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    Bad Kissingen

    Beginn des Bad Kissinger Kabarettherbst mit Frederic Hormuth

    Frederic Hormuth beim Kissinger Kabarettherbst 2019. Klaus Werner
    Frederic Hormuth beim Kissinger Kabarettherbst 2019. Klaus Werner

    Und um es vorab zu sagen: Es war ein guter Einstieg, denn Frederic Hormuth überzeugte mit wortgewandtem Sarkasmus, ergänzt durch tiefsinnige Lieder.

    Zwei Jahrzehnte Bühnenerfahrung, mehrfach ausgezeichnet und doch nicht so präsent in den einschlägigen TV-Formaten - Frederic Hormuth bewies, dass auch abseits der "Kabarett-Elite" tolles Polit-Theater existiert. "Bullshit ist kein Dünger" heißt sein Programm, und in der Ankündigung wurde als "Buzzer" bezeichnet, wer mit einem roten Notfallknopf die rasante Maschinerie unseres Alltags anhält. Der Schlag auf den Notfallknopf kam auch, doch der Tontechniker wurde wohl davon überrascht, so dass einige Nachschläge notwendig waren, um den medialen Katastrophen-Wirrwarr zu stoppen. Das war zwar so nicht geplant, aber dann doch irgendwie sinnbildlich dafür, dass wir unseren hyperventilierenden Alltag nicht mehr mit einem Schlag auf den Notfallknopf anhalten können.

    Überhaupt nutzte Frederic Hormuth die Kraft der Bilder, die er mit seinen satirischen, teils bissigen Analysen in den Köpfen der knapp 200 Gäste im Rossini-Saal entstehen ließ: "Haben Sie das Bild", lautet seine Frage, wenn er Putin auf Friedrich Merz projeziert und diesen "mit nacktem Oberkörper im Speedboot über die Spree" zum Kanzleramt düsen lässt - und nachdenklich ergänzt: "AKK kann ich mir nicht vorstellen."

    Nicht nur das ist für ihn Bullshit, den er mit "ablenkenden Schwachsinn" übersetzt. Dabei sieht er natürlich, dass "die Welt zu erklären immer komplizierter wird, dagegen wird Bullshit produzieren immer einfacher - das Netz hilft dabei".

    Und welche Macht das Netz hat, belegt er mit einem einfachen Beispiel: "Das Netz ist wie ein Ventilator, auf den Scheiße fällt - haben Sie das Bild!?" Und: "Wer heute sein Essen vorher nicht fotografiert und postet, gilt als essgestört!"

    Sozialkritisch und nachdenklich zeigt er sich, wenn er in sarkastischer Manier gesellschaftliche Missstände aufgreift. "Zehn Prozent der Ärmsten leben zehn Jahre weniger als zehn Prozent der Reichsten." Auch für Nichtmathematiker sei dies einfach zu merken: "Nur drei mal die Zehn!"

    Politisch kann der Kabarettist aus Heppenheim auch, wenn er zum Beispiel im US-Präsidenten Donald Trump nur einen Strohmann für erzkonservative US-Milliardäre mit Interesse in der Rüstungsindustrie sieht oder mit Blick auf Bernd Höcke urteilt, dass es keinen "Faschismus light" gibt.

    Hormuths Bullshit-Analyse ist ein veritabler Ritt durch eine große Bandbreite an Themen, vom "Fachkräftemangel", dem man mit entsprechender Bezahlung und qualifizierter Ausbildung begegnen könne, über die "Krankenhauskeime", denn jeder Fastfood-Stand sei keimfreier als ein Krankenhaus, bis hin zu den "Handyfunklöchern", für deren Erkennen man keine APP benötige, sondern nur in die Gesichter der handyabhängigen Kids schauen müsse.

    Ergänzt wurden seine Themen durch den Liedermacher Frederic Hormuth, der am Klavier sitzend und mit angenehmer Tonlage dem Reichsbürger Rüdiger eine Stimme gab, einen Schlager als "Verbrennungsanlage für Bullshit" zum besten gab oder "Honigbrot für alle" einforderte. "

    Enttarnt die Bullshiter" lautete deshalb auch seine Aufforderung am Ende. Applaus nicht nur für diese Feststellung, sondern auch für Hormuths Einschätzung, dass Bullshit "toxischer Sondermüll" sei, vor dem man sich durch mentale Abwehr schützen sollte.

    Klaus Werner

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