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    Bad Kissingen

    Luitpoldbad belegt den zweiten Platz beim Bayerischen Denkmalpreis

    Gerald Langer vom staatlichen Bauamt Schweinfurt schraubt die Plakette ans Luitpoldbad. Johannes Schlereth
    Gerald Langer vom staatlichen Bauamt Schweinfurt schraubt die Plakette ans Luitpoldbad. Johannes Schlereth

    Die Sanierung am Luitpoldbad in Bad Kissingen ist seit dem vergangenen Herbst beendet. 39 Millionen Euro kosteten die Arbeiten in ihrer Gänze. Darin inbegriffen der Hochwasserschutz für ein Jahrtausendhochwasser und der Spagat zwischen Behördenzentrum und Veranstaltungsort. Mit dem Bau belegte das denkmalsgeschützte Gebäude 2018 den zweiten Platz beim Bayerischen Denkmalpreis. Sichtbar ist das jetzt an einer kleinen metallenen Plakette, die im Innenhof angebracht ist.

    "Den Preis verleiht die bayerische Ingenieurkammer-Bau gemeinsam mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege in einem zweijährlichen Turnus", sagt Christian Schmidt, der zuständige Gebietsreferent des bayerischen Landesamts für Denkmalpflege. Gewinnen können ihn sowohl private als auch öffentliche Gebäude. Allerdings muss für deren Instandsetzung eine besondere Ingenieursleistung notwendig gewesen sein", erklärt er. Die Herausforderung dabei: "Man muss der historischen Bausubstanz und der aktuellen bayerischen Bauordnung gerecht werden." An diesem Punkt setze die Innovation ein.

    Alt trifft neu

    Verantwortlich waren dafür unter anderem die Architekten Christian Teichmann und Christian Firlus vom Architekturbüro Grellmann-Kriebel-Teichmann. Neben dem Setzen von neuen Akzenten, mussten alte Gebäudeteile instand gesetzt werden - wie etwa das Treppenhaus. "Von der ursprünglichen historischen gusseisernen Treppe war bei Baubeginn nichts mehr zu sehen", sagt Architekt Christian Teichmann rückblickend. "Die Reste waren hinter Putz und Beton verborgen."

    Stabile Treppe

    Beim Entfernen der Baumaterialien entdeckten die Arbeiter Überbleibsel. Aus denkmalpflegerischer Sicht seien diese erhaltenswert. Das Problem: "Rechnerisch konnten wir die Statik nicht zuverlässig prüfen, weil wir nicht genau wussten, welche Materialien verbaut wurden", sagt Marcus Götz, vom Ingenieurbüro ALS. Die Würzburger Firma war mit der Statik betraut. Gelöst wurde die Statikfrage durch einen Test. Den führte die Gesellschaft für Materialforschung und Prüfungsanstalt für das Bauwesen aus Leipzig durch. "Das Konzept dafür musste erst entwickelt werden", informiert der Ingenieur.

    400 Kilogramm pro Quadratmeter

    Bei der Statikprüfung zogen Hydraulikpressen an den Tragarmen der Treppe. Das Ergebnis des Tests war, dass die Treppenanlage uneingeschränkt nutzbar ist. "Damit hatten wir den Nachweis für die baulich geforderte Belastung", sagt Götz. "Eine Belastung mit vier Kilo-Newton ist möglich." Die Treppe hält also pro Quadratmeter einem Gewicht von 400 Kilogramm stand.

    Suche nach dem Geländer

    Allerdings fehlten Teile der Treppenanlage. Darunter das Geländer. Möglicherweise konfiszierten es die Machthaber während des Zweiten Weltkriegs als Metallspende. Die Lösung fand sich durch einen Zufall. Teichmann: "Bei den Arbeiten haben wir das Logo des Eisenwerks Joly aus Wittenberg gefunden." Es folgte eine lange Recherche, deren Ergebnis war, dass einst sechs verschiedene Geländertypen zur Auswahl standen. Nach weiteren Nachforschungen stand fest, dass in Bad Kissingen das Modell "Neurenaissance" eingebaut wurde.

    Bayerische Locke gegen den Absturz

    Mangels Neuteilen musste ein Modell und eine Gussform für die Geländerteile hergestellt werden. Auch hierbei galt es, aktuelle bauliche Standards zu berücksichtigen. Beim Geländer war das die Absturzsicherung. "Wir haben zum Beispiel die bayerische Locke dazu erfunden", sagt Teichmann. Die lässt jede einzelne Treppensprosse breiter werden und verringert damit den Abstand zwischen den einzelnen Sprossen. "Damit wird vermieden, dass Kinder zwischen den Stäben durchrutschen und abstürzen", informiert der Architekt.

    1867 bauten die Kissinger das Luitpoldbad unter dem Namen Aktienbad.

    Johannes Schlereth

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