetzigen Erweiterungen gingen außerdem großenteils auf jahrealte Planungen zurücke - aus der Zeit vor der Allianz also.

    So wurde das Baugebiet Haiger in Sulzthal mit seinen mehreren Abschnitten im Jahr 2001 konzipiert. Der Bebauungsplan datiert auf diese Zeit. Auch die Ursprünge des Neubaugebiets Hinterm Turm reichen zehn Jahre in die Vergangenheit.

    Gleichwohl haben die Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden in der jüngsten Allianzsitzung beschlossen, sich künftig noch intensiver über Ausweisungsvorhaben gegenseitig zu informieren und abzustimmen. Die Allianzgemeinden halten ein Förderprogramm parat, um die Nutzung leerstehender Bausubstanz in den Ortskernen attraktiver zu machen. Das Programm läuft Ende des Jahres aus, wie Allianzmanager Holger Becker informiert. Es soll allerdings erneut angeboten werden - eventuell mit Veränderungen.

    Die Diskussion in den einzelnen Gemeinden findet gerade statt. Es gibt die Befürchtung, dass das Programm nur Mitnahmeeffekte auslöst, fasst Bürgermeister Jürgen Karle (FWG) die Debatte im Gemeinderat von Wartmannsroth am vergangenen Donnerstag zusammen. "Es sollten aber Leute dazu motiviert werden, alte Bausubstanz zu nutzen, die vorher nicht daran gedacht haben", sagt Karle.

    So kursiert in der Allianz zum Beispiel die Idee, Abrisskosten zu fördern. Denn diese können mit mehreren Tausend Euro zu Buche schlagen, was alte Gebäude unattraktiv macht. Oder: Gemeinden nutzen das Geld gleich selber, um Anwesen zu kaufen und abzureißen.

    Die Allianz hat den Kommunen Hammelburg, Elfershausen, Aura, Sulzthal und Ramsthal zudem empfohlen, eine Vorkaufssatzung für Grundstücke zu verabschieden, um zu verhindern, dass Eigentümer Flächen horten. Denn zahlreiche Grundstücke stehen unbebaut. Von 45 freien Bauplätzen in privater Hand spricht Hart für Fuchsstadt. Doch die Eigentümer wollen nicht verkaufen. Auch in anderen Gemeinden werden Grundstücke teilweise schon in zweiter Generation frei gehalten. Das ist zum Beispiel für Euerdorf ein Grund, über ein neues Baugebiet nachzudenken. Teilweise haben Eigentümer auch unrealistische Preisvorstellungen .

    Bei einer Umfrage im Jahr 2016 erfasste die Allianz 729 Baulücken, wobei nur für 85 Verkaufsbereitschaft signalisiert wurde. Von 275 leerstehenden Gebäuden standen nur 49 zum Verkauf. Letztlich verkauft wurden 14 Bauparzellen und zwölf Anwesen.

    Dabei kündigt sich schon das nächste Problem an, wie in der Allianzsitzung angemerkt wurde: Häuser aus den 1970er Jahren. Warmuth berichtet: Die Zwei-Familien-Häuser sind heutzutage häufig nur noch mit ein, zwei Personen bewohnt.

    Zuschuss Die Kommunen der Allianz "Fränkisches Saaletal" bieten für die Sanierung leerstehender Gebäude finanzielle Unterstützung. Bisher gibt es bis zu 10 000 Euro . Dazu kommt ein Bonus für Kinder und fünf Stunden Bauberatung durch einen Architekten.

    Investition Nach Angaben der kommunalen Allianz sind bisher 88 Anträge gestellt worden. Davon wurden 83 bewilligt und 31 ausgezahlt. Inklusive Bauberatung haben die Mitgliedsgemeinden dafür insgesamt 273 000 Euro investiert. Der durchschnittliche Auszahlungsbetrag liegt bei fast 9000 Euro . Hochgerechnet auf alle bewilligten Anträge entspricht das einer Fördersumme von rund 730 000 Euro . Arkadius Guzy

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