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    LKR Bad Kissingen

    Eine emotionale Achterbahnfahrt an der Sinn

    FC Bad Brückenau - TSV Rödelsee 27:29 (9:13).
    Was haben die Handballer des TSV Rödelsee am Rande des Steigerwaldes nicht schon alles erlebt in den zurückliegenden Jahren. Meisterschaften in der Bezirksoberliga und Landesliga bis hin zum Titel des bayerischen Meisters und schließlich der Start voller Emotionen als kleinstes Bundesligadorf Deutschlands in der dritten Liga. Doch der Verein musste aus wirtschaftlichen Gründen im Jahr 2016 plötzlich die Notbremse ziehen. Der Neubeginn in der Bezirksoberliga soll aktuell dazu beitragen, dass der TSV finanziell konsolidiert wird. Rein sportlich gesehen gibt sich der souveräne Tabellenführer aus dem Kitzinger Landkreis seit vielen Wochen kaum eine Blöße und hält sich eisern auf dem unterfränkischen Spitzenplatz. Für den höherklassig noch völlig unerfahrenen Aufsteiger aus der Sinnstadt zweifellos die härteste Nuss, die es im Kampf um den Klassenerhalt derzeit zu knacken gilt. Aber die Mannen von Coach Oliver Hilbert-Probeck gehen auch gegen schier übermächtige Gegner optimistisch eingestellt zu Werke. "Daheim ist doch immer wieder eine Überraschung möglich", sagte der FC-Trainer kurz vor dem Match zuversichtlich.


    Zum Kontern eingeladen

    Und der Bad Brückenauer Coach sollte tatsächlich eine faustdicke Überraschungen erleben, allerdings nicht unbedingt immer positiver Natur. Denn derart stark verunsichert, phasenweise orientierungslos und hochgradig nervös hat man den FC im heimischen Hexenkessel nur ganz selten erlebt. Die routinierten und technisch äußerst versierten TSVler Sascha Hammer, Michael Burger, Stefan Pruy, Thomas Endriß und Moritz Reichhard wurden gerade im zweiten Durchgang so häufig zu Kontern geradezu eingeladen, dass einem Angst und Bange werden konnte. Bisweilen wuchs der Vorsprung des Tabellenführers auf stolze sieben Tore an. Dass die Handballer aus Rödelsee auf dem Spitzenplatz thronen, kommt nicht von Ungefähr. Zwar sind die TSVler mit den körperlich starken Teams aus Gerolzhofen, Schweinfurt oder auch Volkach überhaupt nicht zu vergleichen. Aber die eher zierlichen und leichtfüßigen Rödelseer setzen auch gar nicht auf Brachialgewalt, sondern auf Tempo, Teamgeist und Torgefährlichkeit. Selbst für die keineswegs langsamen Bad Brückenauer ging es teilweise einfach viel zu schnell. Und so musste Coach Hilbert-Probeck seinem personell derzeit stark ausgedünntem Team, das im zweiten Durchgang phasenweise auseinander zu fallen drohte, neuen Mut zusprechen. Die emotionale Brandrede des Trainers verfehlte nicht ihre Wirkung, denn in der Schlussphase zeigten die teilweise gesundheitlich stark angeschlagenen Sinnstädter endlich, dass sie eben auch einen schnellen und absolut sehenswerten Handball spielen können. Der späte Doppelpack des unerschütterlichen Michael Müller stand sinnbildlich für die eindrucksvolle Schlussoffensive der FCler, die immer wieder die Torhüterposition auflösten und am Ende doch noch eine tolle Moral bewiesen. Der Tabellenprimus aus dem Steigerwald ertrug das späte emotionale Aufbäumen der FCler mit kühlem Kopf und ganz viel Gelassenheit. Die TSVler haben schließlich schon ganz andere Sachen erlebt.
    Tore für Bad Brückenau: Simon Dietrich (10/7), Simon Weiner (4), Michael Müller (4), Nick Übelacker (3), Tom Schumm (2), Alexander Bauer (2), Peter Karl (1), Max Puschner (1).
    FC Bad Brückenau - TSG Estenfeld 25:16 (11:9).
    Die Aufsteigerinnen legten los wie die Feuerwehr und überrannten die verdutzten Gäste förmlich. Nach nicht einmal fünf Minuten hatten Katharina Probeck, Melissa Kalmund, Lena Übelacker, Jennifer Frank und Sophie Gundelach für eine überraschende 5:0-Führung gesorgt. Überraschend deshalb, weil die Sinnstädterinnen in der Vorrunde sang- und klanglos gegen die TSG untergegangen waren. Doch die anfängliche Euphorie legte sich im Verlauf der ersten Halbzeit schnell wieder, denn es sollte Zeitstrafen gegen die kompromisslosen Bad Brückenauerinnen hageln. Erst erwischte es Katharina Probeck, dann Jennifer Frank, wenige Sekunden später Lena Übelacker und kurz vor der Pause Sabrina Beck. So kämpften sich die Estenfelderinnen klammheimlich auf 11:9 heran und schöpften neuen Mut für den zweiten Durchgang. Doch das heimische Team von Nadine und Michael Pragmann hatte aus dem Zeitstrafen-Debakel in der ersten Halbzeit gelernt und besann sich fortan auf die eigenen Stärken. Hinten hielt nun Annalena Löser mit tollen Paraden den Kasten sauber und im Spiel nach vorne sorgten Jennifer Frank, Theresa Löser, Marie König und Lena Übelacker für viele sehenswerte Konter, mit denen die nicht immer sattelfeste Estenfelder Defensive sehr leicht zu knacken war. Bei den Gästen, die stolze acht Siebenmeter zugesprochen bekamen, machte sich in der Schlussphase sichtlich Resignation breit. Denn immer wieder wurden die TSGlerinnen gnadenlos effektiv ausgekontert. So täuscht das überdeutliche Ergebnis am Ende ein wenig über die Spielanteile hinweg, denn die Gäste waren keineswegs derart chancenlos. Doch in Sachen Geschwindigkeit, Umschaltspiel und Chancenverwertung hatte der FC diesmal die Nase weit vorne und freute sich schließlich über ein geglückte Revanche.
    Tore für Bad Brückenau: Jennifer Frank (8/2), Katharina Probeck (5), Sophie Gundelach (3), Lena Übelacker (3/1), Melissa Kalmund (2), Theresa Löser (1), Sabrina Beck (1), Marie König (1), Sabine Bott (1).

    TV/DJK Hammelburg - TV Gerolzhofen 17:24 (8:9).
    In Abstiegsnöten bleiben Hammelburgs Handballerinnen nach der deutlichen Niederlage gegen Gerolzhofen. Nur in der ersten Halbzeit hatten die Saalestädterinnen Paroli bieten können, die zur Pause nur mit einem Treffer zurücklagen. Insbesondere fehlten diesmal die Treffer von Torjägerin Nicole Schröter, die nur einmal erfolgreich war. Auf Seiten der Gäste war dagegen Amelie Dornberger kaum zu stoppen, die gleich zehnmal einnetzte. "Vor allem in der Abwehr waren wir zu lasch. Da hat uns unsere Abwehrchefin Helen Faust gefehlt. Unser einziger Lichtblick war Laura Finke, die ihre Chancen zu sechs Treffern nutzte. Jetzt machen wir erst einmal zwei Wochen Pause, dann müssen wir nochmal Gas geben", so Schröter. js
    Tore für Hammelburg: Laura Finke (6), Sabine Finke (2), Celia Reuter (2), Nicole Simon (2), Katrin Simon (2), Nicole Schröter (1), Annika Schmitt (1), Lena Doschko (1).

    TG Schweinfurt - DJK Nüdlingen 19:31 (7:17).

    "Unsere 6:0-Abwehr hat super gestanden, das war der Schlüssel zum Erfolg", äußerte sich DJK-Trainer Oliver Speck zum Sieg bei den mit nur zwei Wechselspielern angetretenen Schweinfurtern, die bereits zur Pause jegliche Hoffnung auf eine Überraschung gegen den Tabellenzweiten verloren hatten. Zehn Minuten hatten die Nüdlinger zu Beginn gebraucht, um ihren Rhythmus zu finden, dann wurden die Gegenstöße nach Ballgewinnen in der Abwehr immer besser in Tore umgemünzt. Die jeweils eine Halbzeit eingesetzten Torhüter Manuel Bott und Felix Schäfer trugen ihren Teil zum Kantersieg bei. Zudem bekamen alle Bankspieler reichlich Gelegenheit, auf sich aufmerksam zu machen. js
    Tore für Nüdlingen: Bastian Kiesel (8), Maximilian Memmel (8), Andreas Petsch (5), Alexander Schmitt (3), Jonas Rendl (3), Patrick Spiller (2), Florian Kreil (1), Vincent Przybilla (1). Sebastian Schmitt

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