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    Kothen

    Ein Franke bläst den Marsch am Ostseestrand

    "Musik ist mein Leben." Der Vorsitzende des Musikvereines Kothen , Markus Witzel, ist - was nur wenige von sich behaupten können - ein Vollblutmusiker. Dort leitet er die Geschicke des Vereines und ist gleichzeitig noch Tubist in der Musikkapelle. " Kothen ist mein Lebensmittelpunkt. Hier habe ich meine Wurzeln, hier bin ich zu Hause", sagt er. 520 Kilometer weiter, an der Ostsee, ist sein berufliches Umfeld. Beim Marinemusikkorps Kiel gibt er mit der F-Tuba den Takt vor, damit das Orchester im Schritt bleibt.

    Zahlreiche Musikshows im In- und Ausland

    Das Marinemusikkorps Kiel ist in erster Linie truppendienstlich nicht nur für das Zeremonielle an Bord der Schiffe und Boote der Marine und auf der Pier eingesetzt, sondern teilstreitkräfteübergreifend auch für Verbände und Einheiten des Heeres und der Luftwaffe im Einsatz. Darüber hinaus erfreut das Marinemusikkorps Kiel seine Zuhörer bei einer Vielzahl von Wohltätigkeits- und Kammerkonzerten und repräsentiert die Bundeswehr auf zahlreichen Musikshows im In- und Ausland.

    Wie kommt man als "Rhöner Kind" zu den "Fischköppen"? Das sei ein langer Weg gewesen. Er fühlt sich in Schleswig-Holstein wohl, die Menschen dort müsse man mögen. Mit sieben Jahren habe er beim derzeitigen Leiter des Musikvereines Kothen Trompete spielen gelernt. Dieser war damals Ausbilder für Trompete . Eine ganze Zeitlang habe er in der Kothener Kapelle Flügelhorn gespielt. Mit 14 Jahren lernte er zusätzlich Kirchenorgel. "Ich habe dann meist drei Messen in der Woche musikalisch begleitet. Seit ich bei der Bundeswehr bin, hat sich das leider erledigt", erklärt er.

    Professionelle Musikausbildung

    Während seiner Ausbildung zum Energieelektroniker war von Musik keine Rede mehr. "Irgendwann in der Ausbildung habe ich gemerkt, ich möchte diesen Beruf nicht bis zu meinem Lebensende ausüben. Der Drang zur Musik war größer. Ich merkte, Musik ist meine absolute Leidenschaft. Mein größter Mentor war der damalige Leiter des Musikvereines Helmut Kraus , der mich förderte und mir als Vorbild diente. Also musste eine professionelle Musikausbildung her": Markus Witzel nahm bei Thomas Reuß nochmals Trompetenunterricht. Dieser habe ihm geraten, auf ein tieferes Instrument umzusatteln. "Das meiste Gefallen hatte ich am tiefen Blech. Also fiel die Entscheidung auf die Tuba . Ich musste mir alles neu erarbeiten. Hatte ich bei der Trompete den Violinschlüssel als Notenschlüssel, war es jetzt der Bassschlüssel. Auch die Griffe am Instrument für die Noten waren anders", so Markus Witzel. Bei dem Musiklehrer André Degand übte er die ersten tiefen Töne. Degand leitete ihn zur Abrundung der Ausbildung an den Solotubisten des Heeresmusikkorps 12 Veitshöchheim, Oskar Schwab, weiter, der für einen weiteren Feinschliff sorgte.

    Aufnahmeprüfung geschafft

    Markus Witzel schaffte die Aufnahmeprüfung am Zentrum für Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr in Düsseldorf. Da jeder Musiksoldat eine Sanitätsausbildung haben musste, erfolgte die Grundausbildung beim Lazarettregiment in Berlin. Nach drei Monaten stand die Versetzung zum Ausbildungsmusikkorps in Hilden an, und es folgte das Studium zum Orchestermusiker an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf bei den Professoren Hans Gelhar und Hans Nickel. Beide sind Koryphäen der Tuba-Musik. Nach dem Studium wurde er zum Heeresmusikkorps 300 in Koblenz versetzt. Vier Jahre war er mit dem Korps unterwegs. Auftritte mit dem Korps führten ihn auch in die USA nach Washington. Mit der Ernennung zum Berufssoldaten wurde er zum Marinemusikkorps Kiel versetzt und pendelt seitdem zwischen der Ostsee und der Rhön.

    Reisen nach Haifa (Israel), Beirut (Libanon), nach Neapel (Italien) oder Schottland waren einige Höhepunkte der Reisen mit dem Musikkorps Kiel. Zur Musik bei der Bundeswehr sagte er: "Wo hat man noch die Möglichkeit, professionelle Blasmusik, konzertant oder symphonisch, zu spielen? Für engagierte Musiker sind die Musikkorps der Bundeswehr ein interessante Berufsfeld."

    Nachwuchsarbeit und -gewinnung

    So oft es geht, ist er in Kothen , um die lenkenden und administrativen Aufgaben des Musikvereines zu übernehmen. "Mir ist es wichtig, zu zeigen, dass die kulturelle Vielfalt in einem Ort auch durch einen Musikverein bereichert wird. Nachwuchsarbeit und -gewinnung liegt mir sehr am Herzen. Gerade in den letzten drei Jahren konnte man viele positive Erfolge verzeichnen. Daraus ergab sich, dass 15 Kinder und Jugendliche aus Kothen und Speicherz den Weg zur Musik fanden. Darauf bin ich besonders stolz. Aber ohne die Unterstützung des Vorstandes, der Mitglieder und des Vereines könnte ich meine Vorstandarbeit nicht erledigen", so Markus Witzel bescheiden.

    Auf den 17. November freut er sich besonders. Da feiert man bei einem Kommersabend 140 Jahre Blasmusik in Kothen .

    Peter Klopf

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