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    Fuchsstadt

    Der Vorsitzendes des Kreisjugendringes Bad Kissingen im Gespräch

    Herr Kippes, was macht der Kreisjugendring eigentlich? Klaus Kippes: Der Kreisjugendring ist vor allem das Sprachrohr der Jugend. Wenn die Verbände an uns herantreten und sagen, welche Themen sie bewegen, dann werden wir tätig. Zudem kriegen wir jedes Jahr 95 000 Euro vom Landkreis plus 20 000 Euro speziell für Sportgeräte . Dieses Geld wird - auf Antrag - als Förderung für Freizeiten, Schulungen , Material und mehr ausgeschüttet. Da werden ganz schöne Summen bewegt.

    Gibt es feste Schlüssel oder muss man jedes Jahr neu sehen, wofür das Geld reicht? Bei Freizeiten gibt es einen festen Betrag pro Jugendlichen, der teilnimmt, und Tag. Für Material, das speziell für die Jugendarbeit genutzt wird, sind es maximal 30 Prozent. Bei der Feuerwehr kann das mal ein Zelt sein oder Küchen-Ausstattung. Die normale Feuerwehr-Ausrüstung fällt aber nicht drunter, weil sie ja nicht extra für die Jugend angeschafft wird.

    Und bei anderen Verbänden? Wir haben schon Schulpferde oder Hindernisbau bei Reitvereinen bezuschusst, der Eishockey-Verein kriegt etwas bei Schlägern oder Schutzausrüstungen dazu, Gewehrauflagen bei den Schützen oder Sportgeräte bei Sportvereinen...

    Was steht beim Kreisjugendring auf der Agenda? Wir haben momentan unser Schulungsangebot etwas reduziert, weil die Verbände ja auch eigene Strukturen haben. Gut besucht werden die Rechtsgrundlagen für Jugendbetreuer und der Kräsch-Kurs einmal im Jahr in Münnerstadt. Bei der EU-Datenschutzverordnung hat unsere Geschäftsstelle direkt beraten. Von den Verbänden beauftragt war ein Rhetorik-Seminar im Frühjahr, um besser auf Stammtisch-Parolen reagieren zu können. Im Herbst wollen wir auch mal draufschauen, was eigentlich die Kernaufgaben des Kreisjugendringes sind, und welche Rechte und Pflichten die Mitgliedsverbände haben.

    Bis zu welchem Alter zählt man beim Kreisjugendring eigentlich als Jugendlicher? Das geht bei uns bis 27.

    Wie sind Sie selbst zum Kreisjugendring gekommen? Mein Vorgänger als Kreisjugendwart der Feuerwehr war bereits 2. Vorsitzender beim Kreisjugendring. Wie dann der Wechsel war, wurde ich gebeten diese damit ebenfalls freigewordene Position auch gleich zu übernehmen. Deshalb bin ich stellvertretender Vorsitzender des Kreisjugendrings geworden. Die Feuerwehr hatte damals vier Delegierte, mit der neuen Satzung des BJR wurden die großen Verbände auf drei Delegierte herabgestuft.

    Und wie ging's ganz nach oben? Nach dem Rücktritt von Günter Schmitt habe ich den Kreisjugendring kommissarisch von März bis Juli 2017 geleitet. Zudem hatte ich ihn schon gelegentlich im Jugendhilfeausschuss vertreten. Im vergangenen Jahr wurde ich dann außer der Reihe gewählt, heuer hat mich die Vollversammlung regulär für zwei Jahre bestätigt.

    Wie ist der Kreisjugendring organisiert? Grundsätzlich bin ich der verantwortliche Kopf, und der Geschäftsführer hat eher administrative Tätigkeiten. Aber dadurch, dass er im Normalfall immer ans Telefon geht, ist er natürlich mindestens gleichwertig das Gesicht des Kreisjugendringes. Für repräsentative Aufgaben bin ich hauptsächlich zuständig, ich versuche auch, möglichst viele öffentliche Veranstaltungen wahr zu nehmen.

    Wie wichtig war für Ihre Entscheidung die Unterstützung durch die hauptamtliche Geschäftsstelle? Natürlich sehr wichtig, das Alltagsgeschäft wie Ausgabe des Materials - wir haben ja Zelte, Hüpfburgen, Fahrzeuge und vieles mehr - läuft alles in Hausen. Dafür haben wir zusätzlich noch zwei Materialwarte angestellt. Außerdem läuft ja die komplette Buchführung dort.

    Wäre dieses Konstrukt einer hauptamtlichen Entlastung für Ehrenamtliche auch eine Lösung für größere Kommunen? Ich wüsste nicht, dass es so etwas gibt, wäre sicherlich eine Möglichkeit, aber Kommunen tun sich ja gerade mit zusätzlichen Stellen sehr schwer. Es ist leichter, mal einen Zuschuss zu bekommen als eine Person.

    Und direkt von Vereinen oder Vereinsringen? Im Raum Aschaffenburg gibt es Modelle, bei denen Personen im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes für so etwas eingestellt werden. Aber dafür ist zum Beispiel Fuchsstadt viel zu klein. Außerdem sind ja bei uns viele in mehreren Vereinen, so dass sich die Vereine eh über vieles austauschen.

    Die Feuerwehr hat ja selbst eine starke Organisation, wie wichtig ist da der Kreisjugendring noch? Jeder Verband und jeder Verein kann froh sein über den Kreisjugendring. Zum einen gibt es eine große finanzielle Entlastung, zum anderen die Vernetzung: Ich habe zum Beispiel dort weitere Kontakte zu THW und Rotem Kreuz aufgebaut. Die Hilfsorganisationen arbeiten natürlich eh' zusammen, aber so kann man besser die Jugend-Schiene ausbauen. Die Feuerwehr stellt insgesamt drei Mitglieder im Vorstand des Kreisjugendringes: Neben mir als Vorsitzenden noch die beiden Beisitzer Erhard Hochrein aus Großenbrach und Christine Fell aus Haard. So stark war die Feuerwehr schon lange nicht mehr im Kreisjugendring vertreten, wenn überhaupt schon mal.

    Wieso ist es so schwierig, einen 2. Vorsitzenden zu finden? Das liegt wohl etwas an den einzelnen Verbänden, es gilt hier einen guten Kandidaten/in aus den eigenen Reihen für eine übergreifende Aufgabe vorzuschlagen. Doch diese Personen sind in den eigenen Reihen halt auch sehr gesucht. Wir werden das im Herbst auch wieder angehen. Laut Satzung muss sowieso in jeder Versammlung neu gewählt werden, solange ein Posten im Vorstand offen ist.

    Das heißt, dass jedes Treffen erst mal mit einer Zeit des Schweigens beginnt? Erzwingen kann man nichts, und wenn das jemand nur macht, damit die Totenstille überwunden ist, bringt uns das auch nichts. Es soll ja auch eine Entlastung sein. Der Kreisjugendring ist so führbar, aber es wäre schön, wenn jemand kommt und sagt: Jawoll, das mache ich gerne.

    Wie sieht es insgesamt mit dem Ehrenamt im Landkreis aus? Es läuft immer noch sehr viel im Ehrenamt. Ich mag diese Schwarz-Malerei nicht. Es wird viel gemacht, natürlich sinkt das Interesse, sich langfristig zu binden. Aber für Aktionen und auf kürzere Zeiten auch Jugendliche zu gewinnen, ist immer noch möglich. Wegen des demographischen Wandels geht die Zahl der Mitglieder in vielen Vereinen einfach zurück. Da funktioniert rein rechnerisch schon eine ständige Steigerung nicht Wo wenig Angebot da ist oder wo Themen nicht mehr modern sind, wird es auch zu schmerzhaften Veränderungen kommen.

    Wie zufrieden sind Sie mit der Unterstützung durch den Kreis? Im Vergleich mit anderen Kreisjugendringen sind wir, denke ich, gut aufgestellt. Ich habe seit meinem Amtsantritt einige Lehrgänge besucht und mich mit anderen Vorsitzenden ausgetauscht: Wir sind zufrieden. Die Zuschüsse, die Hilfe bei der Verwaltung und die Räume, die uns der Kreis in Hausen zur Verfügung stellt, bringen uns viel - auch die gute und enge Zusammenarbeit mit der kommunalen Jugendarbeit dort.

    Wie zeitintensiv ist das Amt? Es gibt immer wieder Schwankungen, mit der Geschäftsstelle telefoniere ich zwei bis drei Mal in der Woche, dann gibt es die Vorstandssitzungen und Einladungen. Dafür ist auch mal eine Woche gar nichts. Im Schnitt sind es mindestens zwei, drei Stunden die Woche.

    Und zum Abschluss die Frage: Wie ist Ihre Bilanz nach gut einem Jahr im Amt? In meine Zeit als kommissarischer Vorsitzender ist ja auch der Wechsel in der Geschäftsführung gefallen. Ich habe also eigentlich neu mit Christoph Stürmer angefangen. Wir haben uns beide eingearbeitet, er parallel zum Studium, ich musste einige Fortbildungen besuchen. Es waren neue Sachen, die ich vorher als Stellvertreter nicht auf dem Schirm hatte, dabei, aber es ist alles interessant und macht mir viel Spaß. Wir sind im Vorstand eine gute Truppe. Man sieht auch mal was anderes, es ist spannend, was sich auch andere überlegen, zum Beispiel unsere kirchlichen oder sportlichen Vertreter im Vorstand.

    Privat Klaus Kippes wohnt in Fuchsstadt , ist 41 Jahre alt und noch ungebunden. Er arbeitet beim Jobcenter Bad Kissingen als Arbeitsvermittler und führt die elterliche Landwirtschaft im Nebenerwerb weiter.

    Ehrenamt Klaus Kippes trat 1992 in die Feuerwehr Fuchsstadt ein und ist dort als Gruppenführer aktiv. Der Kreisjugendfeuerwehr gehörte er seit 2003 zunächst als Fachbereichsleiter Ausbildung und seit 2008 als stellvertretender Kreisjugendwart an. Im März 2012 folgte er Karsten Scheuring aus Albertshausen als Kreisjugendwart nach und wurde in der Folge Kreisbrandmeister. Zudem ist er 2. Vorsitzender der Museums- und Landmaschinenfreunde Fuchsstadt , Feldgeschworener und in der Kirchenverwaltung.

    Kreisjugendring Der Kreisjugendring Bad Kissingen (KJR) ist der Dachverband von 28 Jugendverbänden und -organisationen im Landkreis. Er vertritt die Interessen der Mitgliedsverbände in der Jugendarbeit. Dafür stehen rund 200 000 Euro jährlich zur Verfügung. Haupteinnahmequelle sind die Zuschüsse des Landkreises (siehe oben), hinzu kommen Leihgebühren für Geräte und Einnahmen aus Freizeiten und Schulungen . Zudem stellt der Kreis einen Jugendpfleger zu 70 Prozent als Geschäftsführer, seit Mai 2017 ist das Christoph Stürmer. Der KJR-Vorstand besteht aus zwei Vorsitzenden und sieben Beisitzern. Kippes rückte im Juli 2017 vom Stellvertreter zum Vorsitzenden auf, aktuell gibt es keinen 2. Vorsitzenden. rr

    Ralf Ruppert

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