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    Maßbach

    Ein anziehendes Maßbacher Theater

    Auch wenn der Arbeitsraum noch leer ist -  der neue Kostümfundus bereits umgezogen und eingeräumt, so dass auch Theaterpädagoginnen das Sams-Kostüm sofort finden. Julika Kren (links) orientiert sich weiter nach oben; sie geht zum Studium nach Berlin. Für sie ist von dort Dorothee Höhn gekommen. Foto: Thomas Ahnert
    Auch wenn der Arbeitsraum noch leer ist - der neue Kostümfundus bereits umgezogen und eingeräumt, so dass auch Theaterpädagoginnen das Sams-Kostüm sofort finden. Julika Kren (links) orientiert sich weiter nach oben; sie geht zum Studium nach Berlin. Für sie ist von dort Dorothee Höhn gekommen. Foto: Thomas Ahnert

    Auf der Freilichtbühne des Theaters Schloss Maßbach - Unterfränkische Landesbühne ist mit der letzten Vorstellung von Marc Camolettis "Das (perfekte) Desaster-Dinner" die Spielzeit 2018/19 zu Ende gegangen. Einen Rückschluss auf das Vergangene lässt der Titel allerdings nicht zu: "Die Freilichtsaison ist heuer sehr gut gelaufen", sagte Theaterchefin Anne Maar bei dem Bilanzpressegespräch. Das ist nicht wirklich überraschend. Denn zu den guten Stücken kamen das gute Wetter und der Umstand, dass es keine Konkurrenz durch eine Fußballwelt- oder -europameisterschaft gab.

    Die Zahlen sprechen für sich: Im Sommer 2018 waren 21.726 Besucher in die Freilichtvorstellungen gekommen; dieses Jahr waren es 24.528. Das bedeutet ein deutliches Plus von 2802 Personen oder über zehn Prozent. Auch die Jugendsparte verzeichnete Zuwächse mit insgesamt 12.686 jungen Gästen und Begleitern. Der Löwenanteil ging dabei natürlich an "Die Olchies kommen".

    Auch im Intimen Theater gab es noch eine kleine Steigerung auf 6053 Besucher. Das sind immerhin 20 mehr als im Vorjahr. Dass da nicht mehr viel Luft nach oben ist, zeigt die Platzauslastung von 89 Prozent. "Insgesamt", so Anne Maar , "haben wir über das ganze Jahr rund 55.000 Zuschauer erreicht." Da sind die Gastspiele natürlich eingerechnet.

    Sponsoren warten auf die Sponsoren

    Nicht so rosig sieht es bei der finanziellen Situation aus. Bei 1,1 Millionen Euro liegt der Jahresetat, von dem das Theater durch Erlöse aus Kartenverkauf, Gastspielhonoraren und anderen Marketingquellen die Hälfte erwirtschaftet. Die andere Hälfte kommt von Sponsoren wie dem Freundeskreis und vor allem von öffentlichen Händen: dem Freistaat Bayern, dem Bezirk Unterfranken , den Landkreisen Bad Kissingen, Schweinfurt, Haßberge, Rhön-Grabfeld und Schweinfurt sowie der Stadt Schweinfurt und dem Markt Maßbach . Anne Maar will nicht über deren Zahlungsbereitschaft klagen: 2017 wurden die Zuschüsse von allen Parteien um einiges erhöht. Aber seitdem dreht ein Teufelskreis: Der Freistaat Bayern würde seine Zuwendung genau um den Betrag erhöhen, um den die anderen Zuschussgeber gemeinsam ihren erhöhen. Aber die halten sich zurück, weil sie auf den Staat warten. Mit einem gewissen Bedauern schaut Anne Maar da auf das Bamberger E.T.A.-Hoffmann-Theater. Das hat zwar ein paar mehr Leute als Maßbach , spielt aber weniger Vorstellungen. Und es hat einen Etat von 5,1 Millionen Euro - die Einspielquote macht da keine 50 Prozent aus. "Ich würde unseren Leuten wirklich gerne mehr bezahlen", sagt sie. Denn die Gagen und Gehälter, die sie zahlen kann, liegen im Untersten des branchenüblichen Bereichs.

    Unternehmensberatung eingeschaltet

    Eine Unternehmensberatung, die Anne Maar eingeschaltet hatte, kam im Sommer zu einem nicht überraschenden Ergebnis. Die Fachleute bestätigten die deutschlandweit betrachtete Qualität der Maßbacher Arbeit als ausgezeichnet und beispielgebend. Aber mit der Konsequenz und Handlungsempfehlung, die am Ende herauskam, hatte man schon rechnen können: "Die Einnahmen erhöhen!" Da ist nicht sehr viel Luft. Immerhin hatte die Untersuchung gezeigt, dass nicht alle Gastspiele ihre Kosten decken. Deshalb sollen in der neuen Spielzeit einige Gagen erhöht werden. Anne Maar : "Die Zuschuss gebenden Landkreise sind davon nicht betroffen." Zudem soll im kommenden Sommer der Ticketpreis für die Freilichtbühne geringfügig um zwei Euro erhöht werden. Die Ermäßigungsansprüche bleiben aber bestehen.

    Eine "teilgute" Nachricht gibt es von der Neubaufront: Die neue Kostümwerkstatt ist nicht nicht ganz fertig. Es müssen noch eine Installationsarbeiten erledigt werden, zu denen bisher noch niemand gekommen ist. Zwar konnte der Kostümfundus mit seinen etwa 5000 Teilen schon in die neue Arbeitsstätte umgezogen werden. Aber die Nähmaschinen stehen immer noch im Haupthaus. Anne Maar hofft, dass bis Ende Oktober/Anfang November auch die umgezogen werden können, dass die frei werdenden Räume dann für Wohnzwecke umgebaut werden können.

    Personelle Veränderungen

    Auch personell gibt es vor allem Veränderungen, vor allem in der Theaterpädagogik: Julika Kren, die hauptamtliche Theaterpädagogin, geht nach Leipzig zum Fortbildungsstudium. Und Vera Rumpel, die eine halbe Stelle hatte, geht in Elternzeit. Für sie kommt Dorothee Höhn (34).Die Kulmbacherin studierte an der Athanor-Akademie Burghausen und arbeitete zunächst freiberuflich an Theatern und mit Theatergruppen in München, Nürnberg, Ansbach, Bamberg, Salzburg und Berlin. Nach einer Regieausbildung ging sie verstärkt in den theaterpädagogischen Bereich und leitete fünf Jahre Theaterprojekte in Berlin, unter anderem die Theatergruppe eines Kinderheims in Berlin-Hermsdorf. Sie wird in Maßbach unter anderem den Theaterjugendclub weiterführen und die Zusammenarbeit mit der Theaterpatenschule Burglauer betreiben. Bei den Beleuchtern geht Stefan Schoder nach Freiburg. Dafür kommt Robert Werthmann aus Zürich zurück.

    Thomas Ahnert

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