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    Elfershausen

    Elfershausen feiert sein Marktrecht

    Anregend heiter und mit viel Bezug zur Region lockte Elfershausen Tausende zum Marktfest
    Glücklich, wer sich als Kommune Markt nennen darf! Schon im Mittelalter konnte sich ein Markt nur etablieren, wenn der Ort an einer wichtigen Straße lag, ein schiffbarer Fluss und eine Brücke den Handel erleichterten und wenn die Obrigkeit das auch noch genehmigte. Altbürgermeister Alfons Karl führte 1965 das Marktrecht der Gemeinde Elfershausen wieder ein und 1975 wurde erstmals ein Marktfest veranstaltet, das inzwischen zu einem Geheimtipp in der Region geworden ist. Weil das Ambiente des Ortes gut passt, der Schlosshof einbezogen werden kann und Marktstände, Musik, Imbissbuden, Ausstellungen und Aktionsflächen tatsächlich bis an die Saalebrücke reichen.
    Der ganz besondere Charme liegt in Elfershausen aber darin, dass die Bürger den Markt als Fest gestalten, dass viel Wert auf Anbieter aus der Region gelegt wird und viele Elfershäuser selbst einen Stand aufgebaut haben. Beileibe nicht nur nett hergerichtete Flohmarkttische.


    Künstler und Elfershäuser Sommertraum

    Bildhauer Lorenz-Peter Emmert hat sein Elfershäuser Atelier verlassen, und zeigt eine Auswahl seiner Werke und hat Meißel, Zahneisen und Klüpfel in seinen Stand mitgebracht. Er arbeitet an einem großen Modell der Trimburg aus einem Buntsandsteinblock. Gut zu erkennen der markante Turm und die Staffelgiebel, die Fenster werden gerade ausgearbeitet. Interessiert schauen Monika und Frank Stieber vom Ammersee dem Künstler über die Schulter.

    Ein paar Schritte weiter bietet der Potatis-Hof nicht nur Kartoffeln, Gewürze und Brotaufstriche, sondern edle Brände, Liköre und als Marktrenner den "Elfershäuser Sommertraum" an: Vanilleeis mit Likör und Sahnehaube. "Da kann ich einfach nicht widerstehen", meint Andrea Seufert, die der Hitze getrotzt und mit ihrem Mann eine Radtour von Reiterswiesen zum Marktfest unternommen hat. Natürlich fehlen auch die kommerziellen Anbieter nicht, es gibt Hüte, glutenfreie Dinkelnudeln und Geduldspiele aus Holz, lange Schlangen bilden sich an der Eisbude. Aber auch die einheimische Baufirma Ullrich lässt es sich nicht nehmen, beim Marktfest dabei zu sein, hat an der Saalewiese eine Station aufgebaut und Baggerfahrer Sandro Hufnagel nimmt sich viel Zeit, um dem 14-jährigen Jeremias Hebel und Schalter des Minibaggers zu erklären und er schafft es tatsächlich, eine Schaufel aus einem Container in den anderen zu transportieren.


    Motorisierte Raritäten und idyllische Winkel

    Ein echter Hingucker sind auch die Oldtimer des AMSC Hammelburg. Liebevoll ausgestattet, die beiden VW Cabrios in rot und grau-weiß. Für Kenner eine Wucht, der NSU Prinz TTS Sport von 1976 mit der typisch, leicht geöffneten, Heckklappe, wie Ehrenvorsitzender Johannes Deinlein erklärt.
    Ein wenig abseits des Trubels haben Carola und Willie Schneider "die ganz idyllisch gelegene Vinothek" des Weinguts Hümmler entdeckt. Doch etwas mitgenommen von der Fahrradtour aus Ebenhausen, stärken sie sich mit einem Nachmittagsschoppen, bevor es wieder zurück geht: "Schließlich wartet der Berg von Ramsthal noch auf uns", lacht Carola.
    Derweil heizen im Schlosshof die Waldfensterer Rucksackmusikanten dem Publikum ein, singen Volkslieder und Gassenhauer, die jeder kennt. Ein Blick ins Liederheft genügt und es formiert sich ein stimmgewaltiger Chor bei "Hoch auf dem gelben Wagen" oder "Wir wollen zu Land ausfahren". Kaum ein Platz zu kriegen, und wenn der Krug leer ist, muss man doch eine Weile vor dem Zapfhahn anstehen. Vor dem Tor hat Heidi Andriessens ihr Märchenzelt aufgeschlagen und entführt die Kinder aus der ziemlich lauten Realität in ferne stille Märchenwelten.
    Vor dem prächtig mit Geranien und Oleander geschmückten Steinhaus in der Schlossstraße haben Straßenmusikanten eine kleine Pappschachtel aufgestellt. Viele Silbermünzen und kleine Scheine darin zeigen, dass sie gute Musik machen. Hati kommt aus Damaskus und Dante aus Hama. Die beiden Syrer kamen vor drei Jahren nach Würzburg und haben sich als Straßenmusiker und mit einer Band gut in Deutschland integriert. Schön, dass die Gemeinde die beiden verpflichtet haben. Weltoffenheit steht auch dem Marktfest in Elfershausen . Werner Vogel

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