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    Bad Kissingen

    "Ein Glas Rotwein am Abend schützt das Herz."

    Foto: contrastwerkstatt - stock.adobe
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    E in Aufschrei ging durchs Land, als die Medien die frohe Botschaft verkündeten: "Studien bestätigen die heilende Wirkung von Rotwein auf die Herzgesundheit." Manch einer stieß daraufhin so oft auf die Gesundheit an, bis die eigene ruiniert war. Aus dem Appell wurde inzwischen sogar ein regelrechtes Gebot: "Trinke täglich ein Glas Rotwein, um dich vor Herzinfarkt und Schlaganfall zu schützen", lautete das Credo. Doch was ist dran am Mythos, dass Alkohol und insbesondere Rotwein gut fürs Herz ist?

    Günstig für Herz-Kreislauf?

    Frankreich hat eine der niedrigsten Herzinfarktraten Europas. Die Sterberate ist in Deutschland zweieinhalbmal höher als beim westlichen Nachbarn . Kann das etwas mit dem hohen Weinkonsum der Franzosen zu tun haben? Es gibt tatsächlich viele Hinweise darauf, dass moderate Mengen an Alkohol vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützen können. Menschen, die täglich kleine Mengen Alkohol zu sich nehmen, scheinen ein niedrigeres Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall zu haben und etwas länger zu leben als komplette Abstinenzler. Das bestätigen mittlerweile zahlreiche Studien. Alkohol erhöhe demnach das gute HDL-Cholesterin und verdünne das Blut, so dass weniger Gerinnsel entstehen. Auch bei Stress entfaltet das "Nervengift" seine beruhigende Wirkung und senkt den Cortisolspiegel im Blut. Die Empfehlung der Wissenschaft lautet: Bei Frauen ist ein Achtel Rotwein gesundheitsfördernd, bei Männern die doppelte Menge. Doch wie so oft macht die Dosis das Gift.

    Obacht: Effekt kehrt sich um

    Langfristiger Alkoholkonsum mit deutlich mehr als ein bis zwei Getränken am Tag kehrt den positiven Effekt um. Menschen die sich danach richten, sterben früher. Ihnen drohen Organschäden, ein erhöhtes Risiko für Krebs sowie psychische Probleme und Abhängigkeit.

    Studien der Weinindustrie

    Gilt das nur für Rotwein oder auch für andere alkoholische Getränke? Dass sich der Mythos vom Rotwein als gesündestem alkoholischen Getränk so hartnäckig hält, ist vor allem den Bemühungen der Weinindustrie zu verdanken. Sie finanzierte die ersten Studien zum Gesundheitspotenzial von Wein. Noch heute entstehen auffällig viele Forschungsarbeiten in Kalifornien, Italien oder Frankreich, die den Inhaltsstoff Resveratrol als Wunderstoff feiern, weil die Substanz aus der Schale von roten Trauben antioxidativ und entzündungshemmend sei und obendrein Übergewicht vorbeugen soll. Fakt ist: Die günstigen Auswirkungen gelten nicht nur für Rotwein, sondern gleichermaßen für Bier und Schnaps.

    Ob der Alkohol zum Essen getrunken oder ohne feste Nahrung genossen wird, scheint zumindest für den Herzschutz egal zu sein. Für das Herz unerheblich ist zudem, ob die Wochenration regelmäßig über sieben Tage verteilt konsumiert wird oder ob alkoholfreie Tage eingelegt werden.

    Alkohol stoppt Fettverbrennung

    Bei mäßigem Konsum kann Alkohol eine positive Wirkung auf die Gesundheit haben. Die niedrigste Gesamtsterblichkeit wurde bei bis zu zwei Getränken pro Tag beobachtet. Mein Tipp: Aus gesundheitlichen Gründen mit dem Trinken von Alkohol zu beginnen ist keine gute Idee. Vor allem Menschen mit Übergewicht rate ich davon ab, täglich Alkohol zu konsumieren, weil die Fettverbrennung erlahmt und die Einlagerung von Körperfett erhöht wird. Schwangere sollten sowieso komplett auf Alkohol verzichten. Für alle anderen, die sich gerne ab und zu ein Glas Bier oder Wein einschenken, darf man nun auch gutem Gewissens sagen: Prost - auf die Gesundheit!

    Carmen Schmitt

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