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    Münnerstadt

    Er hatte das "schönste Amt"

    Paul Beinhofer (links), ehemaliger  Regierungspräsident erhält eine Tasse des Juliusspitals als Dank von Moderator Eugen Albert. Foto: Anneliese Albert
    Paul Beinhofer (links), ehemaliger Regierungspräsident erhält eine Tasse des Juliusspitals als Dank von Moderator Eugen Albert. Foto: Anneliese Albert

    Paul Beinhofer, ehemaliger Regierungspräsident, erinnerte sich gut an Besuche in Münnerstadt , zum Beispiel bei der Einweihung des Betreuten Wohnens im Juliusspital, bei der Einweihung des Bestatterzentrums und bei Kunstausstellungen in der Alten Aula. Schmunzelnd erzählte er von einem Besuch im Johann-Philipp-von-Schönborn- Gymnasium anlässlich der Einführung des achtjährigen Gymnasiums. Dabei war auch hoher Besuch aus München angekündigt, nämlich der damalige Ministerpräsident Dr. Edmund Stoiber und Kultusministerin Monika Hohlmeier . Stoiber war dafür bekannt, dass er oft mit Verspätung eintraf. In diesem Fall jedoch war er zum Erstaunen des Regierungspräsidenten der erste der da war.

    Seine eigentliche Erzählung begann er mit einem Rückblick auf seine Kindheit und Jugend. Er wurde 1953 in München - Schwabing geboren und wuchs dort in behüteten Familienverhältnissen auf. Auswirkungen des Krieges verspürte er dabei in seiner Familie. Zwei Onkel waren im Krieg gefallen. Er erinnerte sich auch an Ruinengrundstücke in der Nachbarschaft. Hier und auf dem Schuttberg der Stadt Münchens, wo später das Olympiazentrum gebaut wurde, waren für ihn und seine Kameraden Abenteuerspielplätze. Seine Kindheit war von einer positiven Grundstimmung geprägt. In der Gesellschaft ging es nach dem Krieg stetig aufwärts. Er erinnerte sich auch, dass er in der Grundschule in einer reinen Knabenklasse mit 50 Mitschülern von einer älteren Lehrerin unterrichtet wurde. Er bekam damals aber auch mit, dass es in der Welt gefährlich war. Beispielhaft nannte er dabei die Kubakrise und die Ermordung Kennedys. Sein Vater war Offizier und fuhr an solchen Tagen schnell in die Kaserne, da er einen Ausbruch des "Kalten Krieges" befürchtete. Sein Vater meldete ihn im Humanistischen Gymnasium in München an. Rückblickend war er dankbar für die Beschäftigung mit den alten Sprachen und dem philosophischen Gedankengut der Antike. Sein Lieblingsfach war Geschichte. Nachdem er ein ausgezeichnetes Abitur abgelegt hatte, wurde er als Stipendiat in die Maximilianeumsstiftung des Bayerischen Staates aufgenommen. Er wohnte während seines Jurastudiums zusammen mit anderen Hochbegabten im Gebäude des Maximilianeums, das nun den Bayerischen Landtag beherbergt. Nach Abschluss seines Studiums promovierte er in Verfassungsrecht. Er wollte weder Rechtsanwalt noch Richter werden. Auch die universitäre Laufbahn schlug er aus. Den Juristen Beinhofer interessierte besonders die Mitgestaltung des gesellschaftlichen Zusammenlebens nach den Grundsätzen des Rechtsstaates. So trat er in die Bayerische Innere Verwaltung ein. Er arbeitete in der Kommunalaufsicht an Landratsämtern, danach als Polizeireferent im Innenministerium. Dabei führte er in Bayern die Schleierfahndung ein. Drei Jahre war er auch abgeordnet nach Karlsruhe ans Bundesverfassungsgericht . Im Jahre 2000 bot sich ihm die Gelegenheit, Regierungspräsident in Unterfranken in Würzburg zu werden. Er bezeichnete diesen Posten " als das schönste Amt, das der Bayerische Staat zu vergeben hat". Es ist das höchste nicht parteigebundene Amt. Das breite Aufgabenspektrum reizte ihn besonders. Ein Regierungspräsident ist zum einen Vertreter der Staatsregierung, zum anderen ist er ihr gegenüber aber auch Repräsentant seiner Region. So musste er viele Gespräche mit der Staatsregierung führen. Dabei freute er sich mit den Jahren immer mehr, wenn er von München nach Unterfranken zurück kehrte. Er meinte sogar "München ist verdammt abgelegen".

    Nach der Wende rückte Unterfranken aus der Randlage an der Zonengrenze in eine zentrale Lage in Europa. Dabei galt es eine funktionierende Infrastruktur mit neuen Verkehrswegen zu schaffen. Die Regierung musste dafür zahlreiche Planfeststellungsverfahren durchführen. Aus seinem breiten Aufgabenbereich nannte Beinhofer verschiedene Beispiele. Zum einen lag ihm die schulische Entwicklung am Herzen. Auch um den Erhalt kleinerer Grundschulen kämpfte er mit der Staatsregierung. Ein großes Anliegen war ihm die bessere Gestaltung der Übergänge zwischen den einzelnen Schularten, besonders auch zwischen Kindergarten und Grundschule. Ein weiteres wichtiges Thema war der Grundwasserschutz. Unterfranken ist die Region mit dem geringsten Niederschlag. Er betonte, dass bei manchen Themen ein langer Atem nötig war. Seit 2000 gab es wirtschaftlich gute Jahre, mit 3 % war in Unterfranken die Arbeitslosigkeit sehr gering. Jedoch war es nötig, auch um den Bevölkerungsrückgang aufzuhalten, neue Einrichtungen in die Region zu bringen. Beispielhaft nannte er in Bad Neustadt das Technologiezentrum für E - Mobilität und das Bundesausbildungszentrum für Bestatter in Münnerstadt . Auch die Ansiedlung von Behörden in unsere Region war sein Bestreben. In München trat Dr. Beinhofer engagiert dafür ein, dass nicht nur Metropolregionen, sondern auch die "Region Unterfranken" gefördert wird. So entstand jüngst die Regiopole Würzburg - Schweinfurt. Dazu gehört auch die Bäderregion um Bad Kissingen.

    Von seiner Familie erzählte Beinhofer nur kurz. Er lernte seine Frau bei der katholischen Jugend kennen, bekam mit ihr zwei Söhne und ließ sich wohnhaft in Veitshöchheim nieder. Hier verbringt er auch seinen Ruhestand. Gerne schaut er auf seine 18-jährige Tätigkeit als Regierungspräsident in Unterfranken zurück.

    Das milde Klima am Main, die netten Leute und der gute Wein ließen Beinhofer hier schnell heimisch werden. Dabei erinnert er sich an das Lied "Bayerland, wie bist du schön, von den Alpen bis zur Rhön", das er einst in der Schule gelernt hatte. Rückblickend auf sein Leben zeigte er sich von großer Dankbarkeit erfüllt. Am 4. Dezember wird OStDir. Harry Koch vom BBZ, der vor kurzem in den Ruhestand trat, als Erzähler erwartet.

    Anneliese Albert

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