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    Bad Kissingen

    Benefiz-Brunnenfest für Krebspatient Richard Freibott

    Bei Richard Freibott und Ulrike Dempsey hat sich ein Aktenberg aus dem Rechtsstreit angesammelt.  Benedikt Borst
    Bei Richard Freibott und Ulrike Dempsey hat sich ein Aktenberg aus dem Rechtsstreit angesammelt. Benedikt Borst

    In einem Ort wie Steinach kennen sich die Alteingesessenen. "Der Richard war immer eine treue Seele. Er hat viel für den Verein gemacht", sagt Rudi Schultheis. Schultheis ist Wiedergründungsmitglied und Ehrenvorsitzender des Rauchclubs Blaue Wolke. Richard Freibott ist ebenfalls seit vielen Jahren Mitglied in dem Verein. Bis heute ist der 68-Jährige aktiv - trotz seiner schweren Prostatakrebserkrankung und trotz des Rechtsstreits , den Freibott deshalb mit seiner Krankenkasse führt. Freibott habe immer versucht, seine privat schwierige Lage aus dem Vereinsleben herauszuhalten. "Er hat immer vorwärts geschaut und hat nie den Kopf hängen lassen", findet Schultheis.

    Am Samstag organisiert der Rauchclub sein jährliches Brunnenfest am Rathausplatz. Um Freibott zu helfen, will der Verein den Erlös spenden. Man wolle dem Kameraden die Hand reichen. "Wir wollen helfen, dass er Mut kriegt und dass er merkt, dass wir hinter ihm stehen", sagt der Ehrenvorsitzende. Schultheis betont, dass der Rauchclub sich immer wieder für die Allgemeinheit eingesetzt hat. Für das Benefiz-Brunnenfest hofft Schultheis, dass sich Bevölkerung den Verein nun nicht im Stich lässt. "Wir haben alle Vereine im Ort angeschrieben. Wir hoffen, dass sie uns unterstützen", sagt er.

    Kranken- und Streitgeschichte

    Zum Hintergrund: 2013 haben die Ärzte einen weit fortgeschrittenen Prostatakrebs bei dem Steinacher diagnostiziert. Die Lebenserwartung wurde damals mit nur sechs Monaten angeben. Freibott wurde palliativ behandelt. Weil sie keine andere Möglichkeit mehr sahen, entschieden sich er und seine Lebensgefährtin Ulrike Dempsey dazu, neue Behandlungen auszuprobieren, die (noch) nicht zum offiziellen Leistungskatalog der Krankenkassen gehören. Um die Therapien zu finanzieren, löste er seine Lebensversicherung auf und sie nahm einen Kredit auf. Mit Erfolg: Freibott ist entgegen aller Prognosen noch am Leben. Zudem sind die vormals weit gestreuten Metastasen laut der letzten Untersuchung aktuell nicht mehr vorhanden.

    Die AOK Bayern weigert sich, die Kosten zu übernehmen, weil die Therapien nicht zum Leistungskatalog gehören. In Ausnahmefällen ist eine Kostenübernahme bei tödlichen Krankheiten möglich. Dafür gelten gewisse Kriterien, unter anderem muss die Therapie erfolgversprechend und der Patient austherapiert sein. Die Kasse argumentiert, dass insbesondere letzteres nicht vorliege. Der Versicherte habe noch andere Behandlungsoptionen gehabt. Freibott wiederum weist das entschieden zurück: Bis zu dem Zeitpunkt als er sich für die alternativen Therapien entschied, seien ihm keine leitliniengerechte Behandlungsoptionen aufgezeigt worden.

    Schwierige finanzielle Situation

    Dem Rechtsstreit zwischen Freibott und AOK sind zwei Hauptverfahren anhängig. Insgesamt geht es um Kosten von mehr als 30 000 Euro. Im ersten Verfahren hat Freibott im November die Berufungsverhandlung vor dem Landessozialgericht verloren. Wie Dempsey berichtet wurde Nichtzulassungsbeschwerde eingereicht, die aktuell beim Bundessozialgericht zur Prüfung liegt. Im zweiten Verfahren hat das Sozialgericht Würzburg im Mai die Klage ebenfalls zurückgewiesen. Der Richter hatte zuvor allerdings einen Vergleich vorgeschlagen, um den Streit zu beenden. Darauf ließ sich die Kasse jedoch nicht ein.

    Nachfrage bei der AOK warum. Die Kasse zeigt sich unerbittlich und beschränkt sich auf das formal Juristische. Das Gericht habe bestätigt, dass Freibott nicht austherapiert war. "Das Sozialgericht bestätigte damit auch, dass die AOK Bayern die Kosten für die Behandlung [...] nicht übernehmen durfte", schreibt Sprecher auf Nachfrage.

    Dempsey und Freibott wollen das Urteil anfechten. "Wir arbeiten gerade an der Berufungsbegründung", sagt Dempsey. Im Moment ist der Gesundheitszustand zwar gut, "aber das ist keine Gewährleistung, dass der Krebs nicht mehr zurückkommt", sagt Freibott. Für April 2020 ist die nächste größere Untersuchung in der behandelnden Klinik angesetzt. Dann entscheidet sich, ob eine neue Behandlung notwendig ist. Wie die bezahlt werden soll, weiß der Krebspatient allerdings noch nicht.

    Benefiz-Brunnenfest

    Termin Der Rauchclub organisiert am Samstag, 13. Juli, das Brunnenfest am Rathausplatz in Steinach. Beginn ist um 14 Uhr. Für Musik sorgt die "Promi Band" aus Bad Königshofen. Es gibt eine Tombola (erster Preis ist ein Porsche-Wochenende), Kinderschminken und Ponyreiten.

    Spenden Der Rauchclub hofft auf Unterstützung aus der Bevölkerung. Spenden sind möglich an die Bankverbindung: RC Blaue Wolke - Spendenkonto, IBAN: DE13 7906 5028 0104 0045 23.

    Benedikt Borst

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