• aktualisiert:

    Münnerstadt

    Bauplatzmangel trotz unbebauter Bauplätze

    Wer in der Münnerstädter Kernstadt einen Bauplatz sucht, tut sich schwer, obgleich es unbebaute Grundstücke reichlich gibt.
    Zahlreiche Bauplätze, die in Münnerstadt in privater Hand sind, werden seit Jahren nicht bebaut.: Heike Beudert       -  Zahlreiche Bauplätze, die in Münnerstadt in privater Hand sind, werden seit Jahren nicht bebaut.: Heike Beudert
    Zahlreiche Bauplätze, die in Münnerstadt in privater Hand sind, werden seit Jahren nicht bebaut.: Heike Beudert

    20 Anträge für den Bau eines neuen Wohnhauses lagen im Jahr 2019 zur Prüfung im städtischen Bauamt. Das waren fünf mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl offenbart allerdings ein Problem nicht: Viele Bauwillige, die sich vor allem in der Kernstadt den Traum vom eigenen Wohnhaus verwirklichen möchten, müssen sich anderweitig umsehen. Es gibt zu wenige Bauplätze im Grünen auf dem Markt.

    Die Stadtverwaltung selbst kann aktuell keinen einzigen Bauplatz mehr in der Kernstadt verkaufen. Größere Neuausweisungen hat es in jüngster Zeit nicht mehr gegeben. Und diejenigen Bauplätze, die noch ausgewiesen wurden, um kurzfristig für Entlastung sorgen sollten, waren schnell weg.

    Bleibt also nur der freie Markt. Doch der ist laut Jahresbericht des städtischen Bauamtes auch so gut wie nicht existent. Das Dilemma: Bebaubare Grundstücke wären eigentlich in Münnerstadt in ausreichender Zahl vorhanden. Doch sie liegen brach. "Keine Bauabsicht erkennbar", heißt es dazu im Jahresbericht. Oftmals stehen sie auch nicht zum Verkauf.

    Aus der Statistik des Bauamtes geht hervor: Insgesamt liegen 37 Bauplätze in der Kernstadt brach; sie sind erschlossen und wären sofort bebaubar. Besonders auffallend ist dies in den älteren Baugebieten, die erschlossen wurden, als der Stadtrat noch nicht das sogenannte Burghäuser Modell anwandte. Dieses Konzept erschließt erst dann Bauland, wenn die dort liegenden Grundstücke weitgehend von der Stadt aufgekauft werden und dann auch über die Verwaltung vermarktet werden.

    Landauf, landab seien brachliegende, erschlossene Grundstücke ein Problem, weiß geschäftsleitender Beamter Stefan Bierdimpfl. "Die Steuerungsmöglichkeiten sind sehr eingeschränkt", erklärt er dazu. Bei den älteren Erschließungsgebieten gibt es auch meist keine Klausel, dass Grundstücke binnen einer bestimmten Frist bebaut sein müssen. Möglich sei, dass die geplante Grundsteuer C dem Stadtrat ein Steuerelement an die Hand gebe.

    So bleiben viele Grundstücke ungenutzt. Das lässt sich aus der städtischen Statistik ablesen. In regelmäßigen Abständen würde bei den Grundstückseigentümern nachgefragt, ob eine Verkaufs- bzw. Bauabsicht besteht, erläutert Stefan Bierdimpfl. Meistens sind die Grundstücke nicht zu haben.

    Die Bauplatznot hat auch Niklas Schmitt zu spüren bekommen. "Prinzipiell wären wir gerne nach Münnerstadt zurückgekommen", erzählt der Wahl-Münchner, der sich in diesem Jahr auf Bauplatzsuche begeben hatte. Denn mittelfristig möchten er und seine Lebensgefährtin zurück in die Region. Eine Nachfrage bei der Stadt verwaltung habe aber ergeben, dass es aktuell im Kernstadtgebiet keine über die Stadt verfügbaren Bauplätze gibt. Und die Auskunft sei gewesen, dass sich dies perspektivisch auch nicht ändern werde. So hat sich Niklas Schmitt in der Region umgeschaut und ist in Strahlungen fündig geworden.

    Bürgermeister Helmut Blank bestätigt, dass für die Kernstadt keine Neuausweisungen vorgesehen sind. Blank verweist auf münnerstadtnahe freie Grundstücke im Neubaugebiet Malbe in Althausen und im kürzlich erschlossenen Wohngebiet Langgutsberg IV. Neue Bauplätze wird es ab 2020 auch in Reichenbach geben.

    Seit zehn Jahren existiere bereits ein Stadtratsbeschluss, dass in der Kernstadt die Belebung der Altstadt Vorrang habe, erläutert Blank. Das soll künftig noch forciert werden durch ein Förderprogramm "Innen statt Außen". Es gebe Bestrebungen, dass der Stadtrat sich für dieses Programm entscheidet. Damit würde der Erwerb von Eigentum in der Innenstadt attraktiver gemacht, so Blank; Neuausweisungen von Baugebieten würden dann aber noch schwieriger, meint Blank. Der Stadtrat sehe in dem Programm darin eine Chance für die Innenstadt. Denn bislang waren nach persönlicher Auffassung Blanks die Bemühungen noch nicht mit dem gewünschten Erfolg gekrönt. Als Beispiel nennt er die Grube.

    Ausweichen aufs Umland

    So kommt es, dass Bauwillige aufs Umland ausweichen. "Die Gemeinden agieren unheitlich", sagt Blank. Trotz hohem Flächenverbrauch würde dort oftmals neues Bauland ausgewiesen. Er nennt die Nachbargemeinden Burglauer, Niederlauer oder Bad Bocklet. Wer flächensparend agiere, sei im Nachteil.

    Flächenschonend verhält sich die Stadt allerdings bislang nur in der Kernstadt. Helmut Blank verweist darauf, dass in den Ortsteilen neue Bauplätze entstanden seien, beispielsweise in Althausen, in Reichenbach oder Großwenkheim.

    Wenn in der Kernstadt kein neues Bauland ausgewiesen werden soll, müsse man versuchen, einen Ausgleich auf den Ortsteilen zu schaffen, so Blanks Argument. 2020 soll deshalb in Burghausen wieder ein Baugebiet erweitert werden.

    Helmut Blank ist zudem der Überzeugung, dass auch private Bauplätze in der Kernstadt zum Verkauf stünden, wenn von den Interessenten Preise, wie sie im Umland üblich sind, akzeptiert würden.

    Ob die geplante Grundsteuer C ein Mittel dazu ist, dass bebaubare private Grundstücke schneller verkauft werden, bezweifelt Helmut Blank jedoch. Wichtiger wäre seiner Meinung nach, unbebaute, erschlossene Grundstücke auch in die Gebühren für Kanal und Wasser einzubeziehen. Denn die Stadt halte für die Grundstücke Leitungen parat, die genauso kaputt gingen wie bei bebauten Flächen.

    Private Bauplätze, die nicht bebaut und ohne für die Stadt erkennbare Bauabsicht sind, gibt es aber nicht nur in der Kernstadt, sondern vor allem auch in den Ortsteilen reichlich. Insgesamt nennt die Stadtverwaltung 47 solcher Grundstücke . Besonders viele Flächen werden für Reichenbach (14), den Langgutsberg II in Großwenkheim (12), in Brünn (8) sowie in Seubrigshausen (5) genannt.

    In Wermerichshausen , Windheim, und Seubrigshausen gibt es weitere unbebaute, aber erschlossene Grundstücke sowohl in städtischer, als auch in privater Hand.

    Zwei Mal wöchentlich bequem per E-Mail:
    Abonnieren Sie jetzt den kompakten Bad Kissingen-Newsletter!

    Heike Beudert

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!