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    Bad Kissingen

    Ein uralter Brauch

    Unser Archivbild zeigt einen Würzbüschel, gebunden von Irmgard Heinrich.  Foto: Archiv/Ronald Heck
    Unser Archivbild zeigt einen Würzbüschel, gebunden von Irmgard Heinrich. Foto: Archiv/Ronald Heck

    In den rund 1700 überwiegend katholischen Gemeinden Bayerns haben am Donnerstag, 15. August, Fabriken und Geschäfte geschlossen: Gefeiert wird das Hochfest "Mariä Himmelfahrt".

    In Unterfranken sind nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Statistik 268 von insgesamt 308 Gemeinden überwiegend katholisch. Hinter "Mariä Himmelfahrt" verbirgt sich theologisch korrekt gesprochen das Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel: Maria sei mit Leib und Seele als ganzer Mensch in die Herrlichkeit Gottes aufgenommen worden. Diesen Glaubenssatz erhob Papst Pius XII. nach Befragung aller Bischöfe am Allerheiligenfest 1950 zum Dogma.

    Vor Unwetter schützen

    Traditionell mit dem Hochfest verbunden ist der Brauch der Kräuterweihe. Sieben oder neun bis 77 Kräuter sind es, die traditionell in den Weih- oder Würzbüschel, Marienwisch, Würzwisch oder Sangen genannten Sträußen zu finden sind. Darunter Johanniskraut, Kamille, Minze, Wermut, Wohlmut, Majoran, Holunder, Beifuß, Schafgarbe, Basilikum und Sonnwendkraut. Dazwischen sind mitunter auch eine Königskerze, eine Rose oder Getreideähren vertreten.

    Die Kräuterbüschel sollen nach Volksglauben vor Unwettern oder Krankheiten schützen, indem sie auf dem Dachboden aufgehängt, im Herd verbrannt oder dem Essen oder Viehfutter beigemischt werden. In manchen Gegenden werden die Pflanzen und Kräuter , die am Mariä-Himmelfahrts-Tag in den Kirchen geweiht werden, auch Kindern und Jungvermählten ins Bett oder Toten in den Sarg gelegt. Das Marienfest war einst auch der Tag der Apotheker und Drogisten, der Gärtner und Blumenhändler, der Gewürzkrämer und Parfümeure.

    Bis in die vorchristliche Zeit

    Der Brauch der Kräuterweihe geht bis in die vorchristliche Zeit zurück. Schon die Ägypter, Griechen, Römer und die germanischen Völker kannten die Heilkraft bestimmter Pflanzen. Im Mittelalter wurde der Brauch christianisiert, indem die Wirkung der Gewächse auf Gott und die Fürsprache Marias zurückgeführt wurde. Die frühesten Belege stammen aus dem 10. Jahrhundert.

    Die christliche Legende, die der Kräuterweihe zu Grunde liegt, dreht sich um die Himmelfahrt Marias: Als die Apostel nach drei Tagen das Grab der Muttergottes öffneten, fanden sie statt des Leichnams duftende Blumen und Kräuter darin.

    Zu Mariä Himmelfahrt beginnt der "Frauendreißiger", der bis zum Fest Mariä Geburt am 8. September beziehungsweise bis Mariä Schmerzen am 15. September gezählt wird. In dieser Zeit sind die hiesigen Kräuter voll ausgereift. Die teils darin vorhandenen Gifte sollen ihre Schärfe verloren haben. Auch dieses christliche Brauchtum lässt sich auf das Fasten der Germanen vor den Erntefesten zurückführen.

    An zahlreichen Wallfahrtsorten im Bistum Würzburg werden Mariä Himmelfahrt und die folgenden Marienfeste besonders feierlich begangen. Beeindruckend ist die Feier am Maria Ehrenberg in der Rhön. pow

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