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    Hammelburg

    Bürgerhaus-Architekt René Rissland im Interview

    Der Umbau des früheren Kaufhauses zum Bürgerhaus gehört zu den umstrittensten Bauvorhaben der Stadt - ein Gespräch mit Architekt René Rissland.
    Am Anfang war der Wettbewerb: Architekt René Rissland erklärt bei der Preisverleihung im Mai 2017 die Entwurfsidee.Foto: Archiv/Arkadius Guzy       -  Am Anfang war der Wettbewerb: Architekt René Rissland erklärt bei der Preisverleihung im Mai 2017 die Entwurfsidee.Foto: Archiv/Arkadius Guzy
    Am Anfang war der Wettbewerb: Architekt René Rissland erklärt bei der Preisverleihung im Mai 2017 die Entwurfsidee.Foto: Archiv/Arkadius Guzy

    Der Stadtrat hat Änderungen am Bürgerhaus beschlossen, um das Bauvorhaben nach dem Bürgerentscheid doch noch zustande zu bringen. Das Büro SRAP Sedlak Rissland Architekten Partnerschaft aus Nürnberg muss seine ursprünglichen Wettbewerbsidee überarbeiten. Wie geht man als Architekt damit um, wenn der eigene Entwurf so in die Kritik gerät - Fragen an René Rissland.

    Herr Rissland, macht das Bauvorhaben Bürgerhaus Ihnen noch Spaß?

    René Rissland: Mein ehemaliger Professor hat immer gesagt, Architektur ist vor allem auch das Verhandeln von sozialen Dingen. Hier haben wir ein Paradebeispiel dafür. Das Verhandeln ist also ein essenzieller Bestandteil unseres Berufes. Und wenn uns das keinen Spaß machen würde, dann würden wir diesen Beruf auch nicht ausüben.

    Haben Sie überlegt, den Planungsauftrag nach dem Bürgerentscheid einfach hinzuwerfen?

    Wir werfen generell keine unserer Aufgaben hin, sondern versuchen immer bis zuletzt eine Lösung zu finden, die der jeweiligen Situation gerecht wird. Situationen können sich immer auch ändern. Darauf müssen wir dann reagieren.

    Warum bleiben Sie dran?

    Weil wir festgestellt haben, dass anscheinend ein Großteil der Hammelburger Bürger ein neues Bürgerhaus möchte - das heißt auf beiden Seiten des Bürgerbegehrens. Beide Seiten sollten versuchen, gemeinsam an einem Strang zu ziehen. Und vor allem ist Kommunikation und Transparenz bei diesem Projekt wichtig. Wir selbst verstehen uns als kreative Dienstleister und finden das Konzept des Bürgerhauses nach wie vor gut.

    Sind Sie schon einmal mit einem Entwurf auf solchen Widerstand gestoßen?

    Es gibt immer verschiedene Meinungen zu einem Projekt. Architektur wird nun mal subjektiv bewertet. Schade ist im Falle von Hammelburg nur, dass bezüglich der Fördermittel durch den Widerstand vielleicht sogar wertvolles Geld für die Stadt verloren geht. Der Förderanteil für das ursprüngliche Konzept war sehr hoch. Den wird mal wohl in dieser Form nicht mehr erreichen können. Ich möchte hier nicht von einem Schildbürgerstreich sprechen. Aber man hat sich hier vielleicht mit gut gemeinten Vorsätzen mehr Schaden zugefügt als beabsichtigt.

    Rechnen Sie - allgemein betrachtet - als Architekt bei größeren Projekten mit Ablehnung?

    Wie schon gesagt, gibt es immer verschiedene Meinungen zu einem Projekt. Ob ein Gebäude wirklich funktioniert in seinem Kontext und hält, was es verspricht, kann man erst feststellen, wenn es einige Zeit benutzt wurde. Gute Architektur ist immer auch eine Frage des Gebrauchs.

    Wieso war es so schwierig für Sie, Ihr architektonisches Konzept den Hammelburgern zu vermitteln?

    Wir haben zusammen mit circa 18 anderen Büros an einem Wettbewerbsverfahren teilgenommen, welches von einem Fachgremium beurteilt wurde. Weiterhin waren auch Sachpreisrichter aus allen politischen Fraktionen Hammelburgs beteiligt. Wir denken, dass im Vorfeld auch intensive Vermittlungsarbeit von der Stadt geleistet wurde. Vielleicht hätten einfach noch mehr öffentliche Präsentationen des jeweiligen Projektstandes stattfinden sollen. Auf der anderen Seite gibt es in jeder Stadt eine gewisse kritische Masse, die gegen neue öffentliche Projekte vorgeht. Aber genau diese Kritiker sollten nicht außer Acht lassen, wie wichtig ein solches Projekt für nachfolgende Generationen sein könnte.

    Erläutern Sie noch einmal kurz die Idee hinter Ihrem Entwurf.

    Unser Ziel war ein schlichter, einfacher Baukörper, der sich gut einfügt und seine Besonderheit nur mit wenigen Elementen zeigt wie mit einem Giebel und der Fensterausbildung - wie eben ein Chanel-Kostüm das auch macht. Wichtig ist das innere Konzept der Schalträume und der flexibel nutzbaren Flächen: Garanten für ein zukunftsoffenes Haus.

    Schmerzt es Sie, dass Sie ihren Entwurf jetzt ändern und die Fassade zum Beispiel mit einem Gesims ausstatten müssen?

    Das Gesims wurde von uns so vorgeschlagen, deshalb stört es uns eigentlich auch nicht. Wir arbeiten als Architekten immer in Varianten. Allerdings sollte das neue Bürgerhaus die Ausstrahlungskraft am Marktplatz haben, die es mit seiner Funktion als öffentliches Gebäude verdient. Deshalb ist von einem Walmdach am Marktplatz abzuraten. Wir haben dazu ja auch verschiedene Szenarien visualisiert und bei der Bürgerversammlung im Schulhaus präsentiert. Ich glaube, die Mehrzahl der Anwesenden war da unserer Meinung.

    Würden Sie irgendwann noch einmal ein Projekt in Hammelburg machen?

    Wir haben im Laufe unserer Planungen sehr viele nette Menschen hier in Hammelburg kennengelernt. Und wir wissen deren Engagement für die Sache zu schätzen. Wir finden es auch richtig, dass bei einem so wichtigen Projekt wie dem Bürgerhaus die Meinung von jedem Hammelburger gefragt ist. Vielleicht sollte man einfach bei den nächsten Projekten die Bürgerschaft von Anfang an noch mehr einbinden und bestimmte Entscheidungsprozesse transparenter darlegen. Wir wären auf jeden Fall immer wieder gern dabei und würden natürlich unser Bestes geben.

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    Arkadius Guzy

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