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    Hammelburg

    Erinnerung an die Opfer

    Der Davidstern, das Symbol des Judentums und Israels, hell erleuchtet durch die Opferkerzen zum Gedenken der eheamaligen jüdischen Bürger Hammelburgs.  Foto: Nathalie Flügel
    Der Davidstern, das Symbol des Judentums und Israels, hell erleuchtet durch die Opferkerzen zum Gedenken der eheamaligen jüdischen Bürger Hammelburgs. Foto: Nathalie Flügel

    Hammelburg Der 9. November 1938 ist in der Geschichte von Hammelburg ein "schwarzer Tag". Dieses Datum geht später als Beginn für den Holocaust in die Weltgeschichte ein.

    An diesem Tag, vor 81 Jahren, forderten die Nationalsozialisten unter dem Diktator Adolf Hitler in ganz Deutschland zum Rundumschlag gegen die Juden auf. In der Nacht auf den 10. November im Jahr 1938, gingen die ersten Synagogen in Deutschland, Österreich und in der Tschechoslowakei in Flammen auf.

    Die Gotteshäuser brannten teilweise bis auf ihre Grundmauern nieder. Jüdische Geschäfte und Wohnungen wurden von organisierten NS-Truppen überfallen und zerstört. Tausende dem Judentum zugehörige Männer, Frauen und Kinder wurden verschleppt, erniedrigt und getötet. Hunderte Menschen verloren in dieser Schreckensnacht ihr Leben; Millionen von ihnen wurden später in Konzentrationslagern ermordet.

    1933 wohnten Aufzeichnungen zufolge noch 79 jüdische Menschen in der Stadt Hammelburg . Diese Zahl reduzierte sich in den folgenden fünf Jahren kontinuierlich. Angst, Entrechtung und auch die Folgen der wirtschaftlichen Abschirmung führten dazu, dass die meisten Hammelburger Juden bereits vor der Reichspogromnacht geflüchtet waren. Im November 1938 waren dann noch 15 jüdische Menschen in Hammelburg ansässig (Quelle: Alemannia Judaica)

    Unter dem Regime eines jungen SA-Sturmführers begannen die brutalen Überfälle in Hammelburg in den Morgenstunden des 10. November 1938 gegen 10 Uhr. Die Nazis zerstörten Wohnhäuser, Wohnungen, die jüdische Religionsschule und die Läden jüdischer Familien vor Ort. Die Inneneinrichtungen der Synagogen in Hammelburg , Westheim und Untererthal wurden von den NS-Anhängern zerstört. Neben dem ehemaligen Synagogengebäude in der Hammelburger Dalbergstraße 57 steht heute eine eindrucksvolle Gedenkstätte der Stadt Hammelburg mit den Namen der damaligen jüdischen Bürger.

    Die Hammelburger Gedenkveranstaltung anlässlich des Jahrestages der Reichspogromnacht gilt dem Andenken an die Opfer.

    Als Vertreter der Stadt Hammelburg sprach Bürgermeister Armin Warmuth . Die Veranstaltung begann mit einer musikalischer Einstimmung durch Musiker, Sänger und Sängerinnen der Gruppe St. Johannes am Seelhausplatz. Anschließend fand Bürgermeister Warmuth bewegende Worte, die das Leid vor 81 Jahren nochmals verdeutlichten.

    "Unfassbare Ausschreitungen"

    "Nein, es waren nicht nur ein paar Glasscheiben, die zu Bruch gingen, es war eine zügellose, durchorganisierte Zerstörungswut und Verwüstung, es waren unfassbare Ausschreitungen, die letztendlich in die Gaskammern der NS-Vernichtungslager führten", konkretisiert Warmuth.

    Der Bürgermeister sieht den Jahrestag der Pogromnacht als Mahnung an unsere heutige Gesellschaft. "Der Jahrestag der Pogromnacht mahnt uns, dass wir mit aller Kraft und Entschiedenheit dem Aufkommen und den Auswüchsen von Antisemitismus , Rassismus und Gewalt entgegentreten", so Warmuth und weiter "auch und gerade in einer Zeit, in der rechtsradikales Gedankengut in allen deutschen Landesparlamenten als auch im deutschen Bundestag Einzug gehalten hat und mittlerweile dazu führt, dass im benachbarten Thüringen die Bildung einer neuen Landesregierung nur sehr schwer möglich sein wird."

    Warmuth erläutert, dass Bildung in der Prävention gegen Antisemitismus eine entscheidende Rolle spielt "Wir müssen im Bereich der Bildung unserer Jugend alle Möglichkeiten nutzen, um antisemitische Angriffe in einen historischen Zusammenhang zu stellen." Auch bei der diesjährigen Bildungskonferenz des Landkreises Bad Kissingen stand Antisemitismus im Kontext mit Wertevermittlung im Vordergrund, was die Aktualität der Thematik verdeutlicht.

    Weiter betont Warmuth, wie wichtig Gedenkstätten sind, um das Vergessen zu verhindern: "Es braucht Veranstaltungen wie diese, und es braucht konkrete Orte des Gedenkens wie unseren Seelhausplatz, die davon erzählen, was geschehen ist und die an die Opfer erinnern."

    In diesem Zusammenhang äußert Warmuth seine Dankbarkeit gegenüber dem Stadtrat wegen seines einstimmigen Beschlusses sich an dem Projekt zur Errichtung einer Gedenkstätte "DenkOrt Deportationen 1941 - 1944" vor dem Würzburger Hauptbahnhof zu beteiligen. "Der Ort soll an die Deportationen erinnern, die von Würzburg ausgingen, denn die Stadt war der Deportationsort für Juden und Jüdinnen aus ganz Unterfranken."

    Wichtige Erinnerungen

    Wie wichtig Erinnerungen an die Vergangenheit sind, betont der katholische Pastoralreferent Markus Waite: "Was noch hier ist, sind Häuser und Wohnungen, in denen sie gelebt haben. Straßen und Wege, in denen sie gegangen sind. Plätze, an denen sie uns oder unseren Vorfahren begegnet sind. Die Hammelburger Juden sind aus dem Stadtbild verschwunden, aber aus unserer Erinnerung wollen wir sie nicht verschwinden lassen." Um das Andenken nicht verblassen zu lassen, wurden die Namen der ehemaligen jüdischen Mitbürger laut verlesen und für jedes Opfer eine Kerze auf dem auf den Boden liegenden Davidstern entzündet.

    Der evangelische Pfarrer Robert Augustin bedauerte, dass die christliche Kirche während des Holocaust wegsah. "Die christlichen Kirchen haben in der damaligen Zeit zu viel geschwiegen, sind zu viel mitgelaufen und haben sich viel zu wenig für die betroffenen Menschen eingesetzt."

    Nathalie Flügel

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