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    Poppenlauer

    Der Medicus vom Orient kam nach Poppenlauer

    Die turbulente Komödie von Toni Feller kam beim Publikum gut an. Kurz vor der Aufführung hatte es noch geregnet.
    Den Medicus aus dem Orient verkörpert in der gleichnamigen Komödie perfekt Wolfgang Rützel. Dieter Britz
    Den Medicus aus dem Orient verkörpert in der gleichnamigen Komödie perfekt Wolfgang Rützel. Dieter Britz
    Am Freitag dem Dreizehnten kann halt nicht alles hundertprozentig glatt laufen  Am Nachmittag wurde die Spielfläche im Schrimpf'schen Schloss, auf der Stunden später die Komödie "Der Medicus vom Orient " gegeben werden sollte, durch einen kräftigen Regenschauer klitschnass. "Wir hatten viel Arbeit, sie wieder trocken zu bekommen" , meinte Regisseur Reiner Müller.

    Doch dann lief alles wie am Schnürchen. Die erste Vorstellung war sehr zur Freude der Verantwortlichen ausverkauft und der Beifall zeigte, dass diese turbulente Komödie von Toni Feller den Zuschauern sehr gefiel. Der pensionierte Kriminalbeamte und Mordermittler hat schon zahlreiche Bücher und Bühnenstücke geschrieben. Reiner Müller hat die Handlung in ein kleines Dorf an einem kleinen Fluss am Fuß der Rhön verlegt, nach Poppenlauer . Hahnenschrei und Hundegebell wecken am Morgen die Einwohner, die sogleich mit etwas derben Dialogen die Zuschauer erheitern: "Ich bin dumm, aber nicht so dumm, dass ich nicht Furzen von deinem Schnarchen unterscheiden kann." D

    er plötzlich im Dorf aufgetauchte Medicus, den der barocke Wolfgang Rützel perfekt verkörpert, soll gleich gar keine Chance bekommen, mit Kurpfuscherei die Bürger auszunehmen. Sie wollen ihn ohne langen Prozess aufknüpfen oder auf den Scheiterhaufen stellen und seine Josephine (Inge Hochhaus) gleich mit dazu. Doch zum Glück taucht ein alter, kranker, einarmiger Söldner mit furchtbaren Schmerzen auf, in Wirklichkeit Leopold (Hans Dümpert), der treue und rundum gesunde Diener des Medicus. Der steckt ihn unter sein arabisches Wundertuch und verspricht : "Ihr werdet Zeugen einer wundersamen Heilung, wie sie die Welt seit Jesus Christus nicht mehr gesehen hat." Nach einem beschwörenden "abra kadabra simsalabim" mit Blitz und Donner kommt unter dem Tuch ein topfitter junger Mann hervor. Wen wundert‘s?


    Die Poppenläurer stehen sogleich Schlange, um sich heilen zu lassen. Mit Zahnweh, Halsweh , Hämorrhoiden , Hühneraugen und manchem mehr wird der Medicus konfrontiert. Einem Ritter (Dieter Villhauer) mit argem Zahnweh verpasst er vor dem Zahnziehen eine Narkose mit einem dicken Prügel - die kostet extra. Wichtigstes Instrument ist ein riesiges Messer. Damit will er Hälse, Hämorrhoiden und Hühneraugen abschneiden. Und Zähne reißt er auch. Alle haben davor viel zu viel Angst. Deshalb kaufen sie ihm für viel Geld wundersame Salben und Wässerchen ab. Die Frau mit dem Halsweh zum Beispiel würde "viel drum geben, wenn ich wieder mit meinem Mann um die Wette saufen könnte."

    Natürlich helfen die Mittelchen nicht. Deshalb muss sich der Medicus samt Frau und Diener alle paar Tage aus dem Staub machen. Dass mit der Flucht klappt aber diesmal nicht so recht. Die Kunde von dem Wunderheiler ist bis nach Maßbach gedrungen. Deshalb taucht sogar Fürst Siegesmund von Hohenzinken mit seiner Gattin Sieglinde von Hohenzinken (Elke Thomas) und dem Scharfrichter (Jürgen Bartenstein) auf.

    Die arme Sieglinde hat ein Problem: Eine furchtbar lange Nase, von dem sie der wie immer eigentlich ratlose Medicus befreien soll. Sein Diener Leopold taucht, verkleidet als alte Hexe mit riesiger Nase, plötzlich auf, wird unter das Wundertuch gesteckt und kommt als junge Frau darunter hervor, natürlich ohne lange Nase.

    Als der Fürst vom König eine Brieftaube bekommt, wird die Lage noch brenzliger als bisher: Dem König sind alle Zehen abgefallen, nachdem er sie mit einer Fußpilzsalbe des Medicus behandelt hat. Siegesmund will ihn gleichauf dem Dorfplatz köpfen lassen - da kommt ein königlicher Bote, um ihn an den Königshof zu bringen. Man ahnt es: Der Bote ist kein anderer als der schlaue Diener Leopold. Der Medicus ist gerettet.

    Die 25 Schauspieler und Regisseur Reiner Müller haben den Beifall für dieses rundum gelungene leichte Sommervergnügen redlich verdient. "Ich mache das nur übergangsweise dieses Jahr" sagt Müller. Im kommenden Jahr wird Udo Hochrein Regie führen. Das Stück ist auch bereits ausgesucht: " Dracula - Sippschaft mit Biss."

    Schauspieler Inge Hochhaus, Hans Dümpert, Dieter Villhauer, Elke Thomas, Jürgen Bartenstein, Fiorella Dünisch, Franziska Schneider, Armin Schüller, Karin Will, Monika Bartenstein, Gabi Martens, Friedel Bayer, Lisa Denner, Lisa Schüller, Malina Wenzel, Birgit Thomas, Ruth Werthmann, Jonas Rützel, Thomas Denner, Helma Gensler, Uli Hartmann, Benedikt Nöth, Peter Dinkel.

    Weitere Vorstellungen Freitag 20. und Samstag 21. Juli, Beginn ist jeweils 19.30 Uhr; Sonntag, 22. Juli 18.30 Uhr.

    Kartenvorverkauf in der Getränkehandlung Bieber in Poppenlauer . Informationen sowie Kartenbestellung online unter www.festspiele-poppenlauer.de

    Dieter Britz

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