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    Burkardroth

    Das Ringen mit der Natur

    Wildschäden sind mehr als nur zertrampelte Felder - das durfte Georg Rottenberger in seinem eigenem Wald erleben.
    Georg Rottenberger zeigt einen typischen Fegeschaden. Foto: Johannes Schlereth
    Georg Rottenberger zeigt einen typischen Fegeschaden. Foto: Johannes Schlereth

    Die Rhön war schon in der Antike als bewaldetes Gebiet bekannt. Geändert hat sich in über 2000 Jahren Menschheitsgeschichte wenig daran. Noch immer sind die Höhenzüge dicht mit Bäumen bewachsen. Einen kleinen Teil dieses Waldes besitzt heute Georg Rottenberger aus Wollbach. Insgesamt kommt er auf knapp 3,6 Hektar. Das entspricht in etwa dreieinhalb Fußballfeldern. Eine seiner Flächen liegt in der Nähe von Stangenroth. Doch sein Besitz wird zerstört: Reh- und Rotwild beschädigen seine Bäume.

    Stangenroth: Fegeschäden durch Wild

    "Die Rehböcke und Hirsche gehen mit ihrem Geweih an die Bäume", sagt der 72-Jährige. Damit markieren die Tiere ihr Revier und reiben sich die Basthaut von den Geweihen, unter der in den vergangenen Monaten das neue Geweih gewachsen ist. Die austretenden Pflanzensäfte und Harze färben das eigentlich weiße Knochengeweih im Lauf der Zeit schließlich braun. Die Folgen für die Bäume sind großflächige Abschälungen der Rinde.

    Der Schaden ist groß, denn die Rinde schützt den Stamm vor äußeren Einflüssen. "Es können Keime, Pilze und Infektionen eindringen", sagt Thomas Schreder, der beim Bayerischen Jagdverband für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. "Dazu kommen noch die Schälschäden der Hirsche", meint Rottenberger. Diese entstehen, wenn das Rotwild mit den Schneidezähnen des Unterkiefers die Rinde des Baumes abnagt. Die Folgen für den Baum sind ähnlich, wie beim Fegen des Geweihs: Pilze dringen ein, und der Baum kann absterben.

    Burkardroth: Schadens-Hotspot

    Im Landkreis Bad Kissingen gibt es eigentlich wenige Gebiete, in denen Reh- und Rotwild für solche Probleme sorgen. Aber: "Es gibt durchaus Bereiche, bei denen die Schäden eine größere Rolle spielen", teilt Lena Pfister, zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landkreises Bad Kissingen. Darunter fallen beispielsweise Gebiete um Burkardroth . Um Schäden zu vermeiden, müsse die Jagd auf Reh- und Rotwild der Fläche angepasst sein.

    Die Folgen von Pilzbefall und Schälschäden sorgen bei dem Waldbesitzer für Unmut. Eine Schadenshöhe lasse sich laut Rottenberger nur schwer schätzen. "Was will ich noch mit dem Holz machen?", fragt er sich. Um das Fällen werde er letztlich nicht herumkommen.

    Über die Frage, welchen wirtschaftlichen Nutzen beschädigte Bäumen haben, herrsche laut Philipp Bausch, dem stellvertretenden Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten in Bad Brückenau, keine einheitliche Meinung. "Bäume können die Wunde überwallen," sagt er. Ist ein Pilz eingedrungen, wird dieser dann luftdicht eingeschlossen und kann sich nicht weiter entwickeln. "Der betroffene Bereich des Baumes lässt sich dann noch als Industrieholz, zum Beispiel für Spanplatten, oder aber als Feuerholz nutzen."

    Gelingt es dem Baum nicht, die Wunde zu überwallen habe man nicht zwei sondern beispielsweise fünf Meter Industrieholz. Letztlich seien beide Fälle wirtschaftlich gesehen eine Qualitätsverschlechterung. "Waldbesitzer sollten kranke Bäume entnehmen und gesunde, zukunftsfähige Bäume fördern." Möglich ist das beispielsweise dadurch, dass diesen genügend Raum zum Wachsen und zur Entfaltung der Krone gegeben wird.

    Gütliche Einigung gefunden

    Der Rentner informierte wegen der Wildschäden die Kommune. Der Markt Burkardroth sollte mit dem Jäger darüber sprechen: "Ich dachte, dass der Markt Burkardroth die Jagd für das Gebiet vergeben hätte. Das Gespräch hat ergeben, dass das die Staatsforsten gemacht haben." Der Kontakt kam zustande, und Rottenberger setzte sich mit dem Jäger in Verbindung. Letztlich folgte eine gütliche Einigung. Denn nicht alle Schäden seien jüngst entstanden. Rottenberger und der Pächter fassten eine gemeinsame Strategie: "Der Jäger will das Wild zunächst mit einer Paste, die er an manche Bäume streicht, fernhalten."

    Auf dem gleichen Gebiet hat der 72-Jährige einen jungen Baumbestand angepflanzt. 950 Rotbuchen wachsen hinter einem 180 Meter langen Zaun. Verbiss gibt es dort nicht. "Trotzdem muss ich regelmäßig kontrollieren, dass kein Wild in den Baumbestand hineingekommen ist." Im vergangenen Jahr ging er sogar noch weiter, als er unter anderem Douglasien, Bergahorn und Eichen pflanzte. "Jeder Baumsteckling ist einzeln gegen Wildschäden geschützt." Dabei kommen Wuchshüllen aus Plastik zum Einsatz. "Das Waldstück ist geerbt und wird für die Enkel erhalten - warum sollte man so etwas verkommen lassen?", fragt sich der Rentner.

    Johannes Schlereth

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