• aktualisiert:

    Breitenbach

    Breitenbach: Ein Leben mit Entbehrungen und viel Freude

    Otto Bolz beim Besuch im Staatsbad Bad Brückenau. Foto: Petra Vogler
    Otto Bolz beim Besuch im Staatsbad Bad Brückenau. Foto: Petra Vogler

    An die Jahre als Bürgermeister erinnert sich Oskar Bolz gut: "Damals stand das Thema Ausbau der Wirtschaftswege im Vordergrund", sagt er nach kurzer Überlegung. Der Lange Weg beispielsweise, von Breitenbach zum Buchrasen rüber, wurde in dieser Zeit asphaltiert, wie auch viele weitere. Mit Herzblut war er Politiker: Von 1972 bis 1978 als Bürgermeister von Breitenbach , davor viele Jahre im Gemeinderat.

    Nach der Gebietsreform - der Zusammenlegung mehrerer Ortschaften zu einer Gemeinde - wählten ihn die Bürger zum 3. Bürgermeister von Oberleichtersbach. Insgesamt betrieb er über 30 Jahre aktiv Politik. "Es musste was gemacht werden, da konnte ich mich nicht auf die faule Haut legen", sagt er heute über die Zeit damals. Der gebürtige Oberleichtersbacher zog für die Liebe nach Breitenbach . Seine Frau Erna (geborene Reuß) sei die Schönste von allen gewesen, deshalb habe er sie geheiratet, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht.

    Engagement im örtlichen Leben

    Nicht nur die Politik, sondern auch viele örtliche Vereine trugen seine Handschrift: Als Gründungsmitglied des Krieger- und Bürgervereins, Vorsitzender der DJK Breitenbach /Mitgenfeld und als Mitglieder der Jugendkapelle Mitgenfeld/ Breitenbach und bei der Freiwilligen Feuerwehr war er immer aktiv und mit Ehrgeiz dabei.

    Am besten erinnert sich der 90-jährige aber an seine Jugendjahre im Zweiten Weltkrieg. Gelernt hat Bolz noch während des Krieges Maler und Verputzer bei der Firma Martin in Bad Brückenau. Doch dann musste er seine Lehre unterbrechen, weil ihn die Partei im Jahr 1944 mit der Hitlerjugend ins Saarland schickte. Aus dieser Zeit hat er viele Wunden davongetragen. Weniger körperliche als psychische. Mit gerade einmal 15 Jahren verließ er seine Heimat.

    Prägende Kriegsjahre

    Im Saarland musste der Jugendliche Laufgräben für die Soldaten bauen. Mit einem Freund aus Oberleichtersbach zusammen verrichtete er bis zum Kriegsende unter schweren Bedingungen die Zwangsarbeiten. Denn freiwillig habe er das nicht getan: "Wir mussten das machen, wir hatten keine Wahl." Essen gab es kaum und immer wieder explodierten in der Nähe Bomben. Diese Zeit - die Nächte auf dem kalten Boden und die Ungewissheit - lässt ihn bis heute nicht los.

    1945 kam Bolz aus dem Krieg zurück und beendete seine Lehre. Die Landwirtschaft im Elternhaus und schließlich gemeinsam mit seiner Frau Erna in Breitenbach nahm viel Zeit in Anspruch. Bis in die 80er Jahre betrieb er Acker, Grünland, Milchkühe und Schweine neben der hauptberuflichen Arbeit bei Hanse Haus, wo er bis zum Ende seiner Berufsjahre arbeitete. Drei Töchter bekamen er und seine Erna zusammen. "Zum Glück leben heute alle Kinder in der Nähe", stellt er fest, denn die Familie bedeute ihm alles.

    Sechs Urenkel

    Heute kümmern sich alle drei Töchter abwechselnd um Erna und Oskar Bolz. "Die Familie hält einfach zusammen", freut er sich. Neben den drei Töchtern bereiten ihm die sechs Enkel und mittlerweile ebenfalls sechs Urenkel die größte Freude . Große Familienfeiern mit allen gemeinsam mag er am liebsten. Zum Ort Breitenbach hat er auch heute noch einen festen Bezug, auch wenn er nicht mehr so oft rausgehen kann. "Hier in Breitenbach fühle ich mich einfach geborgen", sagt Bolz.

    Julia Raab

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!