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    Münnerstadt

    Das Interesse hielt sich in Grenzen

    Entlang der Autobahn soll die Südlink-Stromtrasse führen. Die genaue Trasse  allerdings wird erst Ende 2021 feststehen. Dieses Foto entstand von einer  Brücke bei der Abfahrt Münnerstadt aus. Foto: Dieter Britz
    Entlang der Autobahn soll die Südlink-Stromtrasse führen. Die genaue Trasse allerdings wird erst Ende 2021 feststehen. Dieses Foto entstand von einer Brücke bei der Abfahrt Münnerstadt aus. Foto: Dieter Britz

    "Sie werden hier noch mal entsprechend informiert. Anschließend können Sie Fragen stellen", versprach Bürgermeister Helmut Blank dem kleinen Kreis von einem guten Dutzend Bürgern, die zum Anhörungstermin in Sachen Südlink-Stromtrasse in die Alte Aula gekommen waren. Saskia Albrecht (Teamleiterin Südlink Kommunikation bei der Transnet BW) hatte bereits am 5. Juni dem Stadtrat in einer Sondersitzung Rede und Antwort gestanden. Mit dabei war jetzt auch Hendrik Steinke (Genehmigungsmanagement Netzausbau bei Tennet ). Die Besucher interessierten sich vor allem für die Auswirkungen, die die 34 Meter breite Trasse für die Grundstückseigentümer haben wird.

    "Was darf man, was nicht?" wollte einer wissen. " Landwirtschaft ist weiter möglich, es gibt eine einmalige Entschädigung", sagte dazu Hendrik Steinke. Es sei nicht vorgesehen, die Flächen zu kaufen. Schäden zum Beispiel durch Ertragsverluste würden auch später über die ganze geplante Nutzungsdauer von 50 Jahren entschädigt, versicherte er.

    "Was ist mit Wald? Wenn ich abholzen muss, habe ich Ödland", wollte eine Waldbesitzerin wissen. Das werde über die Generationen hinweg entschädigt, Details seien noch zu klären, versuchte Steinke zu beruhigen. Auf die Frage nach elektromagnetischen Feldern durch den Stromfluss verwies Saskia Albrecht darauf, dass keine elektromagnetischen Felder entstehen, sondern nur Gleichstrom-Felder. Es müsse deshalb kein Abstand eingehalten werden, alle gesetzlichen Grenzwerte würden beachtet.

    Günther Köth, Vorstand der Energiegenossenschaft, betonte "die Leute werden teil-enteignet". Er klagte auch "die Kissinger bekamen unser Wasser . Das Wasserschutzgebiet wurde immer erweitert und das Gewerbegebiet deshalb totgemacht". Ohne die Autobahn wäre es möglich, die Südlink-Trasse westlich der Stadt zu verlegen, erklärte er. "Ob die Stadträte Gehör finden, wage ich zu bezweifeln", sagte er. Er fürchtet, dass bei der Planung eher die Interessen von Bad Kissingen und Bad Neustadt berücksichtigt würden, denn "ohne Vitamin B geht nichts". Er zweifelte auch die "Gerechtigkeit der Bundesnetzagentur " an, "wir kleinen Leute sollen unseren Grund ohne ein Wort des Widerstandes hergeben. Die, die am lautesten schreien, kommen durch. Nach den Erfahrungen mit der Autobahnplanung ist schon klar, was rauskommt". Saskia Albrecht entgegnete "in die Planung und Entscheidung redet kein Kommunalpolitiker oder Politiker mit rein". Köth nannte die Trasse einen "Todesstreifen" und bekam dafür Zustimmung aus den Reihen der Teilnehmer. Eine Frau wollte wissen, ob auf der Trasse biologische Landwirtschaft möglich ist. Hendrik Steinke beruhigte sie, das sei möglich. Ein Mann kritisierte "der Strom kommt nun aus dem Norden, obwohl es vielleicht in fünf Jahren neue Techniken gibt und man den Strom in Süden erzeugen kann".

    Zu Beginn des Info-Abends bekamen die Teilnehmer ausführliche Informationen über das Südlink-Projekt. Über eine Strecke von etwa 700 Kilometern soll diese weitestgehend unter die Erde verlegte Strom-Autobahn Gleichstrom von den Offshore-Windanlagen in der Nordsee bis nach Grafenrheinfeld und Heilbronn transportieren. Der von Transnet und Tennet ins Auge gefasste einen Kilometer breite sogenannte Vorzugs-Korridor, innerhalb dessen die Kabel verlegt werden sollen, soll im Landkreis Bad Kissingen und anderen Gebieten entlang der Autobahn A 71 führen. Auf Gemarkung Münnerstadt ist die Autobahn 4,2 Kilometer lang. Mit der Entscheidung der Bundesnetzagentur (einer Bundesbehörde) über den Verlauf des Korridors sei Ende 2019 zu rechnen, erklärt Saskia Albrecht. Zuvor allerdings gibt es noch nicht-öffentliche Erörterungstermine, zu denen nur diejenigen Zutritt haben, die bei der Bundesnetzagentur Stellungnahmen abgegeben haben. Viel Zeit dazu bleibt nicht mehr, denn Abgabeschluss ist schon am Montag, 24. Juni. Stellungnahmen sind unter www.netzausbau.de bis dahin möglich. Im Planfeststellungsverfahren, das Ende 2021 abgeschlossen sein soll, werde dann der genaue Trassenverlauf innerhalb des Korridors festgelegt. In diesem Verfahren können Bürger und Betroffene nochmals Anregungen geben oder Einsprüche einlegen. Albrecht informierte, dass zurzeit vier Kabelgräben mit je zwei Kabeln geplant seien, die 1,6 Meter tief in der Erde liegen. Die Trasse ist nach Fertigstellung 34 Meter breit und darf weder (wieder-)aufgeforstet noch bebaut werden. Während der Bauzeit werden 55 Meter benötigt, heißt es. Wenn der Gleichstrom statt mit 320 Kilovolt mit 525 Kilovolt übertragen werden kann, sei es möglich, mit weniger Kabeln und damit einer schmaleren Trasse auszukommen. Ganz zum Schluss des Anhörungstermins, zu dem die Stadt eingeladen hatte, vermerkte Bürgermeister Helmut Blank "ich habe bei der letzten Informationsveranstaltung von Tennet in Oberthulba niemand aus Münnerstadt gesehen. Deshalb habe ich nochmals kurzfristig diese Informationsveranstaltung angesetzt". Damit allerdings war Günter Köth, der geschäftsführende Vorstand der Energiegenossenschaft, nicht einverstanden: "Warum soll ich als betroffener Bürger nach Oberthulba fahren?"

    Kommentar von Dieter Britz

    "Was interessiert uns Südlink , unser Strom kommt aus der Steckdose", denken sich offenbar viele Bürger. Nur ein gutes Dutzend Frauen und Männer waren auf Einladung der Stadt zum Anhörungstermin in die für viel mehr Besucher bestuhlte Alte Aula gekommen. Sie diskutierten sehr engagiert und leidenschaftlich, manchmal auch polemisch zugespitzt mit den beiden Vertretern der Unternehmen Transnet BW und Tennet , die die Hochspannungs-Gleichstromtrasse vom hohen Norden bis Süddeutschland bauen wollen. Da fielen schon mal recht deutliche Worte wie "Teil-Enteignung", "ohne Vitamin B geht nichts" oder gar "Todesstreifen" (für den Kabel-Korridor). Und da schweiften Diskussionsteilnehmer auch mal weiter ab und erinnerten zum Beispiel an die Autobahn-Planung, die in Münnerstadt offenbar noch immer nicht ganz zugeschüttete Gräben aufgerissen hat. Das Vertrauen in die Behörden ist offenbar nicht sonderlich stark, denn mehrere Diskussionsteilnehmer fürchteten, dass "die da oben" schließlich genauso entscheiden, wie es Tennet und Transnet BW wünschen oder dass Bad Kissingen und Bad Neustadt bevorzugt würden. Der Vorzugs-Korridor für die Stromtrasse entlang der Autobahn ist auf Münnerstädter Gemarkung 4,2 Kilometer lang. Bei einer Breite von einem Kilometer bedeutet das eine Fläche von nicht weniger als 4,2 Quadratkilometer. Betroffen sind also viele Dutzend Grundstückseigentümer. Aber nur ganz wenige wollten sich informieren. Siehe oben: "was interessiert uns Südlink ..."

    Dieter Britz

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