• aktualisiert:

    Oberleichtersbach

    Die "Freundlichkeit des Herrn" als Leitmotiv in der Pfarreiengemeinschaft Oberleichtersbach-Schondra

    Pfarrer Armin Haas erläutert in seiner Predigt das Jahresmotto  "und seht wie freundlich der Herr ist". Foto: Horst Conze
    Pfarrer Armin Haas erläutert in seiner Predigt das Jahresmotto "und seht wie freundlich der Herr ist". Foto: Horst Conze

    Die Singenrainer Kirche war am Sonntagabend bis auf den letzten Platz besetzt. Die Besucher kamen aus den benachbarten Dörfern, unter anderem waren auch Christen aus Bad Brückenau dabei. Die Pfarreiengemeinschaft Oberleichtersbach-Schondra hatte zum "Anderen Gottesdienst" eingeladen. Seit neun Jahren versammeln sich Christen viermal im Jahr zu einem Gottesdienst mit ansprechenden Texten, Liedern und kreativen Inhalten. Ein Vorbereitungsteam unter Leitung von Pfarrer Armin Haas sammelt oder schreibt die Texte und studiert in jeweils ein bis zwei Proben die Lieder ein. Christine Platzer aus Schildeck ist von Anfang an dabei. Sie hat einige Fragen zum "Anderen Gottesdienst (AGD)" beantwortet.

    Woher stammt die Idee, Gottesdienste mal anders zu gestalten?

    Christine Platzer: Die Idee hatte ich schon in meiner Jugend. Wir waren sehr viel mit dem Motorrad unterwegs und besuchten gerne Motorrad-Gottesdienste und andere moderne Gottesdienste. Für das Neue Geistliche Lied konnte ich mich schon immer begeistern, einfach, weil ich die Texte mochte und ich mich gerne mal mit meiner Gitarre hinsetzte und spielte. Das war für mich schon Gebet. Umsetzen konnte ich diese Idee schon ein Stück weit bei den Kinder-Gottesdiensten, Gottesdiensten zum Weltgebetstag der Frauen und Wortgottesfeiern. Als mich Pfarrer Haas ansprach, ob ich mir vorstellen könnte, etwas andere Gottesdienste mitzugestalten, musste ich nicht lange überlegen. Das Paulus-Musical vor 10 Jahren, das wir zusammen mit der Stralsbacher Band "Nur Mut" aufführten, war sicher ein markanter Meilenstein in dieser Entwicklung.

    Seit wann machen Sie diese "Anderen Gottesdienste (AGD)"? Wieviele waren es bis jetzt?

    Seit fast neun Jahren sind wir dabei, neue andere Gottesdienste in der Pfarreiengemeinschaft Oberleichtersbach-Schondra anzubieten. Am 1. Advent 2010 war der erste Gottesdienst in Singenrain. Wir hatten am 2. Fastensonntag in Singenrain den 40. Anderen Gottesdienst.

    Wer macht beim "Anderen Gottesdienst"-Team mit?

    Im Kern-Team sind aktuell: Elke Breitenbach, Helga Römmelt, Dr. Jarmila Mahlmeister, Elsbeth Greifensteiner, Julia Stelzner und Carina Frenzel. Es waren schon viele andere mal eine Zeitlang dabei. Uns vom Kern-Team ist es wichtig, offen zu sein. Jeder, gleich welche Konfession, ist herzlich eingeladen, einfach dazuzukommen und mitzumachen. Egal, ob inhaltlich oder musikalisch. Deshalb stehen die Vorbereitungstermine auch immer im Pfarrbrief.

    Welche Rolle spielt Pfarrer Armin Haas im Team "Der Andere Gottesdienst"?

    Wir tragen Gedanken, Texte und Lieder zusammen, die uns so über den Weg laufen, und Pfarrer Armin Haas sortiert das mit uns gemeinsam bzw. setzt geistliche Schwerpunkte. Ich versuche das dann immer so zu sortieren, dass das ganze einen roten Faden bekommt. Daneben hat Pfarrer Haas die musikalische Leitung. Wir haben ein paar Musiker, die sich immer wieder ansprechen lassen und dabei sind. Es ist uns wichtig, dass sich keiner zu sehr in die Pflicht genommen fühlt, sondern mit Freude dabei sein kann. So proben wir auch nur ein- bis zweimal vor dem Gottesdienst, und irgendwie klappt es dann schon. Es erwartet ja keiner Perfektion, und das ist auch nicht nötig. Zu den ganz Treuen zählt auf jeden Fall unsere Geigenspielerin Laura Schneider aus Platz. Sie war schon beim Paulus-Musical dabei, kommt immer, wenn sie kann zum Gottesdienst und spielt einfach mit. Darüber freuen wir uns sehr!

    Wie kommen die AGDs bei den Menschen der Region an?

    Die Gottesdienste sind gut besucht, die Teilnehmer kommen aus ganz verschiedenen Orten. Die Resonanz ist sehr positiv! Wenn wir das zeitlich schaffen könnten, würden wir diese Gottesdienste gerne öfter anbieten, aber es ist schon ziemlich viel Aufwand. So basteln wir für jeden Gottesdienst ein Backhome, also etwas zum Mitnehmen für die Gottesdienstbesucher . Da sind die Teamer sehr kreativ. Das kann ein Fläschchen mit Weihwasser sein, ein gebasteltes Teelicht oder ein Weihnachtsstern mit einem Bibelimpuls. Beim letzten Gottesdienst gab es - passend zum Jahresmotto - für jeden eine Blumenzwiebel zum Einpflanzen. Wenn die Blume blüht, kann uns das wiederum an die Freundlichkeit Gottes erinnern, und wir werden daran erinnert, etwas für die Umwelt zu tun. Blumen pflanzen!

    Das Jahresthema der Pfarreiengemeinschaft Oberleichtersbach-Schondra lautet: "Und seht wie freundlich der Herr ist" Wie ist dieses Motto entstanden?

    Das Jahresthema "und seht wie freundlich der Herr ist", entstand im Pfarrgemeinderat. Julia Stelzner aus Schönderling und Pfarrer Armin Haas tendierten dazu, es für den AGD aufzugreifen. So haben wir überlegt, woher diese Freundlichkeit eigentlich kommt, und warum Freundlichkeit einfach gut tut. Passend zum Thema haben wir ein Bild gesucht. Vorschläge wurden von verschiedenen Christen aus der Pfarreiengemeinschaft zusammengetragen und über E-Mail diskutiert. Die meisten waren dann für ein Bild, dass Pfarrer Haas von seiner Schwester bekam. Die hatte mit ihrer neuen Digitalkamera Naturaufnahmen von Frühlingsblumen auf einer Wiese gemacht. Während dieser Zeit hat ihr Mann ihr diesen Blumenstrauß gepflückt. Wer genau hinschaut, sieht die Hand, die den Strauß überreicht. Ein schönes Beispiel für die Freundlichkeit der Menschen untereinander.

    Welche Impulse haben Sie aus dem Jahresthema für Euren Gottesdienst genutzt?

    Wir haben uns gefragt: Wo begegnet uns die Freundlichkeit des Herrn im Alltag? In der Natur und im Menschen. Im Wort Freundlichkeit steckt das Wort "Freund" Aus dem Gedanken heraus entstand die Präsentation mit dem Impuls "Danke für deine Freundlichkeit!", die wir beim AGD mit dem Beamer vorgestellt haben.

    Was ist Ihre Motivation, sich für den AGD zu engagieren?

    Rückblickend stelle ich fest, dass die Gottesdienste auch immer etwas mit mir und meinem Leben zu tun hatten. Das was ich für mich daraus mitnehmen konnte, war mir immer echte Lebenshilfe! Das möchte ich auch an andere gerne weitergeben und die Frohe Botschaft so weitersagen.

    Anfangs dachte ich immer, ich muss irgendwas für die inhaltlichen Treffen zu den AGD vorbereiten. Aber je länger ich dabei war, und je vertrauter wir im Team waren, desto mehr spürten wir, dass wir einfach nur offen sein mussten. Wir tauschen unsere Gedanken aus; alles andere fügt sich auf wunderbare Weise zusammen. Im Team erfahre ich sehr viel Herzlichkeit, Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Freundschaft. Es wird gerne und viel gelacht.

    Wann sind die nächsten AGDs geplant?

    Wir hatten in den letzten Jahren immer drei Gottesdienste über den Winter verteilt und einen Brücken-Gottesdienst im Sommer irgendwo im "Freien". Diese Open-Air-Gottesdienste sind sehr beliebt. Wir waren zum Beispiel schon auf der Platzer Kuppe oder am Lindenstumpf in Schondra. Es hat sich herumgesprochen, dass es im Anschluss immer noch was für die Gemütlichkeit gibt. So kommt man gerne noch ins Gespräch. Geplant ist der nächste Freiluft-Gottesdienst am Freitagabend, 12. Juli 2019. Einen Ort haben wir noch nicht festgelegt. Gerne nehmen wir Vorschläge entgegen.

    Das Interview führte Horst Conze

    Horst Conze

    Fotos

      Kommentare (0)

        Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!