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    Eltingshausen

    Der Wind hat sich in Eltingshausen gedreht

    Blick auf die bestehenden Windräder: Bei der Bürgerversammlung in Eltingshausen formiert sich heftiger Widerstand gegen den Bau von zwei weiteren Windrädern. Foto: Werner Vogel
    Blick auf die bestehenden Windräder: Bei der Bürgerversammlung in Eltingshausen formiert sich heftiger Widerstand gegen den Bau von zwei weiteren Windrädern. Foto: Werner Vogel

    Zwar ließ die nette Installation mit einer Liebeserklärung an den Wald am Eingang zum Gemeindesaal schon ahnen, dass die beiden Windräder , die noch auf Eltingshäuser Gemarkung errichtet werden sollen, Thema der Versammlung sein werden. Aber damit hatten Bürgermeister Franz Kuhn und die Gemeinderäte nicht gerechnet: Dass der Beschluss aus dem Jahr 2013, fünf Windkrafträder auf Gemeindegebiet zu genehmigen - von denen drei bereits gebaut sind - sechs Jahre später, von der deutlichen Mehrheit der anwesenden Bürger grundsätzlich in Frage gestellt wird.

    Neues Baugebiet für Eltingshausen

    In seinem Rechenschaftsbericht beschrieb der Bürgermeister zunächst die Situation der Großgemeinde. Für Eltingshausen von besonderem Interesse sei die Ausweisung eines Baugebietes von 3,2 Hektar an der Meininger Straße. Noch im Mai werde ein Planungsentwurf erwartet, der in diesem Jahr verabschiedet werden soll, damit die Erschließung der geplanten 31 Bauplätze zügig begonnen werden kann.

    Der Rathauschef berichtete, dass die Zufahrt zur Apotheke und zur zahnärztlichen Praxis, auch während der Bauphase der Eltingshäuser Straße, jederzeit gewährleistet ist. Er bestätigte, dass auch der zweite Keller des Englert-Hauses nicht zu erhalten war, und der Gemeinderat nun zwischen einem Lageranbau oder einer gestalteten Fläche entscheiden muss. Kuhn dankte Gemeinderat, Mitarbeitern im Rathaus und der Vereinsgemeinschaft Eltingshausen , die bei der Ertüchtigung der Spielplätze im Dorf wieder über 4000 Euro beigesteuert hat.

    Gegenwind

    Nach dem Rechenschaftsbericht des Bürgermeisters meldete sich Stefan Steuerwald mit einem leidenschaftlichen Appell an den Gemeinderat, den wertvollen Wald nicht für den Bau der Windräder zu opfern. "Wir haben so wenig Wald, und es ist so schön da draußen. Schaut's euch an, was da gefällt wird." Er schloss mit der eindringlichen Aufforderung: "Macht des net." Riesenbeifall gab es für dieses Statement und Türöffner für fast ein Dutzend Wortmeldungen zu diesem Thema. Die Argumentation des Bürgermeisters, dass der Beschluss bereits 2013 gefasst worden, mit allen Institutionen - auch dem Naturschutz - abgesprochen und genehmigt sei, überzeugte die Versammlung nicht. Auch dass der Abstand zur Besiedlung mit über 1550 bzw. 1850 Metern die 10H Regel nicht verletzt (der Abstand zur Besiedlung muss mindestens das zehnfache der Höhe des Windrades betragen), beruhigte die Gemüter nicht.

    Errichtung für 2020 geplant

    Der Bürgermeister erklärte, dass allein die seit der damaligen Genehmigung verschärften Richtlinien dazu geführt hätten, dass die beiden "Eltingshäuser Windräder " noch nicht gebaut wurden. Diese Anforderungen sind inzwischen berücksichtigt, sodass die Energieallianz noch in diesem Jahr das Baurecht anstrebt und 2020 die Errichtung plant. Das heizte die Diskussion weiter an - keine leichte Aufgabe für Versammlungsleiter Andreas Kukuk. Der Eltingshäuser Ortsreferent hatte alle Hände voll zu tun, die Situation nicht eskalieren zu lassen, weil die Emotionen teilweise überkochten. Vor allem aber, weil auch ein abgelesenes Statement Beifall fand, das mit pauschalen Vorwürfen und persönlichen Verunglimpfungen an den Gemeinderat die Grenze freier Meinungsäußerung überschritt. Es wurden aber auch viele sachliche Gründe vorgetragen. "Wir hören die Ramsthaler Windräder ", wurde argumentiert, und "die jetzt zu bauenden sind noch näher". "Wenn du da in den Wald gehst, ist das so laut, als würdest du auf einen Flughafen zulaufen", wurde die Geräuschemission zu einem wichtigen Thema. Auch dass der Rotmilan und Fledermauskolonien berücksichtigt worden sind, wie der Bürgermeister bestätigte, beruhigte nicht. "Man könnte Gründe finden, das zu blockieren" wurde argumentiert. Eine Bürgerbefragung wurde ins Gespräch gebracht, und Martin Müller argumentierte, dass in den Jahren seit der Genehmigung die Natur einen viel größeren Stellenwert erhalten hat: "Und die Summe der Wortmeldungen sollte dazu führen, die Situation neu zu überdenken." Das hinterließ Spuren beim Bürgermeister: "Bei den letzten Bürgerversammlungen war das kein Thema." Auch 2. Bürgermeister und Ehrenbürger Gerhard Fischer stellt sich die Frage, ob die vorgebrachten Argumente die Mehrheit der Versammlung oder die der Bevölkerung ist. Festlegen konnte sich keiner von beiden.

    Werner Vogel

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