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    Roth an der Saale

    Eine Hand voll Leben

    Halb tot wurde dieses drei Wochen alte Eichhörnchen zur Wildtierstation nach Roth gebracht. Foto: Theresa Kneuer
    Halb tot wurde dieses drei Wochen alte Eichhörnchen zur Wildtierstation nach Roth gebracht. Foto: Theresa Kneuer

    Seit etwas über sechs Jahren besteht sie nun schon: Die Wildvogelstation Rhön-Saale e. V. Zunächst nur im Landkreis Rhön-Grabfeld, wo sich jetzt unter anderem Auswilderungsstationen befinden. Vor etwa drei Jahren zog die Quarantänestation nach Roth, wo sie die erste Anlaufstelle für verletzte Wildvögel bildet. "Seit drei Jahren kümmern wir uns zusätzlich auch um Klein- und Raubsäuger und seit 2018 besteht die Wildtierstaion als anerkannter und gemeinnütziger Verein", erklärt die Leiterin der Einrichtung, Theresa Kneuer.

    Wird ein Tier dort vorbeigebracht, durchläuft es verschiedene Stationen: Zunächst wird es von einem der ausschließlich ehrenamtlichen Mitarbeiter durchgecheckt, bekommt eine Nummer und wird ins Bestandsbuch aufgenommen. Auch vereinseigene Tierärzte stehen bereit, um dem Tier zu helfen. Die Wildvogelstation arbeitet eng mit einer Kleintierklinik aus der Region, sowie dem Universitätsklinikum Gießen zusammen, um eine bestmögliche Versorgung zu gewährleisten. Das verletzte Tier verbleibt in der Quarantäne, bis es stabil ist, bevor es schließlich in eine der Außenstellen und zuletzt in ein Auswilderungsgehege gebracht wird. Wichtig ist dabei, den Quarantäneaufenthalt so kurz wie möglich zu halten und die Tiere möglichst schnell wieder in artgleiche Gesellschaft zu bringen. So soll vermieden werden, dass sie sich zu sehr an den Menschen gewöhnen, erklärt Theresa Kneuer.

    Unerwartete Hilfe

    Die Wildvogelstation finanziert sich ausschließlich über Spenden und diese sind dringend notwendig: Allein letztes Jahr hatte sie über 12 000 Euro an Versorgungskosten zu stemmen - für Futter, Medikamente und vieles mehr, die laufenden Kosten noch nicht mitgerechnet, so die Leiterin. Größtenteils erhält die Station Kleinspenden, wird aber auch vom Landkreis Rhön-Grabfeld sowie der dortigen Naturschutzbehörde unterstützt. "Aber auch mit den Bad Kissinger Behörden sind wir mittlerweile in guten Gesprächen", sagt Theresa Kneuer. Weiterhin haben einige Firmen der Einrichtung schon geholfen. So spendete Anton Schick von der Anton Schick GmbH & Co. KG, der die Station schon seit Langem unterstützt, vor nicht allzu langer Zeit einen Inkubator im Wert von über 1000 Euro. Doch seine Hilfe ist nicht nur finanzieller Art. Auf eine Anfrage der Wildvogelstation hin, ob ihnen denn jemand einen Minibagger leihen könne, meldete er sich und schickte prompt ein fünf Mann starkes Bauteam, sowie einen Bagger und einen Kipplader vorbei. Einen kompletten Tag lang - inklusive Nachtschicht - war das Team damit beschäftigt Bauschutt abzutransportieren, das Fundament für eine neue Vogelvoliere zu schaffen und eine "Bienenweide" anzulegen. Für die Voliere fehlt jetzt lediglich noch eine möglichst naturnahe Bepflanzung, für die sich Theresa Kneuer Unterstützung von regionalen Gärtnereien erhofft.

    Immer mehr Tiere aufgenommen

    Zur Wildvogelstation gekommen sei Anton Schick , als er selbst einmal einen Waldkauz von der Straße gelesen und in der Partner-Tierklinik vorbeigebracht habe, erzählt die Leiterin. Über diese gelangte das Tier dann in die Station und konnte schließlich, wie bereits viele andere Wildtiere , erfolgreich wieder ausgewildert werden. Allein letztes Jahr waren es der Stationsleiterin zufolge zwischen 200 und 300 Tiere und es werden immer mehr. Das läge zum einen daran, dass mit der Zeit der Bekanntheitsgrad der Station gestiegen sei. Zum anderen herrsche gerade für die Vögel, welche sich ausschließlich von Insekten ernähren, im Moment Nahrungsknappheit, da es immer weniger Insekten gäbe. Das bedeutet natürlich viel Arbeit für Theresa Kneuer und ihren Mann, die beide berufstätig sind. Arbeit, die schon der Finder eines vermeintlich verletzten oder hilfsbedürftigen Wildtiers reduzieren kann, indem er zuerst in der Station anruft und auf Nachfrage hin gegebenenfalls ein Bild schickt, bevor er das Tier einsammelt. "So kann vermieden werden, dass ein Tier unnötigerweise vorbeigebracht wird. Etwa 30 Prozent weniger Tiere würden wir dann erhalten", schätzt die Stationsleiterin.

    Größeres Gebäude gesucht

    Und das wäre eine große Erleichterung. Immerhin ist die Wildvogelstation die einzige im Umkreis und bekommt teilweise sogar Anfragen vom Tierheim in Stuttgart. Sie muss aber in erster Linie versuchen, Tiere aus der direkten Umgebung aufzunehmen. Mittelfristig gesehen reicht der Platz in der Quarantänestation in Roth deswegen einfach nicht mehr aus, weshalb Theresa Kneuer schon seit Längerem auf der Suche nach einem Aussiedlerhof oder einem größeren Haus mit Nebengebäude und großer Rasenfläche ist. Über jeden Hinweis diesbezüglich wären sie und die Bewohner der Wildtierstation sehr dankbar. Zu erreichen ist sie unter Tel.: 0171 5159064, der offiziellen Nummer der Wildvogelstation, die natürlich auch bei Wildtier- oder Wildvogelfunden angerufen werden kann.

    Leonie Hauck

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