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    Hammelburg

    Bebaubar, aber nicht erschlossen

    Der Bauboom hält an: Der Stadtrat genehmigte einstimmig Ausnahmen von Bebauungsplänen, stellte aber auch Schwächen in der Bauleitplanung fest. Die Hammelburger "Aldi"-Filiale soll erweitert werden.
    Keine Einwände hatte der Stadtrat gegen ein Bauvorhaben am Kohlbrunnen: Auf einem Grundstück hinter dem Postamt soll ein Wohnhaus entstehen. Unklar ist jedoch, ob weitere Grundstücke zwischen Postamt und Bahnschiene dann überhaupt noch erschließbar sind. Foto:  Ralf Ruppert       -  Keine Einwände hatte der Stadtrat gegen ein Bauvorhaben am Kohlbrunnen: Auf einem Grundstück hinter dem Postamt soll ein Wohnhaus entstehen. Unklar ist jedoch, ob weitere Grundstücke zwischen Postamt und Bahnschiene dann überhaupt noch erschließbar sind. Foto:  Ralf Ruppert
    Keine Einwände hatte der Stadtrat gegen ein Bauvorhaben am Kohlbrunnen: Auf einem Grundstück hinter dem Postamt soll ein Wohnhaus entstehen. Unklar ist jedoch, ob weitere Grundstücke zwischen Postamt und Bahnschiene dann überhaupt noch erschließbar sind. Foto: Ralf Ruppert

    Die Stadt zieht weiter Bauwillige an: Nachdem der Bauausschuss gleich in seiner ersten Sitzung Mitte Juni 15 Bauanträge im gesamten Stadtgebiet gebilligt hatte, kamen in der jüngsten Stadtratssitzung weitere fünf dazu. Für alle gab es einstimmig das gemeindliche Einvernehmen, obwohl der Stadtrat gleich mehrere Punkte ausführlich diskutierte: Einige Stadträte forderten, alte Bebauungspläne zu überarbeiten, und Stadtbaumeister Detlef Mohr berichtete, dass es zum Teil Grundstücke gibt, die zwar theoretisch bebaubar, aber bis heute nicht erschlossen sind.

    21 Bebauungspläne alleine für die Kernstadt listet die Homepage der Stadt auf. Trotzdem gibt es noch viele weiße Flächen in den Karten, längst nicht für alle bebauten Bereiche bestehen konkrete Vorgaben. Dort muss die Stadt im Einzelfall prüfen, was auf dem Grundstück gebaut werden darf. In diese Kategorie fielen zwei der fünf am Montag behandelten Bauanträge : Durch die Neuordnung von Grundstücken hat ein Bauherr einen Bauplatz an der Zufahrt zum ehemaligen "Temco"-Gelände geschaffen. Unmittelbar angrenzend an das Baugebiet "Thulbafeld" soll nun ein Einfamilienhaus mit Doppel-Carport und Photovoltaikanlage entstehen. Mohr bezeichnete das Vorhaben als "klassische Nachverdichtung" und befürwortete den Antrag. Dem schloss sich der Stadtrat einstimmig an.

    Vorbildliche Innenentwicklung

    Als "Innenentwicklung, wie wir sie uns vorstellen", bezeichnete Bürgermeister Armin Warmuth ( CSU ) die Pläne für einen Ersatzneubau mitten in Untereschenbach. Ein seit Jahren leer stehendes Gebäude nahe der Zentgrafen-Halle soll abgerissen und auf dem historischen Gewölbekeller ein Neubau errichtet werden. Das Projekt sei "gestalterisch gut gelöst" und "eine Bereicherung für den Ortskern", betonte Mohr. Das künftige Gebäude sei auf Grund neuer Raumhöhen insgesamt etwas höher als der Bestand. Wie bereits die Nachbarn stimmte auch der Stadtrat zu.

    Eine "Überraschung" hat der Stadtbaumeister nach eigenen Worten erlebt, als er sich mit einem Bauantrag für die Straße "Am Kohlbrunnen" beschäftigte: "Dort wurde irgendwann über einen Bebauungsplan Baurecht geschaffen, aber es gibt bis heute keine Erschließung." Hinter dem Postamt soll auf einem Grundstück zusätzlich zu einer bestehenden Garage ein zweigeschossiges, fast quadratisches Wohnhaus ohne Keller entstehen. Den Abweichungen vom Bebauungsplan "Am Postamt " (flachere Dachneigung und Walmdach mit veränderter First-Richtung) stimmte das Gremium schnell zu, diskutiert wurde aber über die Konsequenzen: Nach Meinung mehrerer Stadträte seien dann die dahinter liegenden Grundstücke nicht mehr bebaubar.

    Der Stadtbaumeister verwies darauf, dass der Bebauungsplan aus dem Jahr 1992 eine Erschließung über den bisherigen Fußweg westlich des Postamtes vorsieht. Mohr betonte jedoch, dass die geplante Stichstraße mit Wendehammer nur durch eine Neuordnung der Grundstücke möglich sei. Durch das jetzt geplante Wohnhaus werde also "nichts verbaut". Deshalb stimmte auch der Stadtrat zu.

    Forderung nach mehr Begrünung

    Für ein anderes Vorhaben ändert die Stadt derzeit den Bebauungsplan "Sportzentrum": Der Discounter " Aldi " will dort seine Verkaufsfläche von aktuell 935 auf 1156 Quadratmeter erweitern. Dafür werden die Vorbauten mit Gegen-Giebel an der Ostseite zurückgebaut und ein Anbau errichtet. Eine längere Diskussion lösten die Vorgaben für das geplante Flachdach aus: "Wir haben die Auflage gemacht, dass es mindestens bekiest, am besten begrünt wird", berichtete Mohr.

    Das ging aber mehreren Stadträten nicht weit genug: Rita Schaupp ( SPD ) etwa forderte, dass in Zukunft alle Flachdächer begrünt werden sollten.

    "Da will ich mich nicht drauf einlassen", verwies Bürgermeister Warmuth jedoch darauf, dass das rechtlich in den meisten Baugebieten nicht durchsetzbar sei. Schaupps Forderung, die Bebauungspläne entsprechend zu ändern, bremste die Verwaltung aus: "Schnell ist das nicht zu machen", stellte Mohr klar. Gerade bei Gewerbeflächen gebe es oft Einsprüche. Deshalb plädierte der Stadtbaumeister dafür, die Begrünung dort einzufügen, wo sowieso Änderungen anstehen. Warmuth forderte möglichst großzügige Regelungen, denn: "Wir sind froh über jeden, der baut." Der Stadtrat stimmte am Ende einstimmig für den Bauantrag von Aldi sowie die öffentliche Auslegung des geänderten Bebauungsplanes .

    "Die Ansprüche sind heute ganz anders", kommentierte der Stadtbaumeister die beantragten Befreiungen vom 1987 zuletzt geänderten Bebauungsplan "Am Rod". Dort soll auf einem Grundstück, auf dem bisher nur eine Garage steht, ein Wohnhaus mit zwei weiteren Garagen entstehen. Das nur 20 Grad steile Dach und eine höhere Wand des Vorbaus seien "städtebaulich in Ordnung". Der Stadtrat erteilte die Befreiungen und das gemeindliche Einvernehmen.

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    Ralf Ruppert

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