• aktualisiert:

    Bad Kissingen

    Die Hauptakteure fehlen noch

    Beim Kissinger Sommer soll Fidelio aufgeführt werden - von einem Projektorchester mit Mitgliedern des Philharmonischen Orchesters des Landestheaters Coburg, studentischen Musikern und Laien.
    Mit kreativem Hochdruck und ein bisschen eiliger Nervosität zum "Fidelio" (von links): Johannes Klumpp, Till Kleine-Möller, Zuzana Pesselová und Tilman Schlömp.  Foto: Thomas Ahnert
    Mit kreativem Hochdruck und ein bisschen eiliger Nervosität zum "Fidelio" (von links): Johannes Klumpp, Till Kleine-Möller, Zuzana Pesselová und Tilman Schlömp. Foto: Thomas Ahnert

    Wäre " Fidelio " ein neu zu entwickelndes Auto, könnte die Sachstandsbeschreibung in etwa so aussehen: Die Karosserie steht im Wesentlichen, nur noch an einigen Ecken muss gefeilt werden. Für den Motor ist der Treibstoff schon festgelegt, aber er läuft noch nicht. Wer bei der Jungfernfahrt am Steuer sitzen wird, ist bereits bekannt. Nur die Frage, wer mitfahren wird, ist verhältnismäßig offen.

    Nun ist aber " Fidelio " die einzige Oper von Ludwig van Beethoven , die am 20. November 1805 im Theater an der Wien ihre Uraufführung erlebte: Eine klare Sache. Könnte man aus heutiger Sicht sagen. Aber tatsächlich passt die Autobeschreibung auch auf diese Oper und ihre frühe Leidensgeschichte, denn sie war vielfachem Wandel unterworfen. Schon der Titel wechselte von "Leonore" zu " Fidelio ", aus den drei Akten wurden zwei, das Libretto der ersten Fassung von Joseph Sonnleithner fiel durch und musste überarbeitet werden - später noch mehrere Male. Und es gibt vier Ouvertüren: dreimal Leonore, einmal Fidelio . Vom Dezember 1803 bis zum 23. Mai 1814, dem Tag der Uraufführung der dritten und endgültigen Fassung im Wiener Kärntnertor-Theater, war die Oper eigentlich ständig in der Werkstatt.

    Erste Absprachen

    Dass sie da jetzt wieder hinkommt, hat nichts mit Defekten zu tun. Die Erarbeitung und Aufführung von Beethovens Oper " Fidelio " steht - nicht ganz überraschend im Beethovenjahr - im Zentrum des Education-Projekts des Kissinger Sommers 2020. Und da muss dann schon einmal Hand angelegt werden. Den schließlich sind es ja nicht nur Profis, die an dem Projekt beteiligt sind. Und dann soll aus dem zweiaktigen, rund zweieinhalbstündigen Werk ein durchgehendes werden, das möglichst ohne Substanzverlust entsprechend gekürzt werden muss.

    Jetzt trafen sich die Verantwortlichen aus allen Bereichen im östlichen Eckrisalit des Luitpoldbades zu einer ersten Absprache und Grundlegung. Auch wenn dabei erste Entscheidungen getroffen wurden, wurde den Beteiligten auch mehr oder weniger erschreckend deutlich, wie viel noch zu klären, zu entscheiden und zu organisieren ist, bis sich am 18. Juli zum ersten Mal der Vorhang im Kurtheater öffnet.

    Musikalisch und dramaturgisch ist man schon etwas vorangekommen, wie der Regisseur Till Kleine-Möller und der Dirigent Johannes Klumpp erläuterten. Gespielt wird eine orchestral abgespeckte Version des Engländers Francis Griffin. Die Kürzungen werden vor allem erreicht durch das Streichen der Nebenrollen.

    Auftreten - und singen - werdender Gouverneur Don Fernando, der Kerkermeister Rocco, der Gefangene Florestan und seine Frau Leonore, die sich als Fidelio ausgibt. Alle anderen werden für den Fortgang der Handlung und für den Transport des Gedankengutes nicht zwingend gebraucht.

    Verschiedene Spielebenen

    Aber kürzen lässt sich auch gut bei den mitunter recht langen gesprochenen Rezitativen. Das hat zur Folge, wie Kleine-Möller betonte, dass die Oper in ihren "übrig gebliebenen" Originalteilen etwas umgestellt wird, um die Dramaturgie zu schärfen und die Verständlichkeit zu bewahren. Einigkeit scheint auch darin zu bestehen, dass auf der Bühne verschiedene Spielebenen aufgebaut werden, auf denen sich nicht nur die Solisten und Chöre bewegen, sondern auf denen sich auch das Orchester verteilt. Und mit denen sich gut die Verlies-Atmosphäre gestalten lässt. Das Problem war, dass der Orchestergraben nicht zur Verfügung steht, weil die Fläche für die Auftritte benötigt wird. "Wir hätten das Orchester auf die Bühne setzen können", so Kleine-Möller, "aber wir wollten eine Konzertsituation vermeiden. "

    Ausschreibung läuft noch

    Wer die Musik tatsächlich spielen wird, steht nur zum Teil fest: Die Kerntruppe besteht aus Musikern des Orchesters des Landestheaters Coburg. Dazu kommen Laien. Die Ausschreibungen an den fränkischen Musikhochschulen und ähnlichen Einrichtungen laufen noch. Es kann sich aber auch jeder melden, der glaubt, mit seinem Instrument den Anforderungen genügen zu können. Ende April beginnt die Vorspielphase.

    Mit den vier Wunschsolisten wurde bereits gesprochen. Sie müssen allerdings noch ihre Freigabe zu den einschlägigen Terminen klären. Auch mit Stadtkantor Burkhard Ascherl wurden wegen des Gefangenenchores und des Schlusschores bereits erste Gespräche geführt. Schließlich geht es bei einem Education-Projekt nicht zwangsläufig nur um Kinder.

    Aber gerade bei denen gibt es noch größere Fragezeichen. Wie bringt man Kinder in die Oper , die von Beethoven bestimmt nicht vorgesehen waren? Till Kleine-Möller scheint da einen Zugang gefunden zu haben, möchte aber noch nicht so recht raus damit.

    Offenbar wird er sie im Umfeld des Gouverneurs unterbringen: Die Einbindung soll in Disposition, Form und Inhalt auf die Musik ausgelegt werden, soll sich in die Handlung integrieren und nicht als Extranummer unterbrechend eingeschoben werden. "Bisher hat nur die Sinnberg-Grundschule ihr Interesse signalisiert. Die Schüler der anderen Schulen scheinen nach ihren Massenauftritten in den letzten Jahren offenbar erst einmal eine kreative Erholungspause zu brauchen. Aber die Türen sind noch offen."

    "Da müssen wir mehrgleisig fahren und noch jede Menge Details regeln", meinte Intendant Tilman Schlömp. Und wenn es auch nur so vermeintlich nebensächliche Dinge sind wie die Erstellung einer Übe-CD für die Chöre. "Für uns ist das alles neu und keineswegs Routine." Deshalb wurde mit Zuzana Pesselová auch eine Konzertagentin mit viel Erfahrung in Education eingeschaltet, die den Prozess begleitet und gegebenenfalls steuernde Hinweise geben kann.

    Eines ist Tilman Schlömp im Übrigen wichtig: "Der , Fidelio ' wird hier nicht zur Kinder- oder Familienoper gemacht, sondern bewahrt sich seine Ernsthaftigkeit." Auch wenn Kinder, wenn sie schon einigermaßen groß sind, die Oper verstehen können, ist die Zielgruppe des Publikums in diesem Jahr auf die Erwachsenen erweitert worden: "Das wird ein Angebot an das gesamte Festivalpublikum am Abschlusswochenende."

    Thomas Ahnert

    Kommentare (0)

      Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist leider schon abgelaufen. Sie können daher keine neuen Beiträge zu diesem Artikel verfassen!