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    Bad Kissingen

    Bildung braucht mehr Bandbreite

    Die Schulen im Landkreis befinden sich im Wandel. Längst ist klar, dass die digitale Ausstattung wichtig ist für die Zukunft. Hier sind Lehrer, Schüler und Eltern, aber auch Sachaufwandsträger und vor allem schnelles Internet gefragt.

    Die Zeiten, in denen Schüler auf der Suche nach einem funktionstüchtigen Overheadprojektor durch die Hinterzimmer irrten, damit der Unterricht beginnen konnte, sind vorbei. In den meisten Schulen sind die Projektoren längst durch Beamer und Dokumentenkameras ersetzt. Wo noch welche vorhanden sind, werden sie kaum genutzt, das heißt "für Schattenspiele sind die gut", sagt Michael Kreil, Realschuldirektor in Bad Brückenau. Im Hammelburger Gymnasium werden sie in Physik und Kunst als starke Lichtquelle verwendet.

    Wie seine Kollegen von den anderen Realschulen und Gymnasien im Landkreis, die diese Zeitung befragt hat, bestätigt Kreil: "Digitalisierung ist eine riesige Aufgabe für die nächsten Jahre" und sie ist bereits in vollem Gange. Jede Schule in Bayern hat ein eigenes Medienkonzept erstellt. Dabei haben sich der Landkreis als Sachaufwandsträger, Eltern und Lehrer viel Mühe gegeben.

    Das Ergebnis stellt alle weitgehend zufrieden. In der Realschule Bad Kissingen zum Beispiel verfügen die regulären Unterrichtsräume alle über ein Präsentationsmedium, sprich Beamer oder Flachbildmonitor, eine Dokumentenkamera und Internetanschluss. Zahlreiche Unterrichtsräume werden mit digitalen Tafeln ausgestattet, teilt Direktor Torsten Stein mit. Die Anschaffung einer größeren Anzahl IPads sei zudem geplant, für dieses Jahr "etwa 100".

    Darüber hinaus finden derzeit jede Woche nachmittags Schulungen für die Lehrkräfte zu verschiedenen digitalen Thematiken statt. Die Fortbildung der Lehrkräfte erfolgt quer durch alle Schulen . Die Angebote hierfür sind vielfältig, reichen von (über)regional, zum Beispiel durch den Systembetreuer, und online bis hausintern. Im Jack-Steinberger-Gymnasiums zum Beispiel fokussiere man sich vor allem auf Micro-Fortbildungen, in denen digital affine Kolleginnen und Kollegen eine kleine Gruppe in einem kurzen Zeitraum schulen, informiert der stellvertretende Schulleiter Jens Beck. Ansonsten seien die ersten technischen Gerätschaften in der Bestellpipeline des Digitalisierungspaktes.

    Im Hammelburger Frobenius-Gymnasium sind ebenfalls nahezu alle Unterrichtsräume gut gerüstet. Die fünf Tablets werden derzeit für Projektunterricht verwendet, wie Musik, Kunst, Mathematik oder Robotik. Für das 2. Quartal 2020 sind zwei mobile IPad-Einheiten anvisiert. Zudem hat das Gymnasium einen DVD-Brenner, der die Digitalisierung von VHS-Videos ermöglicht. Es gibt zwei Computerräume und den Oberstufenschülern stehen Computerarbeitsplätze in der Schülerbibliothek und im Internetcafé zur Verfügung, teilt Schulleiter Matthias Ludolph mit.

    Am Franz-Miltenberger-Gymnasium Bad Brückenau sind die Klassenräume laut Oberstudiendirektor Stefan Bub standardmäßig mit "smarten" Flachbildschirmen und Dokumentenkameras ausgestattet; Beamer gibt es in Fachräumen; Overhead-Projektoren und Fernsehwagen sind ausgemustert. In nächster Zukunft wird die Schule zwei Klassensätze mobile Tablets verwenden.

    "Das Johann-Philipp-von-Schönborn-Gymnasium Münnerstadt ist medientechnisch sehr gut ausgestattet", teilt auch Jens Hupfer, ständiger Stellvertreter des Schulleiters mit. Jedes Klassenzimmer verfügt auch hier über Technik, die nahezu alle Einsatzszenarien abdeckt. Zusätzlich gibt es einen Tabletwagen mit 27 iPads, weitere sind beantragt, damit neben den Tabletklassen auch die übrigen Schüler phasenweise mit Tablets arbeiten können. Aber auch drei traditionelle Computerräume sind noch vorhanden.

    Aber Hupfer macht deutlich: "Digitale Bildung braucht mehr Bandbreite". Die verfügbare Bandbreite des Internetzugangs der Schule - und das gilt im Moment für alle befragten Einrichtungen - stößt aktuell an ihre Grenzen. Auch im Kissinger Gymnasium kann Wlan im Moment nur von den Lehrern genutzt werden, da die Datenleitung die flächendeckende Nutzung des Wlans durch Schüler nicht stemmen könnte.

    "Wir haben in allen Schulen in den letzten zwei Jahren die entsprechende Netzwerk-Technik aufgebaut und damit die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, um jetzt nahtlos mit den digitalen Klassenzimmern anzuschließen", informiert Jürgen Bischoff, im Landratsamt zuständig für Hauptverwaltung und EDV. Für alle Schulen sei das Maximum an derzeit verfügbarer Leistungskapazität gebucht, Glasfaser ist für alle seit letztem Jahr bestellt.

    Glasfaseranschlüsse dauern

    Jetzt heißt es warten. Denn: Die Firmen haben lange Vorlaufzeiten. Etwa 60 Wochen hat der Anbieter angekündigt, wird es dauern bis zur Umsetzung. Inzwischen sind die Wartezeiten für jene, die jetzt bestellen sogar llänger. Als Priorisierung habe das Landratsamt das Berufsbildungszentrum (BBZ) Münnerstadt angegeben, weil hier überhaupt keine Leitungen liegen und der Neubau sonst nicht in Betrieb gehen könnte. Denn dort wird es ausschließlich digitale Tafeln und neueste Technik geben. Allein für 2020 hat der Landkreis knapp eine Million Euro für die Digitalisierung der Schulen in den Haushalt eingestellt und da sei das BBZ nicht mitgerechnet, so Bischoff. Grob zwei Drittel des Geldes ist die Vorfinanzierung von Geldern aus den Förderprogrammen, die es von Freistaat und Bund gibt.

    Der Landkreis Bad Kissingen stellt jedoch ausschließlich die Infrastruktur zur Nutzung der digitalen Endgeräte zur Verfügung und betreut die Technik, die Lehrkräfte kaufen sich aktuell ihre mobilen Endgeräte selbst und auch die Schüler der Münnerstädter Tabletklasse bzw. deren Eltern mussten diese selbst bezahlen. "Eine weitere Steigerung des Einsatzes neuer Medien im Kollegium könnte durch die Bereitstellung von dienstlich gelieferten Endgeräten (Tablets) seitens des Sachaufwandsträgers erfolgen", meint Hupfer.

    Michael Kreil von der Staatlichen Realschule Bad Brückenau, der voll des Lobes für die IT-Abteilung des Landkreises und die gute Zusammenarbeit ist, hat den unglaublichen Mehrwert im Sozialkunde-Unterricht bereits entdeckt. Den unglaublichen Mehrwert hat er bereits im Sozialkunde-Unterricht entdeckt. "Die Kinder loggen sich via Handys in B5 aktuell ein und wir sprechen spontan über aktuelle Ereignisse", erzählt Kreil. Vorbei die Zeit, wo er noch einen Zeitungssatz bestellen musste.

    Tabletklassen wolle man aber keine. Denn er sorgt sich um den Elektroschrott, der produziert wird. "Wir sind auch Biosphären-Schule und gehen sehr nachhaltig voran, das muss alles zusammenspielen". In der Sitzung des Bildungsausschusses sei deutlich geworden, dass die Geräte in fünf Jahren ausgetauscht werden müssen. Man müsse bereits bei der Anschaffung darauf achten, was gut zu recyceln oder zu reparieren ist.

    Das hat auch die IT-Abteilung des Landkreises im Blick. "Wir beschaffen nur, was wirklich gebraucht wird, haben klare Richtlinien und nehmen nicht den günstigsten, sondern den wirtschaftlichsten Anbieter", erläutert Bischoff. Man achte auf Qualität. Zum Beispiel schreibe man die digitalen Tafeln mit acht Jahren Gewährleistung aus. Außerdem werden einzelne Module angeschafft, sodass man nicht alles wegwerfen muss, wenn etwas kaputt geht.

    Zur Info

    Das Landratsamt Bad Kissingen ist Sachaufwandsträger für elf Schulen , vier Gymnasien , drei Realschulen , die Saaletal-Schulen, Berufsschule und BBZ. Die Mittelschulen hinken in Sachen technischer Ausstattung nicht hinterher, haben aber andere Sachaufwandsträger.

    Kerstin Väth

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